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	<title>Cafe Riptide</title>
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	<description>Musik &#124; Kunst &#124; Cafe</description>
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		<title>#28 Ein ernsthafter Mann</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Feb 2010 15:44:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
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Dienstag, 2. Februar

Vor 20 Uhr kommt zunächst kein Gast ins Café Riptide, denn bis dahin bereiten André und Chris den Raum für die heutige Abendveranstaltung vor. Heute Abend liest Ex-Titanic-Chefredakteur Thomas Gsella im Café, zum bereits zweiten Mal. Für die Gäste, die die Zeit zwischen Cafébetrieb und Abendveranstaltung dennoch in Reichweite des Riptides verbringen wollen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Dienstag, 2. Februar</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Vor 20 Uhr kommt zunächst kein Gast ins Café Riptide, denn bis dahin bereiten André und Chris den Raum für die heutige Abendveranstaltung vor. Heute Abend liest Ex-Titanic-Chefredakteur Thomas Gsella im Café, zum bereits zweiten Mal. Für die Gäste, die die Zeit zwischen Cafébetrieb und Abendveranstaltung dennoch in Reichweite des Riptides verbringen wollen, hat sich die Situation immens verbessert: Sie müssen jetzt nicht im kalten Nieselregen stehen, sondern können sich die neue Rip-Lounge setzen. Dort sitzt Sylvia und interviewt Thomas Gsella für Radio Okerwelle. Gerald Fricke und Frank Schäfer setzen sich nach einer Weile dazu. Sie kennen Thomas Gsella, denn sie hatten ihn einmal bei ihrer Literaturshow „Lemmy und die Schmöker“ zu Gast, die sie bis vor ein paar Jahren gemeinsam mit Hartmut El Kurdi im Antiquariat Buch und Kunst veranstaltet hatten. Dort war Sylvia auch immer Gast, deswegen kennt sie auch die beiden Braunschweiger Autoren.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Hast du reserviert?“ Diese Frage wird Jana an der Kasse heute noch häufiger stellen. Die meisten Gäste bejahen sie. Statt einer Eintrittskarte drückt Jana den Gästen den Riptide-Stempel in die Hand. „Ich bin die Aushilfe für die Aushilfe“, erklärt Jana  lachend. „Das mache ich gerne, wenn mal Not an der Frau ist.“ Der nächste Gast kommt an die Kasse. „Hast du reserviert?“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Noch ist im Café nicht viel los. Überall stehen Bierbänke quer im Raum, eine winzige Bühne drängt sich in die LP-Ecke, davor warten die vier schwarzen Hockerwürfel auf Sitzende. Die nehmen zuerst das Sofa am anderen Ende des Raumes ein. André kommt aus Richtung Sofa, Chris kommt von der Leiter herunter. Er hat den Beamer auf einen Lautsprecher gestellt und das Bild von Gsellas neuem Buch „Warte nur, balde dichtest du auch! – Offenbacher Anthologien“ auf die Leinwand neben der Minibühne projiziert. Chris setzt sich auf den Stuhl an dem Tisch auf der Bühne. „Thomas Gsella hat mich gebeten, euch ein paar Geschichten zu erzählen“, spricht er ins Mikrofon. „Er hat keinen Bock“, behauptet er und fügt grinsend hinzu: „Auf euch.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Ein Relikt aus vergangener Zeit, ein Symbol für die Einzigartigkeit und den liebenswerten Charakter des Café Riptide haben Chris und André zu Grabe getragen: Den Schlüssel für das WC. Er liegt jetzt aufgebahrt in einem Holzsarg auf dem Tresen, beschriftet mit „R.I.P. 16.9.2007 – 16.1.2010“. Seit es in der Lounge Toiletten gibt, wird die Frage „kann ich mal den Schlüssel haben?“ im Riptide ebenso wenig wieder zu hören sein wie die gut gelaunt geäußerte Wegbeschreibung „wenn du hier raus gehst, nach rechts, etwa zehn Meter, dann auf der linken Seite die Glastür, die Treppe hoch“. Eine Ära geht zu Ende. Das sehen offenbar viele Gäste so, denn Chris erzählt eben jemandem, dass ein anderer Gast gesagt hätte, er würde jetzt trotzdem nur mit dem Schlüssel aufs WC gehen wollen. Überdies berichtet Chris, dass es mit der einzigartigen Klingel für die Funk-Verbindung zur Rip-Lounge nicht geklappt hat, und beruhigt: „Die provisorische Klingel funktioniert jetzt immerhin.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Am Rand der ersten Reihe stapelt Sylvia ihre technischen Dinge und ihre Winter-Sachen auf die Bank. „Hab den Thomas interviewt drüben“, sagt sie, „und mir jetzt einen Platz in der ersten Reihe reserviert.“ Auch Chris setzt sich in die erste Reihe, neben Marcel Pollex vom Ensemble der Bumsdorfer Auslese. Mehr Platz ist im rappelvollen Café auch kaum noch zu bekommen. Aber zu finden: Auch Heike und Jerun zwängen sich noch erfolgreich nach ganz vorne.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Sich umständlich verrenkend nimmt Thomas Gsella den Platz auf der Bühne ein. „Ich darf mich nicht bewegen, sonst rutsche ich von der Bühne“, stellt er um sich blickend fest. „Hinter mir ist ein Graben, zehn Meter tief.“ Vor einem Jahr sei er schon mal im Riptide gewesen, erinnert er sich. „Als ich vor einem Vierteljahr erfuhr, dass ich schon wieder für Braunschweig gebucht bin, stellte ich fest, dass ich noch gar kein neues Programm hatte, da musste ich schnell zwei neue Bücher schreiben.“ Zum Beispiel die „Offenbacher Anthologie“ als Antwort auf die „Frankfurter Anthologie“, die Marcel Reich-Ranicki als Lyrik-Rezensions-Kolumne in der FAZ verfasst. Gsella beschränkte sich jedoch nicht wie Reich-Ranicki auf deutschsprachige Lyrik, sondern ließ prominente Gestalten offenbar ohne deren Wissen weltweit unbekannte Lyrik-Phänomene auftun und beschreiben. Passend dazu warf er immer ein Foto des vermeintlichen Dichters an die Wand. Gsella adaptierte nicht nur absurde Lyrik, sondern nicht minder überzeugend die verbalen Auswüchse der Lyrikrezipienten. Die Genrevielfalt und das damit sehr breit gefächerte Allgemeinwissen brachten immer andere Ecken des Publikums zum Lachen. Freude hatten so alle an der Lesung.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
In der Pause wechselten viele Gäste in die Rip-Lounge, nicht nur zum Rauchen. Heike und Jerun gehören dazu. Heike lobt das Riptide. „Eine tolle Atmosphäre hier“, sagt sie. Erst gestern Morgen hatte sie per Mail zwei Plätze für die Veranstaltung vorbestellen wollen. „Abends kam dann Antwort von Chris“, erzählt sie erleichtert. Die beiden gehen rauchen, wie viele andere Gäste auch.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Also haben die Nichtraucher im Riptide mehr Platz, sich in Gruppen zusammenzustellen und zu unterhalten. Mit leuchtenden Augen schwärmt Gerald von „A Serious Man“, dem neuesten Film der Brüder Joel und Ethan Coen. Das Ende habe ihn überrascht, die vielen kleinen Details gefielen ihm. „Das Parkplatz-Gleichnis“, erinnert er sich und muss sofort wieder darüber lachen. Gerald hat den Anspruch, die Filme der Coen-Brüder komplett zu sehen „‚Burn After Reading’ habe ich noch nicht gesehen, ‚Barton Fink’ war mein erster“, erzählt er. Der habe ihn damals auf den Rest erst neugierig gemacht. „Arizona Junior“ fehle ihm noch. Über „Ladykillers“ sagt er jedoch: „Das ist der Verzichtbarste.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Zwei Gruppen von Gästen bevölkern die Rip-Lounge: Die Raucher, sitzend, und diejenigen, die sonst nach dem Schlüssel fragen würden, schlangestehend. Irgendwo dazwischen macht sich Laura auf den Weg zurück ins Haupt-Café. Laura kellnert im Herman’s, lernt zurzeit aber auch viel fürs Studium.  „Ich könnte mir keinen Job vorstellen, bei dem ich nichts mit Leuten zu tun habe“, sagt sie, und erzählt: „Eine Freundin gestaltet Dinge am PC, das könnte ich nicht.“ Sie verlässt die Rip-Lounge. Allmählich leert die sich, auch Heike und Jerun rauchen auf und gehen durch den Nieselregen zurück ins Café.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Am Eingang steht André im Niesel und raucht. „Am 13. haben wir wieder die Party mit dem Superbonz Soundsystem“, sagt er. „Da lassen wir in der Rip-Lounge entspanntere Musik laufen, da können die Leute dann chillen.“ Er zieht an der Zigarette, da kommt Ben den Handelsweg entlang. Der Play-It-Again-Ben der Bumsdorfer Auslese wundert sich, was im Café los ist. „Thomas Gsella hält eine Lesung“, sagt André. „Ich komme nur zufällig vorbei, will mit Arbeitskollegen etwas trinken gehen“, sagt Ben. Er fragt André: „Haste mal Feuer?“ und hält ihm eine Selbstgedrehte hin. André hat Feuer. Ben dankt und verschwindet grüßend und Rauch in die Luft blasend in der nassen Kälte.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Kabel und Mikrofone türmen sich auf Sylvias Platz. Sie schneidet Gsellas Programm auszugsweise mit: „Mal sehen, was noch kommt.“ Den Anfang habe sie jedenfalls mitgeschnitten, berichtet sie, und freut sich: „Besonders Franks Lachen, das hört man ja immer und überall heraus.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Jetzt ist auch Thomas Gsella aus der Raucher-Lounge zurück an seinen Bühnenplatz gekehrt. „In der Pause haben Leute gesagt, die Lesung wäre scheiße, weil zu wenig Gedichte vorkamen“, setzt er an. Den Missstand behebt er, indem er für Spiegel-Online verfasse Sudel-Gedichte über Städte rezitiert. „Über Braunschweig habe ich auch eines geschrieben auf der Fahrt hierher“, sagt er und liest es vor. Die „Offenbacher Anthologien“ bestimmen danach auch den zweiten Teil der Lesung, obendrauf gibt es Prosa sowie Texte aus der Titanic-Rubrik „Vom Fachmann für Kenner“ zu hören.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Es ist schön, jemandem zu lauschen, der weiß, was er da macht“, kommentiert Janna an deren Ende die Veranstaltung. Für Gsella erfindet sie das Lob „ich find den krallenett“. Heike, die vor ihr sitzt, bedient sich an Jannas Kleidungsstücken, bis sie bemerkt, dass es gar nicht ihre sind. Beide lachen. „Ich war mal auf einer Party, da haben alle ihre Jacken aufs Bett geworfen, um die 30 Gäste“, erzählt Heike. „Das war im Winter, und als ich nach Hause wollte, musste ich erst meine Jacke suchen – alle waren schwarz“, sagt sie. Im gehen macht sie noch einen Vorschlag: „Im Winter sollte man mal etwas anderes als Schwarz tragen, zum Beispiel Orange.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Auch Sylvia sucht ihre ganzen Sachen zusammen. „Am Sonntag von zwölf bis 13 Uhr mache ich über Chris eine Sendung“, kündigt sie an. „Den ganzen Werdegang, vom Mailorder bis zum Café, und André sucht die Musik aus.“ Kabel landen in Sylvias Tasche. „Das Interview mit Thomas ist am Donnerstag in ‚Pandora’ zu hören, zwischen 19 und 20 Uhr“, sagt sie. Die Sendung „Pandora“ läuft an jedem Donnerstag auf Radio Okerwelle. Der Sender residiert in der Brunsviga, dort ist Sylvia also oft anzutreffen. „Da kommt Hartmut El Kurdi hin, am 26. Februar, zum Satire-Fest“, sagt Sylvia begeistert. „Und am 27. März kommt er mit The Twang auch in die Brunsviga“, schiebt sie hinterher. Kaum weniger begeistert berichtet sie von der neuen The-Twang-CD: „Klaus Voormann hat das Cover gemacht, die Band in einem Stetson – Voormann hat in der Band von Manfred Mann gespielt und das Cover von der Beatles-LP ‚Revolver’ gestaltet.“ Im Vorbeigehen hat auch Frank, dessen Lache Sylvia so mag, noch einen Veranstaltungstipp: „Am 4. März ist Frank Schulz im Riptide, das stand auch unten im Newsletter zu Gsella.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Die Show ist lange vorbei, das Riptide leert sich. André klappt Bänke zusammen, Jana gibt an der Theke das Pfandgeld aus. Chris dankt Thomas Gsella an der Bühne für den Abend. Wird Gsella ein drittes Mal ins Riptide kommen? „Wenn ich darf?“, hält er grinsend dagegen. Chris spielt empört: „Aber sicher!“</span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></p>
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		<title>#27 Verdoppelter Brandungsrückstrom</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 20:22:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
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Samstag, 16. Januar

Nina schreibt:
Wir waren zu viert und kamen aus dem Kino, so ca. 23.30 Uhr. Natürlich haben wir von der Party im Café Riptide gehört und sind in die Richtung geschlendert. Im Kopf war aber der Gedanke, dass um diese Uhrzeit doch niemand mehr da ist und die Party ohne uns gelaufen ist. Um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Samstag, 16. Januar</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Nina schreibt:</strong><span style="font-family: Courier New; color: #000000;"><br />
Wir waren zu viert und kamen aus dem Kino, so ca. 23.30 Uhr. Natürlich haben wir von der Party im Café Riptide gehört und sind in die Richtung geschlendert. Im Kopf war aber der Gedanke, dass um diese Uhrzeit doch niemand mehr da ist und die Party ohne uns gelaufen ist. Um so überraschter waren wir dann, als wir schon zu Beginn des Handelweges Musik und Lachen aus dem Café gehört haben&#8230; Mit Vorfreude sind wir dann eingetreten und begegneten gleich vielen gut gelaunten Menschlein mit Sekt und Co. Alle in guter und lockerer Stimmung. Einen Sitzplatz haben wir nicht gleich finden können, aber konnten uns dann doch auf zwei kleinen Sitzwürfeln niederlassen und quatscheln.<br />
<span style="font-family: Courier New; color: #000000;"><br />
Mein Eindruck war sehr positiv. Eine entspannte Atmosphäre und dann doch so &#8222;kicksig&#8220; und frisch. Ich finde es schön, dass es dort an jeder Wand und Ecke etwas zu entdecken gibt: bunter Bilder, Spielzeug, spannende Leute&#8230; Ein bissel wie bei Oma in der Stube.<br />
<span style="font-family: Courier New; color: #000000;"><br />
Leider wurde kurz nach unserem Eintreffen doch der Laden geschlossen. Eine sehr nette und hübsche Dame fragte uns nach unserer Meinung und bat uns, bald wiederzukommen. Nach einer sehr herzlichen Knuddelage ihrerseits sind wir dann weitergezogen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Janna schreibt:</strong><span style="font-family: Courier New; color: #000000;"><br />
Die Riptide-Lounge ist so gemütlich, dass ich am liebsten hierbleiben würde – wenn ich nicht Nichtraucherin wäre. Die Wände in Rot und Pink und etwas Gold, zum Teil mit passender Riptide-Tapete versehen, knüpfen an den maurischen Charakter des Gebäudes an, inklusive Sitznische und Kerzen. Es ist voll, doch ich finde dennnoch, was ich suche: Das WC ist nicht mehr auf interessant verschlungenen Wegen, sondern ebenerdig zu erreichen und auch für Leute geeignet, die größer sind als 1,48 m.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Lina schreibt:</strong><span style="font-family: Courier New; color: #000000;"><br />
Es war gut besucht: Immer wieder kamen Gäste mit beschlagenen Brillen, die nach einem Platz suchten, und die Kellner kamen kaum mehr hinterher, den zahlreichen, lautstark und fröhlich geäußerten Bestellungen Folge zu leisten. Die Raucher freuten sich, dass sie in den neuen Räumlichkeiten rauchen durften, die Nichtraucher, weil der Nichtraucherbereich davon höchstens optisch etwas mitbekam und sie, wie sonst auch, bei den Platten saßen, und man freute sich kollektiv darauf, dass die Lücke dazwischen bald durch Sonnenschirme und Sitzgelegenheiten im Innenhof geschlossen werden würde.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Mittwoch, 20. Januar</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Der ganze Schnee, der seit Weihnachten alles bedeckte, ist inzwischen weg. Die wenigen Reste sind so grau wie der Himmel. Umso besser, dass das Riptide schon kurz vor Mittag geöffnet hat. Noch ist es ruhig, zwei Gäste sitzen am Tisch, ein weiterer blättert in den LPs. Chris steht hinter der Theke und wirkt ratlos. „Gestern habe ich den Monitor ausgemacht, heute geht er nicht mehr an – das kann doch nicht sein, der kann doch nicht über Nacht kaputt gehen!“ Er krabbelt unter die Theke. „Da muss ich unten bei den Kabeln gucken.“ Seine Stimme klingt gedämpft. Sollte der Monitor wirklich kaputt sein, wäre das problematisch: „Es fällt viel weg, was ich nicht machen kann, und außerdem wird auch noch ein neuer Monitor fällig.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Von den LPs kommt Dennis herüber. „The XX habt ihr nicht hier?“, fragt er Chris, der sich von unter der Theke erhebt. „Da muss ich gucken“, sagt Chris. „Die geht täglich rein-raus – hier kann ich nicht gucken, das muss ich hinten machen.“ Also geht er an den PC im versteckteren Büro-Teil des Cafés. Nach einer Weile kehrt er zurück und überbringt Dennis die schlechte Botschaft: „Beides ist raus, auf die LP warten wir schon länger, die CD kommt morgen.“ Dennis würde jedoch lieber die LP haben wollen. „Kann ich verstehen, die ist super gemacht, mit dem X als Cut-Out – die ist saugeil, die Platte, taucht auch in allen Bestenlisten auf, seitdem kriegen wir noch mehr Nachfragen.“ Chris klettert wieder unter den Tresen und fördert einen schwarzen Stecker zutage. „Den Netzstecker hab ich gefunden“, sagt er zwar erstaunt, aber doch nicht so recht zufrieden, weil das dem Monitor nicht hilft. „The XX hab ich bei Tracks auf arte gesehen“, kehrt Dennis zum Thema zurück. „So wie ich haben bestimmt auch viele die Band dadurch entdeckt.“ Chris werkelt weiter an der Steckleiste herum. „Alle gehen jetzt ihre eigenen Listen durch und gucken: Hab ich was verpasst?“, sagt er. Es klackt, wenn er Stecker zurück in die Leiste drückt. „Da taucht alles auf, was 2009 gut war: La Roux, Mumford And Sons, The XX – die sind alle bei mir auch auf der Bestenliste.“ Es piept. Chris stutzt und blickt verdutzt auf den Monitor. „Der ist wieder da!“, stellt er fest. „Ich hab alle Stecker rausgenommen, die Kabel geradegezogen – der kann doch nicht einfach kaputtgehen, der muss rauchen, blitzen, pfffff, aber doch nicht so still und heimlich&#8230;“ Chris klackert an der Tastatur. „Schlimm ist, wenn man nicht weiß, woran’s gelegen hat.“ Jetzt kann er Dennis auch wieder vom der Theke aus Fragen nach LPs beantworten.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Seit Samstag ist das Riptide größer. Gegenüber, am anderen Ende des Achtecks, eröffneten Chris und André die Rip-Lounge. Eben geht Chris an den besetzten Tisch im Haupt-Café und fragt nach weiteren Wünschen. Timo fragt Chris nach der Rip-Lounge. „Das ist der Raucherbereich, wir haben 23 neue Sitzplätze und WCs drüben, man muss nicht mehr den Schlüssel holen“, zählt Chris auf. Timo fragt nach Partys in zwei Räumen, die jetzt möglich wären. Chris nickt: „Wir haben im Februar eine Party und überlegen, die auch drüben über Funk mit der PA zu beschallen.“ Timo steht auf. „Das guck ich mir mal an.“ Er verlässt das Café, überquert den Handelsweg und öffnet die Tür zur Rip-Lounge. „Wow!“, staunt er. Bis auf das Hellgrün sind alle Farben aus dem Haupt-Café auch hier zu sehen, die schmucke Tapete reicht bis in Kopfhöhe, Bänke stehen parallel zueinander, vorne stehen Stühle an den Tischen. Am Fenster, das dem großen Fernseher-Fenster im Haupt-Café fast gegenüberliegt, steht ein Schild mit der Aufschrift „Suppe der Woche: Kohlrabi-Möhren-Cremesuppe“ und eine Vase mit Nelken. Eine Vase mit Tulpen steht auf einem der Tische. Am Ende der einen Bankreihe machen Kissen aus einer zugemauerten Fensternische eine gemütliche Sitzecke. Neben der Tür hängt ein Kasten mit der Aufschrift „Bestellen? Drück mich!“ und einem Knopf in der Mitte. „Das sieht aber gut aus“, findet Timo mit einem Blick in die Runde und kehrt dann wieder zurück an den Tisch im Haupt-Café.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Dort berichtet Chris vom Samstag. „Um 15 Uhr haben wir offiziell das Band durchgeschnitten“, sagt er. So richtig fassen kann er nicht, woran er sich erinnert: „Die Leute hatten wohl die Party des Jahres erwartet, sie zumindest daraus gemacht – sie kamen und kamen und kamen&#8230;“ Freunde und Fremde, ein Riesentrubel, mit ihm und André sechs Helfer im ständigen Einsatz.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Mit Plakaten kommt Stefan herein und fragt, ob Chris die aufhängt. Der sichert das zu. Von Radio Ferner kommt Stefan. „Wir machen Hörproben bei uns, Freitag geht’s los“, sagt er. Um Plattenspieler der unterschiedlichsten Preisklassen geht es dann. „Wir haben euch schon viele Leute geschickt“, sagt Chris und nimmt die Plakate entgegen. Stefan bestätigt: „Ja, da kommen viele junge Leute zu uns, und immer, wenn’s um Platten geht, frage ich, kennste das Riptide?, und die kennen das auch.“ Chris grinst: „Das sind wohl die, die wir zu euch geschickt haben.“ Aber bei den jungen Leuten will es Stefan nicht belassen. „Wenn mal ein paar ältere Leute zu euch kommen, die sind auch von uns“, sagt er und erzählt, dass die es nicht glauben können, wenn er ihnen sagt, dass es in Braunschweig einen Laden gibt, in dem man Platten kaufen kann, „und zwar nicht gebrauchte, sondern richtig neue.“ Ihm selbst gehe es genauso: „Ich will auch nicht nur die alten Sachen hören.“ Deswegen hat er zwar für die Kunden viele ältere LPs und CDs für die Hörproben im Geschäft. „Neue Musik wollen die meisten nicht hören, aber manchmal lege ich dann auch Bonnie ‚Prince’ Billy oder Seasick Steve auf, da fragen die Kunden dann schon mal, was das ist.“ Die Live-Platte von Bonnie „Prince“ Billy hat einen tollen Sound, findet Stefan. „Und wenn ich mal Seasick Steve auflege, sagt trotzdem keiner: Das nervt“, berichtet er. Erst seit wenigen Monaten sucht Stefan überhaupt wieder nach neuer Musik. „Ich war ein paar Jahre weg davon“, sagt er. Familie, Beruf und so weiter. Jetzt hat er einen Account bei Napster. „Da lade ich mir Alben herunter, höre sie mir an, und was mir gefällt, das kaufe ich mir auf Platte.“ So hat er schon eine Menge Sachen kennen gelernt, über die er ohne Napster nie gestolpert wäre. „Die Mountain Goats oder My Morning Jacket hört man ja nicht im Radio”, bedauert Stefan. „Und die habe ich bei Napster entdeckt“. Stefan wendet sich jetzt an Chris, weil er noch etwas bestellen will.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Mittlerweile füllt sich das Café. Nicht nur mit Gästen: Joel ist eingetroffen, er macht zurzeit ein Praktikum im Riptide. „Seit&#8230;“ Er überlegt kurz und weiß dann: „&#8230;letzte Woche Mittwoch.“ Samstag zur Eröffnung der Rip-Lounge war er dann also bereits dabei. „Da war gut was los“, nickt er. Der 19-Jährige geht auf die BBS 3 Fredenberg in Salzgitter-Lebenstedt und wohnt in Bad. Das Riptide ist bis dorthin bekannt: „Bei vielen Kumpels, die Vegetarier und Veganer sind, und bei Hardcore-Punks, die Platten sammeln“, sagt Joel. „Die sind auch öfter hier, das spricht sich überall herum.“ Seinen Geschmack bekommt er hier auch erfüllt: „Crust, Grind, Death Metal, Punk, Thrash Metal – hauptsächlich Krach.“ Er grinst und macht sich wieder an seine Arbeit.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Drüben ist auf?“, fragen Detlev und Jürgen, die kurz ins Riptide blicken. Chris bejaht und fragt: „Was nehmt ihr, wie immer?“ Die beiden bestätigen, Chris nickt und sie gehen nach gegenüber in die Rip-Lounge, kurz darauf folgen auch die Getränke. Die Post und ein Paketdienst kommen an die Theke und bringen Post und Pakete. Nach einer Weile steckt Detlev seinen Kopf zur Tür herein und fragt, ob er noch eine  Bestellung abgeben kann. „Habt ihr geklingelt?“, fragt Chris. Hat er, hat aber offenbar nicht funktioniert. Er erzählt, dass in der Rip-Lounge früher das Doktor Korn war, „ganz früher, Ende der 60er, da ging’s hier hoch her.“ Er grinst. „Das Doktor Korn war eine Pinte“, er macht eine kleine Pause, „freie Liebe gab’s überall“, und schränkt dann ein: „Ich war erst zwölf, 13, bin immer von der Schule hier durch.“ Er denkt kurz nach, was damals wohl noch so dazu beitrug, dass es hoch her ging, und sagt: „Tante Puttchen ist eh klar, und das Banana, ich sitze grad mit dem ehemaligen Besitzer zusammen.“ Das ist Jürgen, der Detlev Steini nennt. Er wartet in der Rip-Lounge rauchend auf Detlev und die bestellten Getränke. „Handelsweg 11 war meine Adresse“, sagt Jürgen. „Ich hatte Schmuck, Kleidung, Besonderes, Asiatika.“ Detlev erinnert sich: „Vorher war da Fletcher.“ Jürgen nickt. „Ich bin neunundachtzig da rein, raus bin ich&#8230;“, er grübelt, „zweitausendzwei oder drei – jetzt bin ich bei der Stadt.“ Chris bringt den Milchkaffee für Jürgen und den Grünen Tee für Detlev. „Dürfte ich ausnahmsweise gleich abkassieren?“, fragt Chris und stößt damit auf volles Verständnis. Beide Gäste greifen zu ihren Geldbörsen, doch Jürgen sagt: „Nein, Steini, dieses Mal bin ich dran.“ Chris dankt, nimmt das Tablett und kehrt zurück ins Haupt-Café. Jürgen und Detlev beginnen, sich an Geschichten und Erlebnisse zu erinnern. „Johnny Cash hab ich mal auf Bali kennen gelernt“, sagt Detlev gerade. „Da hat er in einer Karaoke-Bar sein eigenes Lied gesungen.“ Jürgen fällt ein: „Auf Bali haben wir uns auch mal getroffen, zufällig, das war in dem Jahr, als Jan Ullrich die Tour de France gewonnen hat.“ Jürgen war auf Bali, weil er dort Sachen für seinen Laden gekauft hat. „Viermal im Jahr war ich in Südostasien, auch in Mexiko“, erzählt er. Detlev und Jürgen haben zusammen Fußball gespielt, beide waren an Sport interessiert. „Ich bin nach Bali geflogen, als die Tour de France schon zuende war, und Steini wollte unbedingt wissen, wie’s ausgegangen ist, ob Jan Ullrich gewonnen hat – damals gab’s ja noch nicht in jedem Nest ein Internet-Café.“ Detlev kehrt thematisch zurück zum Handelsweg und weiß über das Riptide: „Angela war da vorher drin, mit ihrem Antiquitätenladen, die ist jetzt vorne an der Ecke, gegenüber vom ehemaligen Hound Dog.“ Beiden fällt der Begriff „Kontakthof“ ein, sie nennen Knuff und Pata Pata. Jürgen lacht und zeigt in die Weite der Rip-Lounge. „Hier hatte ich mal ein Erlebnis, ich war mit meiner Freundin hier, da kam Paule rein mit einer Winchester, hat nur zum Spaß in die Decke geschossen, baaamm, baaamm!“ Beide lachen. „Hier könnt’ ich Bücher erzählen“, versichert Jürgen glaubhaft. „Pata Pata hat komplett mit Matratzen ausgelegen“, fällt Detlev ein. „Und als Schüler habe ich mir immer bei Tante Puttchen Eis geholt.“ Jürgen erzählt, dass er aus West-Berlin kommt „Ich bin im MK zur Schule gegangen, das war lustig, als ich den Laden hatte, sind ab und zu meine alten Lehrer vorbeigekommen, die hab ich dann angesprochen, die hätten mich nicht erkannt.“ Die beiden erinnern sich an den Gewölbekeller unter der Rip-Lounge und überlegen, was da vor dem Peetie’s drin war. „Wild Geese 2“, fällt Jürgen ein. „War das das, wo der drin geheiratet hat?“, fragt Detlev. Jürgen verneint: „Das war im Red Pub, so hieß es davor.“ An ein Fahrradgeschäft erinnert sich Detlev. „Da ist jetzt der Comic-Laden drin“, weiß er. Zurück beim Fußball erzählt Jürgen von Anekdoten und Erlebnissen, die er als Spieler der Altherrenmannschaft der Eintracht hatte. Detlev lacht. Er arbeitet beim Theater und zitiert aus dem Stück „Gipfelstürmer“: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Wolters her.“ Wie aufs Stichwort kommt Joel herüber und fragt: „Darf’s noch was sein?“ Jürgen verneint: „Nein, für mich nicht mehr.“ Detlev fügt hinzu: „Es ist nett, dass du fragst!“ Joel nickt und kündigt an, dass er zum Abräumen gleich wiederkommen wird. Jürgen und Detlev kehren zurück zu ihren Erinnerungen und hören gar nicht mehr auf zu lachen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Drüben im Haupt-Café ist André inzwischen eingetroffen. In der Küche ist er ganz gut beschäftigt, denn am MK ist gerade Pause und viele Schüler holen sich ihren Imbiss im Riptide ab. Einige stehen mit Straßenpizza bei ihren Freunden herum, die gerade ihre Bestellung zubereitet bekommen. Timo schiebt sich zwischen sie und begleicht bei Chris seine Rechnung. Beim Blick auf die Led-Zeppelin-Box hinter Chris fragt er nach dem Preis und sagt, dass er sie gerade ersteigert hat und vergleichen will. „66 Euro“, liest Chris ab. „Ja!!!“, jubelt Timo. Chris grinst: „Hast du ein Schnäppchen gemacht?” Timo erzählt, dass er sie für 20 Euro bekommen hat uns schon glaubte, zu viel bezahlt zu haben. Chris verneint: „Da kannst du im Quadrat springen.“ Das macht Timo dann doch nicht, sondern dankt, grüßt und geht.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Nach ihm kommt Sahar an die Theke. „Einen von den dunklen Coockies“, bestellt sie bei Chris. „Zum Mitnehmen?“, fragt der. „Ja“, sagt sie und diskutiert mit ihren Freundinnen, warum sie lieber den dunklen als den hellen haben möchte. „Wir haben gerade Mittagspause“, erklärt sie noch, nimmt ihren Cookie entgegen und verlässt gemeinsam mit ihren Freundinnen das Café. André hat inzwischen auch die Crêpe-Wünsche der anderen Schüler erfüllt, das Café leert sich ein wenig. André macht sich an die nächsten Crêpes auf dem Bestellzettel.<br />
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„Die Klingel hat manchmal Aussetzer“, weiß Chris über die Funkstille zur Rip-Lounge. Er verrät: „Wir lassen uns da gerade etwas Besonderes bauen, was es nicht gibt.“ Mehr jedoch verrät er nicht. Nur, dass die Rip-Lounge noch lange nicht fertig ist. „Lüftung, finale Möbel, Klingelsystem“ fehlen noch. „Es klafft noch ein Loch in der Wand, da kommt die Lüftung rein, das stört aber nicht – wir haben die Lounge erst mal in Betrieb nehmen wollen, Ende Januar kommt hoffentlich alles.“ Den Namen „Rip-Lounge“ lehnt Chris an VIP-Lounge an. „Den wusste ich schon vor einem Jahr“, grinst er.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
In der Küche schnippelt André gerade Bananen auf einen fertig gebackenen Crêpe. „Samstag war ein Erfolg“, erzählt er erleichtert. „Da ist uns eine Last von den Schultern gefallen.“ Chris und André hätten vor zweieinhalb Jahren nicht zu träumen gewagt, dass das Riptide einmal zu klein sein würde. Der Sprung über den Handelsweg war ein Wagnis. Eines, das den Gästen mehr Komfort bietet. Bei einem Schmuddelwetter wie jetzt müssen die Raucher nicht mehr unter dem Schirm im Achteck frieren. Sie können im Warmen, Trockenen sitzen, rauchen und sich mit Speis und Trank bedienen lassen. Joel kommt mit einem vollen Tablett mit leeren Gefäßen darauf aus der Rip-Lounge. Noch bis Ostern wird er regelmäßig im Riptide arbeiten. Das ist noch weit weg.</span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></p>
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		<title>#26 Wunsch oder Reim aka Glücklos wuschig</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 23:48:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[
Mittwoch, 9. Dezember

Zum Geleit: Da es auf Weihnachten zugeht und Weihnachten nach heutiger Auffassung vorrangig das Fest der Wünsche ist, stehen die Gäste des Café Riptide heute vor der Wahl, entweder von einem Wunsch zu berichten, den sie sich bereits erfüllt haben oder noch erfüllen möchten, oder sich ein Gedicht auszudenken.

Chris und André haben im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Mittwoch, 9. Dezember</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Zum Geleit: Da es auf Weihnachten zugeht und Weihnachten nach heutiger Auffassung vorrangig das Fest der Wünsche ist, stehen die Gäste des Café Riptide heute vor der Wahl, entweder von einem Wunsch zu berichten, den sie sich bereits erfüllt haben oder noch erfüllen möchten, oder sich ein Gedicht auszudenken.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Chris und André haben im Achteck vor dem Riptide immer noch Tische und Stühle unter dem Schirm stehen, und die werden auch immer noch genutzt, von Rauchern zumeist. Dabei ist es heute wenngleich trocken, so doch recht kalt. Immerhin lässt sich die Sonne gelegentlich blicken. Das ist so ungewöhnlich, dass es sich bei den Gästen deutlich bemerkbar macht. „Alle strahlen heute, die reinkommen“, stellt André daher fest. Und lässt sich seinerseits ansteckend davon anstecken.<br />
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„Was ist denn gerade die Suppe der Woche?“, fragt Manu vom Platz vor der Theke aus. „Linsensuppe nach Omas Rezept“, sagt André über die Theke hinweg. Manu bestellt davon. „Weil die Linsen die Flüssigkeit eingezogen haben, ist aus der Suppe ein Eintopf geworden“, erklärt André, als er Manu die Schüssel bringt.<br />
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„Sondersendung“ heißt die Silvesterparty, die im Fernmeldeamt steigt und an der auch das Riptide beteiligt ist. André weist auf die entsprechenden Flyer hin, die seit einiger Zeit der Tresen schmücken. Auch weist er darauf hin, dass am Samstag, 19. Dezember, Monsieur LeSupersexuel im Riptide seine „Sinful pleasures a-go-go“ ausleben wird. „Das ist Helge, der hat oft in der Haifischbar aufgelegt, das ist das dritte Mal, dass er das jetzt bei uns macht“, erklärt André. Und schlägt das aktuelle „intro“ auf, da ist „The Ghost That Broke In Half“, das neue Album der Göteborger Band Boy Omega, in der Rubrik „Platten vor Gericht“ auf Platz fünf von zehn. Das Album ist auf dem Riptide-Label erschienen. Außerdem berichtet André von Franzi, der neuen Aushilfe. „Sie macht das Team komplett“, sagt er. Kathi, Sina und Franzi ermöglichen Chris und André jetzt mehr Freiraum, sich um andere Belange des Cafés zu kümmern.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Chris sitzt nämlich auch jetzt wieder in seiner Büroecke. Man hört aus dem Winkel abwechselnd Tastaturklappern, Stuhlknarren und Sichamtelefonverabschieden. Ansonsten hört man recht wenig im Riptide, obwohl es voll ist. Eine beinahe andächtige Stille macht die allgemeine strahlende Entspanntheit greifbar. Jetzt steht Chris auf und sortiert einige Belege in die Schublade am Tresen. Er guckt in den Raum und stutzt: „Sind so viele Leute da – was ich immer nicht mitkriege.“ Er dreht sich zufrieden um und kehrt an seinen Arbeitsplatz zurück.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Ich habe mir den Wunsch erfüllt, nach erfolgreicher Abschlussarbeit einen Thorens-Plattenspieler zu kaufen“, sagt Manu, als er seine Suppenschüssel geleert hat. „Ich habe mir gesagt: Wenn das gut läuft und ich damit fertig bin, erfülle ich mir den Wunsch.“ Ein TD 147 ist es. „Nicht das Überding“, meint er, „aber ein schönes Ding aus den 80ern.“ Gefunden hat er ihn in einem Laden, dem er bereits seit längerem vertraut: „Neuklang, am Affenfelsen, der Typ ist schon älter, der erklärt einem auch alles, wenn er was heile macht.“ Die Abschlussarbeit hat Manu in seinem Hauptfach Politikwissenschaft geschrieben. „Einen Großteil der Arbeit habe ich im Riptide fertiggestellt“, erzählt er grinsend. „Im Sommer habe ich mich immer draußen hingesetzt mit meinem Minilaptop, und wenn’s gut gelaufen ist, habe ich mir Platten mitgenommen, wenn es nicht gut gelaufen ist, habe ich mir nichts mitgenommen.“ Stressig sei die Zeit gewesen, aber damit habe er sie sich etwas versüßt. „So habe ich mein gesamtes Monatsgeld abgesetzt“, sagt er. Doch ganz vorbei ist es noch nicht: „Jetzt lerne ich für die Abschlussprüfung, das ist noch alter Magisterstudiengang.“ Die Freunde, auf die er gewartet hat, sind inzwischen eingetrudelt. Manu setzt sich zu ihnen, es gibt ein großes Hallo.<br />
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Von seinem Tisch in der Ecke geht Dennis nach draußen, um zu rauchen. Ein Wunsch fällt ihm nicht gleich ein, „da muss ich erst überlegen“, sagt er. Und überlegt. Und sagt dann grinsend: „Wie letztes Jahr: Weihnachten nur mit Alkohol.“ Vom Wunsch schweift er ab. Das Fernmeldeamt, in dem auch die Silvester-Sondersendung stattfindet, interessiert Dennis. Zum Silver Club, der dort am vergangenen Samstag stieg, war er jedoch nicht in Braunschweig. „Mal sehen, ob ich es überhaupt mal in den Laden schaffe“, sagt er. Denn er beabsichtigt einen Umzug nach Berlin, außerdem soll das Gebäude im August schon abgerissen werden. „Ich habe gehört, dass im April Schluss ist mit Veranstaltungen“, sagt Dennis und zieht an der Zigarette. „Irgendwann bin ich nur noch zu Besuch in Braunschweig, dann interessiert mich das nicht mehr so.“ Er hat aufgeraucht, nimmt seine Zigaretten vom Tisch und geht an den Tresen, um sich von André einige LP-Schutzhüllen und Innen-Sleeves geben zu lassen, bevor er in die kühle Dezemberluft zurückkehrt.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Mit strahlenden Augen erzählt André von den Movie Days, die kürzlich an zwei Tagen in der Stadthalle stattgefunden haben. „Der Beißer, Jay und Boba Fett waren da, also Richard Kiel, Jason Mewes und Jeremy Bulloch“, schwärmt André. „Ich bin da wie ein kleines Kind herumgelaufen, habe mich in ein Raumschiff gesetzt, und meine Freundin musste alles fotografieren.“ Andrés Augen werden immer größer. „Der Beißer hat meinen Kopf so in die Zange genommen“, sagt er und deutet es mit seinen Händen an. Gregor, der gerade mit beschlagener Brille ins Café kommt, fragt André nach einigen Bestellungen. „Viele Leute sind da auch in Verkleidungen hingekommen“, sagt André noch und reicht Gregor die Califone-LP „All My Friends Are Funeral Singers“ herüber. „Die Califone ist da“, kommentiert André und dreht sich zurück ans Plattenfach neben dem Kühlschrank. Gregor nimmt seine Brille ab, als André ihm mit den Worten „und diese hier“ eine weitere LP reicht. Gregor kann mit beschlagener Brille so wenig sehen wie ganz ohne und braucht etwas Zeit, um „Roots To Grow“ von Stefanie Heinzmann zu erkennen. „Nee, die habe ich nicht bestellt“, wehrt Gregor lachend ab, und ebenso lachend steckt André die Platte zurück ins Fach. „Brauchst du ein Tuch?“, fragt er Gregor. „Nein, das bringt nichts“, antwortet der, „die beschlägt sowieso gleich wieder.“ Er geht an die LP-Fächer und versucht, die Neuheiten zu erkennen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Im Film ‚Sneakers – die Lautlosen’ sagt der Blinde: ‚Ich möchte Frieden auf Erden und eine gute Gesinnung für Jedermann’, und der CIA-Mann antwortet: ‚Wir gehören zur Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, wir machen so etwas nicht!’“, antwortet Sebastian auf die Frage nach dem Wunsch. Er sitzt draußen am Tisch und raucht. Janett neben ihm lacht. „Das habe ich auch als Sample in einem Song gehört“, fügt Sebastian hinzu. Das macht Janett neugierig: „Wo denn?“ Doch Sebastian ist sich nicht sicher, tippt vorsichtig auf die Wohlstandskinder und liegt damit richtig. „Die Welt von Mitteleuropa aus“ heißt der Song. „‚Frieden auf Erden und eine gute Gesinnung für Jedermann’ antworte ich immer, wenn mich einer fragt, was ich mir wünsche, wie bei einer Sternschnuppe“, sagt Sebastian. „Das sage ich immer, auch wenn’s was anderes war.“ Janett würde gerne dichten, mag aber die langweiligen Paarreime nicht, die ihr spontan einfallen. Auch Sebastians Angebot, dazu eine Beatbox zu machen, kann sie nicht dazu umstimmen, die Reime dennoch zu nennen. „Ich wünsche mir einen Einfall für unter meinem Hochbett“, sagt sie daher. „Mit McDonald’s-Bällen hinter Plexiglas, so was bräuchte ich für unter meinem Hochbett – oder einen anderen Einfall.“ Sie erklärt, dass sie das alte Sofa, das einmal darunter stand, überraschend auf dem Sperrmüll loswerden konnte, ohne sich rechtzeitig um einen Ersatz dafür kümmern zu können. „Da ist jetzt nichts, ich sitze auf dem Boden, hab schon angefangen, meinen Hocker zu lackieren und eine Werkstat einzurichten“, sagt sie hilflos. Die Sache mit dem Reim lässt sie aber auch nicht los.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Zu einem Nachgespräch über den fünften Silver Club am vergangenen Samstag treffen sich Skapino, der den Löwenanteil der Organisation übernommen hat, und „Soundschwester“ Claudy, die eine Hälfte der DJs stellte, im Riptide. „Hurra, wir leben wieder“, sagt Skapino, während er seine Jacke über die Stuhllehne hängt. „Und wir sind fast fertig mit Abbauen.“ Er setzt sich, Claudy hat ihren Platz auf der gemütlichen Bank gefunden, die seit kurzem im Riptide steht. „Wollt ihr erst mal ankommen?“, fragt André und begrüßt die beiden. „Wir sind da!“, ruft Skapino und bestellt einen Milchkaffee. Claudy überlegt, dass sie gerne Kaffee und etwas Limonadiges tränke, und wirft einen schnellen Blick in die Karte. „Habt Ihr Bionade?“, fragt sie André. Der bestätigt das und ergänzt: „Aber auch Bios.“ Das weckt Claudys Neugier. Sie lässt sich die Sorten aufzählen und entscheidet sich für Lemon Grass und einen Cappuccino. „Ich würde auch gerne Kuchen oder Gebäck bestellen, was habt ihr denn da?“ André beginnt, einige Muffinsorten aufzuzählen, und Claudy wählt einen mit Schokolade. André schreibt mit und wendet sich der Küche zu. „Hast du einen Überblick, wie viele Leute da waren?“, wendet sich Claudy jetzt an Skapino. „Dazu habe ich unterschiedliche Aussagen gehört“, sagt der. „Manche sagen über 500&#8230;“ Claudy unterbricht überrascht: „Über 500?“ Skapino nickt: „Im Durchlauf, bei der Party waren es 250 bis 300, bei der Lesung 100 bis 150 vielleicht.“ Sie amüsieren sich darüber, wie schwierig es war, die Leute um fünf Uhr morgens aus dem Fernmeldeamt zu bekommen. „Hinterher haben einige noch mit den herumstehenden Gitarren der Musiker ein Sit-In gemacht“, erinnert sich Skapino. „Das war geil“, fällt Claudy gleich ein. Und zieht Bilanz: „Das war die geilste Party, auf der ich auflegen durfte.“ Und ausnahmsweise einmal die punkig-rockigen Sachen. Mit „Feliz navidad“ von den Voodoo Glow Skulls zum Beispiel hatte sie den meisten Gästen einen nachhaltigen Ohrwurm gezaubert.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Claudy ist geboren in Sachsen, in Aue, im Erzgebirge, und aufgewachsen zwischen Stuttgart und Tübingen. Seit zehn Jahren lebt sie in Niedersachsen, seit sechs Jahren in Braunschweig. „Schwippbögen, so Krempel wie Räuchermändlä, das hab ich auch“, sagt Claudy. Als Skapino überrascht lacht, fügt sie hinzu: „Aber nicht so viele.“ Sie grinst. Das Räuchermändle spricht sie eher schwäbisch als sächsisch aus. „Ich kann viele Dialekte“, sagt sie daher. „Und auch viele Töne – Soundschwester eben.“ Sie lächelt.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Zurück zum Silver Club. Claudy erzählt Muffin essend, wie sie am Samstag kurz bei Pizza Hut um die Ecke etwas essen wollte. „Da gehe ich ja nie hin“, sagt sie. „Und treffe zwei Leute aus Hannover, die sagen: ‚Du legst heute auf, da gehen wir hin!’“ Sie wundert sich. Skapino lacht: „Ich hab deutschlandweit Werbung gemacht, hab ich das nicht erzählt?“ Zumindest bei Radio ffn hatte er eine Ankündigung eingereicht. „Aber ich habe einer Freundin bei ffn eine Einladung geschickt, die hat das dem Verantwortlichen gegeben.“ Und der hat daraufhin für den Silver Club geworben. Doppelt ist sicher.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Wie findest du den Schweinebärmann?“, fragt Claudy ganz unvermittelt. „Ich finde den knuffig“, sagt Skapino. Das wiederum findet Claudy knuffig. „Da hab ich auch schon aufgelegt, Polkatronics, Partymusik, mit La Cherga, die haben Balkan-Musik gemacht mit Drum &amp; Bass.“ André kommt an den Tisch und fragt: „Möchtet ihr noch etwas trinken?“ Claudys Antwort sorgt für überraschte Stille: „Ich hätt gern’n Schnäpsken.“ André stutzt kurz: „Einen Schnaps?“ Skapino schwindelt: „Sie hat ja auch beim Silver Club ordentlich gebechert.“ Claudy bestätigt das: „Fünf Flaschen Wasser hab ich weggezogen, fünf Flaschen Klaren.“ Sie bleibt beim Auflegen jedoch am liebsten nüchtern und sagt: „Das Auflegen macht doch den Rausch.“ Jetzt bestellt sie sich aber einen Gin Tonic.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Claudy strahlt nicht nur ansteckende Zufriedenheit aus, sie ist auch zufrieden. „Ich hab das perfekte Leben“, sagt die studierte Theater- und Medienwissenschaftlerin und erzählt, dass sie und ihre Freundin zwei Kinder in Pflege haben. „Wir sind wie ein Heim in klein, eine Familie – das ist meine Arbeit“, sagt sie. „Und ich kann alles machen, Musik und Kultur.“ Dabei hat sie ein großes Verantwortungsbewusstsein: „Nächstes Jahr mache ich eine Prüfung zur Erzieherin.“ In sechs Jahren sind die beiden Kinder aus dem Haus. „Vielleicht nehmen wir dann wieder Kinder im schulpflichtigen Alter auf“, sagt Claudy. Sie strahlt, sie schwärmt – „Ein geiles Leben.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Was sie auch noch macht: Rockabella, die Frauenparty im Jugendzentrum Neustadtmühle, seit zwei Jahren. „Rockabella Riot hieß das früher, aber die Mädels hier sind nicht so auf Riot aus“, grinst Claudy. Auf Radio Okerwelle hat sie außerdem eine Sendung, „Soulseduction“, sonntags ab 23 Uhr. Und sie ist Mitglied der Impro-Theatergruppe „Die Freispieler“. Ans DJen ist sie über ihre Brüder gekommen, die ungefähr zehn Jahre älter sind als sie. „Ich hab immer deren Platten gehört“, erzählt Claudy. Irgendwann sollte sie dann auf den Partys der Brüder auflegen. „Die fanden das gut, so hat’s angefangen – mit 16“. Erst seit zwei Jahren macht die Über-30-Jährige das öffentlich. Ihre Co-DJane beim Silver Club, Ina, kannte sie vorher gar nicht – was nicht so wirkte. „Wir haben nur vorher telefoniert und abgemacht: Ich spiele die rockigen Sachen, sie die elektronischen.“ Und das hat prima funktioniert.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
An Skapino richtet Claudy eine Neuentdeckung: den Sampler „No New Tales To Tell“, einem Tribute-Sampler an Love And Rockets, mit Black Francis und Puscifer. Darüber kommen Skapino und Claudy darauf, dass beim Silver Club überwiegend ältere Gäste waren. „Deshalb heißt der auch Silver Club“, behauptet Skapino grinsend. „Echt, ist das der Grund?“, fragt Claudy zu Recht ungläubig. Skapino berichtet: „Nein, wir wollten einfach mal etwas Helles bieten, nicht immer so dunkle Discos – wir haben aber nicht bedacht, wie teuer das ist.“ Er denkt kurz an den roten Molton im Fernmeldeamt: „Obwohl – jetzt müsste er eigentlich Red Club heißen.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Allmählich muss Claudy aufbrechen, zur Theaterprobe. An die Riptide-Gäste richtet sie einen Reim:<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Ich bin so gern im Riptide und sah Dich manchmal dort –<br />
Ich finde, dies Café ist Braunschweigs schönster Ort!“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
An Skapino ist es, zu wünschen: „Ich möchte, dass die Menschen wieder menschlicher werden.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Bevor auch er geht, erzählt Skapino noch von seiner Wohnungssuche in Braunschweig und davon, wie er begann, hier Netzwerke zu bilden. Er nennt es „WG-Surfen“: „Ich kannte keinen in Braunschweig, hab mir WGs angeguckt, bin eine halbe Stunde da gewesen, hab Tee getrunken, über die Wohnung geredet, weiter zur nächsten – ich dachte mir, da könnte man ein Hobby draus machen.“ Hat er aber nicht, denn: „Irgendwann musste ich ja eine Bleibe finden.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Als offizieller Flyer-Verteiler des Universum-Kinos strömt Stammgast Micha ins Café. „Guten Tag“, grüßt er André. „Ich komme vom Universum-Kino und möchte die alten Flyer gegen die neuen austauschen.“ André zeigt hinter ihn an die Wand und sagt: „Du kannst die Flyer in die Box stellen.“ Micha dreht sich um: „Ah, vielen Dank.“ Er nimmt die Flyer von letzter Woche aus dem ihm gründlich bekannten Kasten und ersetzt sie durch das Programm für kommende Woche. Weil Michas Tour bis zu fünf Stunden dauert, kann er sich zwar eigentlich nicht lange im Riptide aufhalten, bestellt aber dennoch eine Hausmarke. Und berichtet von seinem Wunsch: „Mit einer attraktiven Frau im Kino sein. Hab ich mir erfüllt.“ Gesehen haben sie „Die Weihnachtsgeschichte“ von Walt Disney. „In 3D“, ergänzt Micha. „Der Film war sekundär. Wenn nicht sogar tertiär, aber der Film war auch gut, deshalb war alles gut.“ Derweil steht Stefan von seinem Tisch auf und fragt André nach einem Kinoprogramm vom Cinemaxx. „Haben wir nicht, aber ich kann im Internet gucken“, sagt André. Stefan druckst herum. „Dann muss ich ja peinlicherweise sagen, welchen Film ich sehen will: ‚Wo die wilden Kerle wohnen’.“ Von Micha bekommt er jedoch sofort Bestätigung: „Ist bestimmt gut, ist von Spike Jonze.“ André findet den Film im Online-Programm nicht, was Stefan wundert. Im aktuellen Subway liest er daraufhin, dass der Film erst am 17. Dezember anläuft, was ihn nicht minder wundert. Ein Wunsch fällt ihm daher schnell ein: „‚Wo die wilden Kerle wohnen’ gucken.“ Beim Blättern in der Subway entdeckt er eine Anzeige vom Kunstmuseum Wolfsburg und fügt hinzu: „In die James-Turrell-Ausstellung gehen – das ist ein Wunsch, den ich mir noch erfüllen möchte.“ Stefan geht zurück an seinen Tisch und berichtet dort, dass der Film erst übernächste Woche anläuft. Micha hat jetzt seine Hausmarke ausgetrunken, verabschiedet sich von Chris und André, geht in die Dunkelheit hinaus und schwingt sich auf sein Fahrrad, Flyer verteilen. Morgen wird im Riptide mit Lord Schadt gewichtelt.<br />
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<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></p>
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		<title>#25 Frickelhaftigkeit</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 21:26:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cafe]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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Montag, 23. November

Wenigstens der November hält, was er verspricht: Es ist zwar Tag, doch unterscheidet sich die Helligkeit kaum von der Nacht. Immerhin regnet es gerade einmal nicht. Am Samstag war es noch so mild, dass sogar viele Gäste draußen saßen, nicht nur zum Rauchen. Heute sitzen alle Gäste im Riptide. Am Tresen ist Chris [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Montag, 23. November</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Wenigstens der November hält, was er verspricht: Es ist zwar Tag, doch unterscheidet sich die Helligkeit kaum von der Nacht. Immerhin regnet es gerade einmal nicht. Am Samstag war es noch so mild, dass sogar viele Gäste draußen saßen, nicht nur zum Rauchen. Heute sitzen alle Gäste im Riptide. Am Tresen ist Chris dabei, neue LPs, Singles und CDs mit Preisschildern zu etikettieren. André ist derweil in der Küche beschäftigt. Unter den Singles, die durchs Chris’ Hände gleiten, ist auch eine von Pearl Jam. „‚The Fixer’, aus dem Album ‚Backspacer’“, erklärt Chris. „Es gibt so Bands“, setzt er an, und zählt auf: „Radiohead, Coldplay, Muse, Placebo und eben Pearl Jam – die Singles kannst du beiseite stellen, da vervierfacht sich der Wert.“ Chris schreibt einen Preis auf ein Etikett und klebt es auf eine CD. „Es gibt alte Coldplay-Singles, die kosten jetzt 40 Euro.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Es gibt außerdem ein großes Hallo, als nämlich Kim und Nadine das Café betreten. André kommt aus der Küche, trocknet sich die Hände an einem Handtuch ab, begrüßt die beiden und kehrt dann wieder in die Küche zurück. Auch Chris schüttelt ihnen die Hände. Sie sprechen über den vergangenen Freitag, als das Riptide an der ersten Braunschweiger Cocktailnacht teilnahm. „Die haben wir organisiert“, erzählt Nadine. Sie ist Mitarbeiterin der „Projektagentur Plan B“, Kim ist ihr Chef. Der sitzt im Hauptsitz in Münster, Nadine leitet eine Zweigstelle in Hannover. „Nicht ganz in Münster, sondern in Havixbeck – aber wer kennt Havixbeck, deswegen sage ich immer Münster“, meint Kim. „Der Chef hat schon jahrelang im Gastronomiebereich Kneipenfestivals gemacht“, sagt Nadine. „Im Gespräch mit Gastronomen in Münster kam dann die Idee: Beim Honky Tonk war die Bude voll, wie schaffen wir das ein zweites Mal?“ Die Lösung: „Cocktails statt Bands.“ In Braunschweig war das die erste Cocktailnacht, im April folgt die zweite. „Bis Ostern machen wir das in 30 Städten“, sagt Kim. Am 8. Januar zum Beispiel in Wolfsburg, auch Magdeburg und Celle stehen auf der Liste. Mit der Resonanz in Braunschweig waren die beiden zufrieden. „Die Verkaufszahlen waren super, es sind viele Leute unterwegs gewesen, auch die Gastronomen fanden’s ganz gagig“, berichtet Kim. „Die mussten gucken: Wie funktioniert das – und eigentlich klappt das schon ganz gut.“ Wie kamen die beiden dann aufs Café Riptide? Nadine gibt die Antwort: „Das war ein Geheimtipp, von Getränke Höpfner.“ Kim fügt hinzu: „Wir sind halt Freunde von Individualgastronomie, wie der Silberquelle.“ Die beiden verabschieden sich und versprechen, auf ihrer Tour durch die Kneipen, die an der Cocktailnacht teilgenommen haben, noch einmal ins Riptide hereinzuschauen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Ich geh wieder ins Büro“, sagt Chris und setzt sich an seinen PC. Uwe von Cargo Records kommt mit einer kleinen CD-Kiste ins Café und fragt André: „Ist Chris nicht da?“ – „Doch“, erwidert André. Uwe weiß sofort: „Der schläft wieder in seiner Ecke.“ Das macht Chris, der für Plattenfirmenkontakte zuständig ist, natürlich nicht. Er kommt an den Tresen und begrüßt Uwe. „Ich habe ein paar Sampler für euch“, sagt der und drückt Chris einige von einem Gummiband zusammengehaltene Exemplare der CD-Reihe „We Deliver The Goods“, Ausgabe 115/09, in die Hand. „Und Sachen zum Reinhören oder Verschenken“, fügt Uwe hinzu und reicht Chris die kleine Kiste mit CDs und Info-Zetteln herüber. Chris bedankt sich. Er wie Uwe haben nur wenig Zeit und leiten gleich wieder den Abschied ein. „In dreieinhalb Stunden ist hier ein Konzert“, erklärt Chris. Videoclub spielen nämlich um 18 Uhr im Riptide. Uwe versteht, sagt „wir können ja telefonieren“, strömt zum Ausgang und ruft im Hinausgehen „mach’s gut, André!“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Der war gerade dabei, Gäste zu bedienen, und kehrt jetzt mit dem leeren Tablett zur Theke zurück. Auf dem Cargo-Sampler ist neben Gordon Gano und den Bollock Brothers auch Jello Biafra drauf, mit „New Feudalism“. Ein Spoken-Word-Track? „Nein, Musik”, sagt André, geht an das Neuheiten-Fach und zieht die LP „The Audacity Of Hype“ heraus. „Er hat eine neue Band, The Guantanamo School Of Medicine.“ Da ist auch Billy Gould von Faith No More mit bei. Und den Song hat Biafra sogar bereits veröffentlicht, vor fünf Jahren mit der No WTO Combo.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Mit einem nassen Regenschirm kommt Dennis ins Café. Er begrüßt Freunde an einem Tisch und stellt sich dann zu André an die Theke. „Hast du Lust auf einen Kaffee?“, fragt der. „Nein, mein Magen verlangt nach etwas Gesundem“, antwortet Dennis. André überlegt eine Weile und schlägt dann vor: „Tee. Kräutertee.“ Das überzeugt Dennis nicht: „Nee&#8230;“ Er guckt durch die Glastür in den Kühlschrank und fragt: „Habt ihr die rote Bionade gerade nicht da?“ – „Doch“, behauptet André, guckt in den Kühlschrank auf eine Lücke zwischen den Bionadeflaschen und korrigiert sich: „Nein.“ Dennis denkt kurz nach und sagt: „Dann gib mir eine Kräuter.“ Als André nach der Flasche greift, sagt Dennis: „Oder nee, Ingwer-Orange, Ingwer ist vielleicht besser für den Magen.“ Dennis bereitet sich gerade auf eine Berlinfahrt vor, er sucht eine Wohnung dort. Und er ist zurzeit dabei, eine Internetseite zu erstellen, auf der er seine Kunst präsentiert. „Ich will auch eigene Videoinstallationen hochladen“, sagt er. So einfach sei das nicht, weil er die so einstellen will, dass zum Beispiel eine dreigeteilte Installation erst komplett geladen ist, bis der Film startet. Dennis arbeitet mit Mac und bearbeitet seine Filme mit Quicktime. „Da müssen alle Filme anders komprimiert werden“, sagt er. Bei einigen ergibt es Pixel, während dieselbe Einstellung bei anderen Filmen bestens klappt. Youtube will er zum Hochladen nicht nutzen, aber dabei fällt ihm ein: „Ein Freund hat ein Video mehrmals bei Youtube hoch- und wieder runtergeladen.“ Das habe einen einmaligen Effekt gegeben. „Den Final Cut gibt’s nicht bei Photoshop, der war handgemacht.“ Er lacht und fügt hinzu: „Wenn dir Kunst nicht gelingt, mach sie kaputt.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Die Band trudelt ein, früher als geplant. Die Musiker grinsen alle, es geht ihnen gut. Sie gucken sich mit strahlenden Augen im Riptide um, entdecken T-Shirts, LPs, CDs und betrachten die spätere Bühne dazwischen. Jorek ist der Gitarrist. „Und Tourmanager“, wie er betont. Die Bandmitglieder kommen aus Münster, Hamburg und Düsseldorf. Nur nicht Jorek: „Ich bin Pole, aus Breslau.“ Videoclub spielen gerade eine Tour. „Wir haben ein paar Off-Days“, erklärt Jorek. „Die Gründe dafür waren zum Teil Zufälle, zum Teil hat unser Booker einige Tage nicht vollgemacht.“ Ihr mitgereister Techniker Christopher kommt ursprünglich aus Braunschweig. „Der hat bei Schrottgrenze mitgespielt“, sagt Jorek. „Und er kannte Chris, hat spontan den Termin ausgemacht, deswegen gibt es auch keine Flyer, keine Poster.“ Er schaut sich erneut im Café um. „Jetzt spielen wir hier und freuen uns schon darauf.“ Die Band sei gerade zu Fuß vom Hagenmarkt herübergekommen. „Für fast alle ist es eine Premiere, in Braunschweig zu sein“, sagt Jorek. „Bis auf Christopher.“ Er berichtet von blockartigern Häusern, die er auf dem Weg wahrgenommen habe. „Sehr kompakt, aber schön“, findet er. „Braunschweig macht einen guten Eindruck.“ Was machen Videoclub für Musik? „Ich würde erst mal sagen, wir machen Pop“, sagt Jorek erst mal. Er weiß: „Damit mache ich’s mir einfach, aber ich finde, Musik muss man sich anhören, ohne sie in Kategorien zu sortieren.“ Dann denkt er eine Weile nach und kommt zu dem Ergebnis: „Unsere Musik ist eine Mischung aus Frickelhaftigkeit und Anbiederung.“ Er holt sich mit Blicken Bestätigung von seinen Bandkollegen, die gerade in den LPs herumstöbern, und sagt nachdrücklich: „Das ist unsere Musik. Und Pathos!“ Elektro mit Gitarre schwebt als genannte Richtung im Raum, Jorek stimmt zu: „Das passt gut, wir haben mit Felix seit kurzem einen Keyboarder dabei.“ Der Genannte wendet den Blick von seinen Fingern im CD-Fach ab, blickt über die Schulter und nickt. Seine Mitmusiker nennen ihn „Felich“. Ist er Spanier oder Schweizer? „Weder, noch“, sagt Jorek grinsend. „Wir nennen ihn einfach so.“ Jetzt gibt’s aber Getränke für alle, die Band gruppiert sich um das Sofa herum.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Am Nebentisch sitzen Katharina und Birgit. André nimmt deren Bestellung entgegen: „Haben die Damen schon gewählt?“ Birgit antwortet: „Einen Milchkaffee.“ Katharina blickt zu ihr herüber uns sagt fragend: „Kreppes?“ Als Birgit nickt, bestellt Katharina also: „Crêpes mit Zimt und Zucker, zweimal.“ André nickt und fragt: „Beides zweimal, auch den Milchkaffee?“ Da erst fällt Katharina auf, dass sie noch gar kein Getränk für sich bestellt hat, und sie wehrt ab: „Nee, Chai-Tee, ein Kännchen!“ André nickt: „Mit Milch?“ Katharina fragt: „Habt ihr auch Sahne?“ André nickt wiederum: „Haben wir auch, wenn du es wünschst, bringe ich dir Sahne.“ Das gefällt Katharina: „Dann mit Sahne bitte.“ André wendet sich an Birgit: „Und für dich, ein stilles Wasser zum Kaffee?“ Birgit verneint dankend: „Nur den Kaffee.“ André notiert und geht, Katharina und Birgit unterhalten sich zunächst über Katharinas Spanien-Urlaub. „Meine Bankdaten waren nicht betroffen“, berichtet Katharina erleichtert. Und davon, dass sie am Strand lieber Dosenbier trank, während ihr Mann Flaschenbier bevorzugte. Von Bier in PET-Flaschen wie in Dänemark halten beide nichts, aber Birgit erzählt: „Das habe ich bei Aldi im Vorbeigehen gesehen, da haben sie Hefeweizen oder so in Plastikflaschen.“ Bei Wasser sei das in Ordnung, solange gewährleistet sei, dass der Kunststoff nicht ins Wasser ausdünste. Und wegen der Einkaufschlepperei in den dritten Stock habe Birgit eine probate Methode entwickelt: „Ich parke in zweiter Reihe, bringe den vollgepackten Rucksack schnell in den Keller und suche dann erst einen Parkplatz – das hat sieben Jahre gebraucht, bis ich diese Idee hatte.“ Während André Getränke und Crêpes bringt, fragt Katharina, warum Birgit den Rucksack nicht einfach im Hausflur abstellt. „Seit uns dort eine frische Bio-Melone abhanden gekommen ist, mache ich das nicht mehr,“ antwortet Birgit. André kommt erneut an den Tisch und sagt: „Die Band beginnt gleich mit dem Soundcheck, ihr müsst nicht rausgehen, ich will euch nur warnen.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Leonie kommt mit ihrer Mutter Sina im Schlepptau ans große Fenster, um die Vitrine mit den Broschen zu betrachten. Währenddessen packt ihr Vater Philip am Tisch das Spiel „Looping Louie“ aus. Vom Betrachten der bunten Broschen zurückgekehrt, macht sich die fünfjährige Leonie gleich daran, Louie mit seinem Propellerflugzeug über den Tisch rotieren zu lassen. Sie hat hörbar Spaß daran, ihr Kichern und Lachen ist deutlich lauter als der dezent einsetzende Soundcheck der Band. „Mein Bruder Christopher macht den Sound“, sagt Philip. „Deswegen sind wir mit der ganzen Familie angerückt.“ Philip ist zum dritten Mal im Riptide. „Ich war sogar noch nie hier“, sagt Sina. Die beiden haben sich auch schon Gedanken darüber gemacht, ob es Leonie zu laut werden könnte. „Dann hält sie sich die Ohren zu, hat sie gesagt“, grinst Philip. „Und Christopher hat angeboten, mit Kopfhörern auszuhelfen.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Philip räumt jetzt Louie zurück in seine Schachtel. Ein angenehmer Duft von Sauerkraut weht durchs Café, jemand muss sich den Hotdog bestellt haben. Das Riptide füllt sich, auch Kim und Nadine sind wie versprochen wieder da. Die Band spielt sich allmählich ein. Draußen fängt es an zu gießen.</span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></p>
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		<title>#24 Silber und Gold</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 14:59:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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 Samstag, 10. Oktober

Es regnet, und das gefühlt schon immer. Das ist nicht einfach nur Regen, was da vom Himmel stürzt. Besonders nachts sieht der Niederschlag aus wie eine undurchdringliche nasse Wand. Jetzt ist es früher Nachmittag, der Regen ist nur um wenig weniger geworden. Unter dem eigentlich als Sonnenschirm gedachten Wetterschutz vor dem Riptide [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong> Samstag, 10. Oktober</strong></span><br />
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Es regnet, und das gefühlt schon immer. Das ist nicht einfach nur Regen, was da vom Himmel stürzt. Besonders nachts sieht der Niederschlag aus wie eine undurchdringliche nasse Wand. Jetzt ist es früher Nachmittag, der Regen ist nur um wenig weniger geworden. Unter dem eigentlich als Sonnenschirm gedachten Wetterschutz vor dem Riptide steht Kathi an einen Stuhl gelehnt und raucht, bei ihr ist eine Freundin. Kathi erzählt, dass sie unterm Dach wohnt und den Regen von allen Seiten auf sich herabprasseln hört. Manchen hindere das am Schlafen, dem anderen helfe es, Schlaf zu finden. Tagsüber hat der Regen einen weiteren Nachteil: Geht man – wie samstags möglich – um die Ecke am Altstadtmarkt über den Wochenmarkt, muss man in den engen Gassen enorm aufpassen, keine Regenschirmspitzen in die Augen zu bekommen. Das Wort „Regenschirmnazis“ fällt. Da fällt Kathi noch eine andere wilde Geschichte ein, wie sie einmal bei grün leuchtender Fußgängerampel über die Straße ging und ihr ein alter Mann mit Stock entgegenkam. „Der hat mit dem Stock vor sich herumgefuchtelt und ihn mir gegen das Schienbein gehauen“, erzählt Kathi, während sie ihre geschützte Deckung unter dem Schirm verlässt und zurück ins Café geht. „Ich war so perplex, ich wusste gar nicht, wie ich reagieren sollte.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Wenn Skapino neue Mitmacher für den Silver Club gewinnen will, hat er eine pralle Mappe dabei. Darin finden sich Ankündigungen, Fotos, Flyer und Presseberichte über die vier bisherigen Veranstaltungen des mobilen Clubs. Viel Überzeugungsarbeit dürfte Skapino bei seinen Gesprächspartnern kaum aufbringen müssen, denn wer vom Silver Club gehört oder ihn gar selber erlebt hat, ist sofort begeistert. Neben die Mappen auf dem Cafétisch stellt Kathi Kaffee. Skapino kommt aus Hamburg, ist erst vor wenigen Jahren nach Braunschweig gezogen und setzt hier fort, was er dort bereits begonnen hat. Der Silver Club allerdings entspringt nicht alleine seinem geist, sondern einem regelmäßigen Stammtisch, an dem man sich darüber einig war, dass sich einfach nur treffen nicht ausreiche und man das Ganze auch gleich in Produktivität umwandeln könnte. Mit positivem Ergebnis.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Im Frühjahr 2007 gestattete das Haarwerk in der Nussbergstrasse dem Silver-Club-Team, die erste Party zu veranstalten. Ein schräg in den Industrieraum geklebtes Fußballfeld gestaltete den Fußboden unter den an der Decke hängenden Großspiegeln. Das Konzept ging auf, die Braunschweiger nahmen die Party an. „Es gab auch eine Haareschneideaktion“, erzählt Skapino. Denn das sei ein wichtiges Element bei den Partys: „Wir wollen den Ort oder dessen Geschichte thematisieren.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Dennoch dauerte es zwei Jahre, bis es den Silver Club als Party ein zweites Mal gab. Dieses und auch das dritte Mal bei Marco’s Coffee am Waisenhausdamm, im Frühjahr und Sommer dieses Jahres. Skapino hat Fotos dabei. „Hier haben wir den Einfahrtsbereich zur Lounge gemacht“, erzählt er. Den tschechischen Fotokünstler Jan Saudek konnte er zudem dafür gewinnen, einige Exponate auszustellen. „Beim ersten Mal in Marco’s Coffee hatten wir nicht genug Platz zum Tanzen, das haben viele Gäste bemängelt, doch als wir beim zweiten Mal mit der Lounge genug Platz hatten, hat niemand getanzt.“ Er wundert sich: „Komisch.“ Aber eines freue ihn: „Es ist toll, dass es in Braunschweig so viele Leute gibt, die das annehmen.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Zwischendurch nimmt Kathi die leere Kaffeetasse mit und bringt Skaipno eine Flasche Fritz-Cola. Skapino dankt und berichtet weiter vom Silver Club, dessen vierte Ausgabe noch nicht so lange zurückliegt. Die fand in der ehemaligen Krabbenkuppel statt, aus der Toddn jetzt die Französische Botschaft macht. „Das war wirklich mal eine“, weiß Skapino. „Wir haben uns mit der Historie des Gebäudes befasst, im 17. Jahrhundert residierte darin die Französische Botschaft“, sagt er. „Die erste Disco Braunschweigs war auch da drin, das passt daher.“ Der vierte Silver Club hatte folgerichtig eine „Französische Indie-Kulturnacht“ als Motto. Chris war daran überdies auch beteiligt, er legte unten im Gewölbekeller auf.<br />
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Doch jetzt beschäftigt Skapino der anstehende fünfte Silver Club. Am Samstag, 5. Dezember, soll der stattfinden, Ort: noch unklar. Ein Thema steht zur Debatte: „Es ist eine Drei-Dekaden-Party geplant über die Anfänge des Independent“, überlegt Skapino. „Mit Musik, Kunst und Mode.“ Und dafür sucht er noch Leute, die mitmachen. „Bei uns ist alles vollkommen unkommerziell“, betont er. Niemandem ginge es darum, Gewinne zu machen, und wer seine Hilfe anböte, täte dies ehrenamtlich. So sei auch Michel, der Sänger von Such A Surge, regelmäßig dabei. „Es geht nicht ums Geld, sondern wir machen das für Freunde“, betont Skapino. Wichtig sei ihm zudem, dass der Silver Club niemandem sonst in Braunschweig Konkurrenz mache. „Wir wollen nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten“, sagt er. Deshalb versuche das Team auch, immer wieder andere Kulturschaffende zu beteiligen. Wie eben letztes Mal Kult-O-Rama, also Toddn. Skapino sammelt seine Unterlagen zusammen und steckt sie zurück in die Mappe.<br />
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Offen bleibt bis jetzt allerdings die Frage, warum Skapino so genannt wird, schließlich heißt er eigentlich Sascha. Die Geschichte dazu überrascht, spielt doch die norwegisch-schwedische Crossover-Band Clawfinger eine entscheidende Rolle dabei. „Früher habe ich das viel gemacht, mit einem Freund in den Niederlanden unterwegs sein“, beginnt Skapino die Geschichte zu erzählen. „Da waren wir auf Konzerten und Festivals.“ Dieses eine spezifische Mal war es hinterher wie so oft: wie kommt man zurück? „Der Freund kannte Clawfinger und hat die gefragt, ob wir im Bandbus mitfahren dürfen – Hauptsache, wir kommen nach Hause“, fährt er fort. So saßen die beiden also mit Clawfinger im Bandbus und durchkreuzten die Niederlande auf dem Weg zurück nach Deutschland. „Alle drei Meter kam so ein Plakat, auf dem ‚Skapino’ stand“, sagt Skapino. „Mit Füßen drauf“, vervollständigt er. „Ich fand das lustig, hatte schon was getrunken, und die Clawfinger haben gesagt: ‚You are Skapino!’.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Heute Abend steigt im Riptide eine Soulparty, „Ein Abend mit Monsieur LeSupersexuel“ lautet das Motto. Doch parallel dazu stehen die Gäste der nächsten Woche heute schon in Wolfsburg auf der Bühne: Müller &amp; die Platemeiercombo werden am 17. Im Riptide spielen und heute im Kulturzentrum Hallenbad der Gruppe Die Trottelkacker Tribut zollen – einer Band also, der Bandchef Müller selbst einmal angehört hatte. Sechzehn Bands haben sich für dieses Großereignis angekündigt. Organisator ist Paul, Schlagzeuger der Gruppe Die Weltenretter, die zurzeit als Foto im Riptide hängt. So schließen sich Kreise.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Noch immer regnet es. Es ist grau und nass mit der Tendenz zu schwarz und nass. Wer das Riptide in Richtung Innenstadt verlässt, kommt an den beiden bunt leuchtenden Stelen vorbei, die darauf hinweisen, dass es im Schaufensterdurchbruch des Geschäftes Möbel Sander eine Straße namens Handelsweg gibt, die wiederum mit attraktiven Lokalen und Geschäften lockt. Es tut den Gewerbetreibenden im Handelsweg sicherlich gut, dass auf sie hingewiesen wird. Das Leuchten der Stelen durchdringt sogar den Regen.<br />
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<strong>Samstag, 17. Oktober</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Pechschwarz ist es draußen, was dieses Mal allerdings nicht alleine am Wetter liegt, sondern an der Tageszeit. Es ist kurz vor halb zehn Uhr – abends. André steht draußen vor dem Riptide am Holzpult und kassiert. Wer heute Abend dafür Eintritt zahlt, dass er das Quartett Müller &amp; die Platemeiercombo live im Riptide spielen sieht, erhält von der Band ein kopiertes Heft mit Songtexten ausgehändigt. Das erinnert angenehm an die „Kot &amp; Wahn &amp; Sock’n’Roll“-Heftchen, die es damals immer beim Open Arsch gab. Erinnerungen werden wach: Einmal pro Jahr fand in Rümmer auf der Schweinewiese das Festival mit dem sehr pubertären Namen Open Arsch statt. Hauptzugpferd waren Die Trottelkacker, weitere gern gesehene Gäste waren Bands wie Dead Shepherd aus Hamburg, Notrufmelder oder Waterman. Die Erinnerungen daran wurden nicht nur wach, sondern erhielten neue Substanz, als all diese Bands und ein gutes Dutzend mehr am vergangenen Samstag in Wolfsburg den Trottelkackern zur Ehre spielten. Auch Die Trottelkacker selbst traten in der Besetzung Krüger-Müller-Knotke auf – sieben Jahre nach dem eigentlichen Ende dieser wahrhaftigen Kultband.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Ebenjener Müller scharte die Platemeiercombo um sich, ergänzt um Heyl, der auch bei Waterman spielte. Und in dieser Besetzung sollen die Musiker jetzt im Riptide spielen. Plate, Müller und Heyl gesellen sich zu André, bevor das Konzert losgeht. Plate bedauert, dass Die Weltenretter parallel im Schweinebärmann spielen. „Das hätte man besser abstimmen können“, sagt er. Schließlich wären sonst beide Bands jeweils der anderen Publikum gewesen. Die drei Musiker gehen zurück ins Café, Meier wartet dort auf sie, das Publikum sowieso.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Müller und Meier tragen Hemden unter hellen Anzügen, Bassist Meier zudem einen Strohhut. Plate drängt sich hinter sein augenscheinliches Minischlagzeug in der hintersten Ecke des Verkaufsraumes. Heyl, in dunklerer Kleidung und als einziger mit Krawatte, geht während des instrumentalen Intros „Trick 17“ im Zuschauerraum umher und begrüßt das Publikum per Handschlag. Dann schnappt auch er sich eine Gitarre und gesellt sich zur Band.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Die ist cool. „Cool Pop“ nennt Müller selbst die Musik, die aus Swing und Jazz, Bossanova, Salsa und Cha Cha besteht, jeweils mit einem Grundgerüst, das die Rockvergangenheit deutlich Gegenwart sein lässt. Meier ganz links grinst unter dem Hut und mit dem Bass, der fast so groß ist wie er selbst; Heyl ganz rechts bedient sein gigantisches Arsenal an Saiten- und Percussion-Instrumenten mit todernster Miene. Dahinter liefert Plate den rhythmischen Unterbau, in der Mitte singt Müller seine Lieder. Müller geht auf die Liederhefte ein, darauf, dass ihm oft gesagt werde, man könne seine Texte nicht verstehen. „Das passiert nur bei deutschsprachigen Texten“, stellt Müller fest. „Bei englischsprachigen Liedern ist das egal, da geht es mehr um die Musik, oder wie!“ Dafür habe die Band eben die Texthefte verteilt. „Jetzt werden wir uns nur noch den Vorwurf anhören müssen, dass das Publikum die Texte nicht lesen kann.“ Für Fehler entschuldigte er sich explizit nicht: „Die sind Folge der Technisierung unserer Welt.“ Wert lege er vorrangig darauf, dass der Name der Gastsängerin Cora Coriander mit C geschrieben werde, nicht mit K.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Zu hören gibt es hauptsächlich Lieder des neuen Albums „Sexy Sockenschuss“, dazu viele bis dato noch gänzlich unveröffentlichte Stücke. Nur wenige alte Songs finden den Weg in die Setlist. Müllers Ansagen und die Publikumsreaktion ergeben so manchen herrlichen Dialog. Müller kündigt ein nächstes Lied an. Eine Frauenstimme von ganz hinten: „Mit welchem Akkord geht’s los?“ Müller, überrascht: „Yps&#8230; vierzehn!“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Man merkt der Band nicht nur an, dass es ihr gut geht, sie sagt es auch. „Hier fühlt man sich wie zu Hause“, meint Müller. Dann spielt die Band „Nichtsnutz“, das Stück hat Live-Premiere, wie Müller betont. Meier sagt irgendwann: „Hier geh ich nicht mehr weg, ist schön hier.“ Müller bestätigt: „Ja, nicht? Aber wir haben ja noch Zeit.“ Die füllen sie mit ihren tollen Ohrwürmern. Nach einem Applaus sagt Müller: „Danke, auch an die letzte Reihe: vielen Dank!“ Die Frauenstimme aus der letzten Reihe erwidert: „Gerne, gerne!“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Für einige Lieder wie „Cocktails und Eiscreme“ kommt Cora Coriander auf die Bühne und veredelt die Songs mit ihrer Stimme. Manchmal tanzt sie auch nur beschwingt und tut es damit dem Publikum gleich, nur eben auf der Bühne. Ein deutlich angetrunkener Mann im Publikum fragt Müller: „Ey, wie heißtn du mit Vornamen?“ Müller gibt es preis: „Tobias Walter.“ Es entsteht eine Pause. „Wirklich“, schickt er nach. „Ich kann das bestätigen“, sagt Cora neben ihm.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Wir sind schon so weit fortgeschritten in der Liste“, sagt Müller mit einem Blick auf die Liste. Nach einem weiteren Blick auf die Uhr sagt er: „Oh, in der Zeit auch.“ Aus der letzten Reihe ist glockenhelles Lachen zu vernehmen. „Da hinten lachen Frauen“, stellt Meier fest. „Du hast alles richtig gemacht, wenn irgendwo Frauen lachen.“ Doch Müller ist nicht überzeugt: „Die lachen über mich.“ Meier kontert: „Du musst deine Schwächen zu deinen Stärken machen.“ Müller nickt: „Dafür bin ich hier.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Nach alter Open-Arsch-Manier erschallt das Wort „Gabuze“ aus den Zuschauerreihen, als Müller bekannt gibt, das letzte Lied sei auch das letzte des Abends gewesen. „Dass auch Zugaben verlangt werden, verwöhnt uns“, behauptet Müller daraufhin. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht größenwahnsinnig werden.“ Doch da besteht keine Gefahr. Das nächste Lied beschleunigt Plate unbewusst mit schneller werdendem Takt. Hinterher fragt ihn Müller: „Plate! Hast du’s eilig?“ Plate, grinsend: „Da ging das Tier mit mir durch.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Das Konzert endet unspektakulär: Die vier Musiker verlassen nach einem Abschiedsgruß den als Bühne gedachten teil des Riptides und mischen sich unter ihr Publikum, teils drinnen, teils zum Rauchen draußen. Allen Musikern steckt das glückliche Strahlen vom Trottelkacker-Tribut des letzten Wochenendes im Gesicht. Heyl saß dabei als einer von zwei verbliebenen Waterman-Musikern auf der Bühne des Hallenbads. „Unser letztes Konzert als Waterman haben wir in Trier gegeben“, erzählt Heyl. Eines der Bandmitglieder sei dorthin gezogen. „Das war auch der Grund, weshalb es mit der Band zu Ende ging.“ Auf das Gerücht angesprochen, Waterman haben pro Jahr nur einmal geprobt, nämlich auf dem Open Arsch, wehrt Heyl ab: „Neeee, also, na ja, später vielleicht“, überlegt kurz, „eigentlich stimmt das.“ Er geht auch nach draußen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Karine und Nikolaus sind Kollegen von Plate im Kulturzentrum Hallenbad. „Das Trottelkacker-Tribut habe ich verpasst“, sagt Nikolaus enttäuscht. Er war an dem Wochenende bei seiner Familie in Süddeutschland. Als Quasi-Ortsfremder ist er von der unterschwelligen Feindschaft zwischen Braunschweig und Wolfsburg überrascht und erzählt: „Karine und Plate haben für Radio Okerwelle ein Interview gegeben, da kam die Konkurrenz deutlich zutage.“ Verstehen könne er das aber nicht.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Überall in der Luft hängen noch die Lieder von Müller &amp; die Platemeiercombo. So schnell bekommt sie niemand aus dem Ohr. Und das ist gut.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Dienstag, 20. Oktober</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Kaum zu glauben, aber die Sonne scheint. So sieht der goldene Oktober aus, den man sich ausmalt, sobald man von ihm hört. Es ist früher Nachmittag, heute sind Chris und André im Riptide. Chris sitzt am Computer und telefoniert mit Kunden und Geschäftspartnern, André etikettiert neue LPs und sortiert sie in die entsprechenden Fächer ein. An der Wand hängt die Picture-LP der zwölften Drei-Fragezeichen-Folge „und der seltsame Wecker“, mit der die Sprecher nächste Woche auch nach Braunschweig kommen. Hinter André lugt eine a-ha-12“ aus dem Second-Hand-Kasten.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Unsere allseits beliebten, leckeren Suppen sind wieder da“, sagt André. „Die Wochensuppen.“ Bereits letzte Woche gab es eine Kürbis-Ingwer-Suppe. „Man musste sie letztlich Ingwer-Kürbis-Suppe nennen, weil der Ingwer durchgezogen ist“, stellt André grinsend richtig. Aktuell steht eine Erbsen-Minzcrème-Suppe „mit einer feinen Chili-Note“ auf der Karte. „Ein bisschen Frische reingebracht durch die Minze, und von hinten kommen Schweißperlen auf die Stirn“, grinst André. Während er für Gäste Kaffee vorbereitet, kündigt André an: „Am 2. November eröffnen wir hier eine neue Kunstausstellung, von Christian Grams, der ist Grafiker und macht auch Schablonenkunst.“ Was André auf dem Monitor seines Computers zeigt, erinnert leicht an Banksy.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
André streut Kakaopulver über einen Milchkaffee und legt die „Teufelswerk“-CD von Hell beiseite, die jemand nach dem Kaffeegenuss kaufen möchte. Chris telefoniert immer noch angeregt, André bringt den Kaffee an einen der Tische. Unfassbar, es scheint die Sonne! Man sollte nach draußen gehen. Wenn es dort nicht so viel kälter wäre als im Riptide.</span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></p>
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		<title>#23 Zwei Fragen</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2009 21:18:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cafe]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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Mittwoch, 16. September 2009

Man spürt, dass sich der Sommer seinem Ende entgegenneigt. Doch aus dem trüben Vormittag ist ein richtig angenehmer Nachmittag geworden. Angenehm genug für die meisten Gäste des Café Riptide, draußen im Achteck zu sitzen. Drinnen liegen einige T-Shirts auf der Theke. „Ich bin grad dabei, hier’n bisschen&#8230;“ lässt André seinen Satz unbeendet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Mittwoch, 16. September 2009</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Man spürt, dass sich der Sommer seinem Ende entgegenneigt. Doch aus dem trüben Vormittag ist ein richtig angenehmer Nachmittag geworden. Angenehm genug für die meisten Gäste des Café Riptide, draußen im Achteck zu sitzen. Drinnen liegen einige T-Shirts auf der Theke. „Ich bin grad dabei, hier’n bisschen&#8230;“ lässt André seinen Satz unbeendet und räumt einige T-Shirts beiseite. Hinter ihm röchelt die Kaffeemaschine, die Tasse ist voll. André bringt den bestellten Kaffee an einen Tisch draußen und kommt mit dem Tablett voller leerer Flaschen wieder zurück. Er verschwindet in der Küche, man hört ihn dort die Flaschen in Kisten versenken. Auch Chris kann man hören, er sitzt der Küche gegenüber an seinem Stammplatz und klackert auf der Tastatur seines PCs. Beide tragen einen Button, der sofort ins Auge fällt: Einen silbernen „Jubiläums-Button“, wie Chris ihn nennt. Darauf ist das Riptide-Logo gedruckt.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Es gibt einen schönen Anlass dafür. Das Riptide wir nämlich heute auf den Tag genau zwei Jahre alt. Am Samstag steigt dazu die Geburtstagsfeier, doch schon heute bekommt jeder Gast zwei Fragen gestellt:<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Was wünschst du dem Riptide?<br />
2.	Welche Assoziation hast du zur Zahl zwei in Verbindung mit dem Riptide?<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Mirko</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Dass es am Leben bleibt, dass die Rendite passt und Glückseligkeit und das Beste, was man nicht in Worte fassen kann.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Das ist mein Lieblingscafé“, fügt er hinzu, bevor er die zweite Frage beantwortet.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
2.	Dass alle guten Dinge erst mal drei werden sollen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Von draußen kommen Kathi und Till ins Café, um zu zahlen. Heute ist Kathi mal als Gast hier, nicht als Angestellte.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Kathi</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Ein weiterhin nettes, immer fröhliches und freundliches Arbeitsklima und dass wir weiterhin so viel Erfolg haben und auf immer und ewig so super miteinander auskommen.<br />
2.	Ich habe meinen Freund hier kennen gelernt – seitdem sind wir zu zweit.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Till</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Eine wundervolle Zukunft und weiterhin ein tolles Ambiente. Ich bin unheimlich gerne hier und weiß nicht, wie ich das in Worte fassen soll.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Das ist sein Wohnzimmer“, erklärt Kathi. Sie weiß das: „Er ist mein bester Freund“ – aber nicht der Freund, den sie hier kennen gelernt hat.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
2.	Zwei tolle Läden in einem.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Till und Kathi müssen beide weg. „Ich bin völlig durch“, erklärt Till noch. „Ich habe meine Bachelorarbeit um zwölf Uhr abgegeben.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Bernd</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Viel Glück, dass es weiter so geht.<br />
2.	Ich spiele mit Chris Fußball.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Micha</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Gesundheit. Alles andere kommt von selbst.<br />
2.	Zwei nette Besitzer.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Micha erklärt seine beiden Antworten genauer: „Weil, wenn die zwei netten Besitzer nicht gesund sind, ist auch nicht viel mit dem Riptide – ohne diese persönliche Zuordnung läuft auch das andere nicht.“ Natürlich schließe das auch die wirtschaftliche Gesundheit mit ein. Micha bestellt bei André einen Kaffee und erzählt, dass er eine Einladung zur Eröffnung des neuen Universum-Kinos hatte, aber nicht da war. „An dem Tag hab ich ‚Inglorious Basterds’ geguckt“, sagt er. Den fand er gut, „im Großen und Ganzen“. Doch seinem Kino-Begleiter gebe er in einem Punkt Recht: „Schauspielerisch fielen einige ab, zum Beispiel Diane Krüger, aber dass liegt auch daran, dass Christoph Waltz die anderen an die Wand spielt.“ August Diehl habe er am überzeugendsten gefunden. „Der hat überzeugend gespielt, auch die beiden, die Goebbels und Hitler gespielt haben, zusammen mit Herrn Waltz – der ist das Eintrittsgeld alleine wert.“ Bei Quentin Tarantino sei es ansonsten immer so gewesen, dass er das Letzte aus den Schauspielern herausgeholt habe. „Das habe ich dieses Mal nicht so empfunden“, meint Micha. „Auch Eli Roth und Brad Pitt waren blass, etwas austauschbar, solide.“ Einen Grund kann Micha sich dafür denken: „Das kann auch an der Ensemblegröße liegen.“ Kein anderer Schauspieler habe schließlich so viel Zeit im Film bekommen wie Christoph Waltz, da habe niemand seinen Charakter wirklich entwickeln können. „Ich muss weg“, sagt Micha und stürzt seinen Kaffee herunter. „Jetzt ist eine Lesung in der Kemenate, da helfe ich.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Oliver</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Alles Gute, dass die so bleiben, wie sie sind, und dass sie uns so lange wie möglich erhalten bleiben.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Ich kenne sie erst seit der Hälfte der Zeit“, stellt Oliver fest. „Möchte ich nicht mehr missen.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
2.	Ich hoffe, dass wir noch mindestens eine Null dranhängen werden.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
André legt Olivers Bestellung auf die Theke, „Agilok &amp; Blubbo“ von The Inner Space, einmal auf Vinyl und einmal als CD. „Das ist die Vorläuferbesetzung von Can“, erklärt Oliver. „Ungefähr sechs Wochen später haben sie sich Can genannt.“ Er betrachtet das Sexploitation-Cover der LP und den Bandnamen. „Das war mir bis vor vier Wochen auch noch kein Begriff.“ Natürlich hat Oliver auch das aktuelle Album von Phillip Boa, „Diamonds Fall“. Denn da spielt Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit mit. Auf der nächsten Boa-Tour wird Liebezeit auch dabei sein. „Da gibt es zwei Termine: am 3. Oktober in Hamburg und am 10. Oktober in Berlin“, sagt Oliver. „Das sind für mich die einzigen Optionen, weil ich aufs Wochenende achten muss.“ Von Boa hält Oliver auch ohne Liebezeit viel. „Der macht sich in Braunschweig rar, auf den letzten zwei Touren musste ich ihn in Hannover sehen“, beklagt er sich. Er schwärmt von Boas Alben, von Boas dauerhaft guter Qualität. „Und wenn mal ein Album nicht gleich kickt, dann spätestens nach einem Jahr.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Laura</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Mehr Soul-Partys.<br />
2.	Runde Atmosphäre – weil die 2 rund ist.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Miriam</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Weiterhin viel Erfolg und Sonnenschein.<br />
2.	Die beiden Chefs – Chris und André.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Oliver kommt aus Bad Harzburg. „Ich habe heute extra früher Feierabend gemacht, um die LP und die CD zu kriegen“, erzählt er. Chris, von seinem PC-Arbeitsplatz an die Theke getreten, berichtet davon, wie sie versucht haben, beides zu bestellen. „Ein kleines italienisches Label hat die herausgebracht“, sagt Chris. „Das war nicht einfach, die zu finden – unter Soundtracks haben wir sie dann gefunden.“ Oliver nickt. „Agilok &amp; Blubbo ist auch ein Film, von dem ich noch nie gehört habe.“ Dann nimmt er wieder bezug zu Chris’ Sucharbeit: „Das ist halt was Schönes – ich krieg hier nie zu hören: Geht nicht.“ Chris bestätigt grinsend: „Geht nicht gibt’s nicht.“ Oliver will nach Hause, sich heute wenigstens noch die CD anhören. „Bevor ich euch kannte, musste ich immer nach Hannover fahren, um fähige Leute zu finden“, sagt er noch und geht dann.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Neue Speisekarten gibt es im Riptide. „Die Bilder, die im Hintergrund zu sehen sind, sind hier abfotografiert“, sagt André und präsentiert das Werk. „Sieht jetzt aus wie von einer Kette“, grinst er. „Audrey hat’s gemacht“, sagt er und blättert zum Foto mit dem riesigen Muffin. „Sieht doch zum Reinbeißen aus“, grinst er wieder. Dann zeigt er auf den geschriebenen Inhalt. „Bei den Crêpes hat man jetzt selber in der Hand, wie man’s zusammenstellt.“ Die Zutaten sind nämlich einzeln aufgelistet. Auch neu war ein Stapel Kalender vom Café Riptide, im Checkkartenformat. „Die sind aber schon alle weg“, sagt André. „Die Leute sind gewappnet fürs nächste Jahr.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Matze</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Alles Gute, genauso weitermachen wie bisher, dass das Riptide die nächsten zwanzig – ach, hundert Jahre Braunschweig erhalten bleibt.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
André wirft dazwischen: „So lange muss ich hoffentlich nicht arbeiten!“ Matze wehrt ab: „Ich hab erst mal geschätzt, wie alt du bist, und dann doch lieber hundert gesagt.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
2.	Ich habe bisher zwei CDs hier gekauft – zu wenig.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Und er fügt hinzu: „Aber die ein- oder andere Platte!“ Und grinst.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Der Plattenladen Riptide ist in die Liste auf www.meinplattenladen.de aufgenommen, erklären Chris und André. Das bedeutet, dass es im Riptide gelegentlich limitierte Tonträger gibt, die man woanders nicht bekommt. „Die Element-Of-Crime-Single haben wir“, sagt André. Chris ergänzt: „Die B-Seite ist exklusiv, die gibt’s nur für kleine Plattenläden, die A-Seite ist vom Album“. Das Album heißt, wie die Single, mit falscher Interpunktion „Immer da wo du bist bin ich nie“, auf der B-Seite findet sich das Andreas-Dorau-Cover „Blaumeise Yvonne“. „Nur für ausgesuchte Plattenläden, das kriegen keine Großen“, sagt André.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Kannst du was von Fall Of Efrafa bestellen, das ist eine Hardcore-Band“, fragt Markus André. Der guckt am PC nach und bestätigt: „Ja, kann ich bestellen, ist eine Doppel-LP, als Import, das dauert dann aber etwas.“ Das Album heißt „Inlé“, Efrafa ist der Name eines Landes in „Watership Down“. Markus bestellt das Album.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Markus</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Dass es so bleibt, wie es ist.<br />
2.	Doppel-LP.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Malte</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Mehr Auftritte. War ja auch ab und an, dass ein DJ hier war – dass das beibehalten wird.<br />
2.	Dass ich noch zum zweiten Mal wiederkommen müsste.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Tatsächlich ist Malte zum ersten Mal hier. „Ich habe davon im Internet gelesen, es aber nie hergeschafft“, sagt er. „Ich muss das mal begutachten hier.“ Er guckt sich um. „Dabei wohne ich schon zwei Jahre in Braunschweig – noch eine Assoziation zur zwei.“ Zeit zum intensiven Begutachten hat er heute jedoch nicht, Markus und Malte müssen los.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Fiona</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Dass es noch länger bestehen bleibt – ich find’s gut hier.<br />
2.	Ich habe mir hier zwei Platten gekauft und war auf zwei Konzerten. Ich wohne zwei Jahre in Braunschweig, ich bin hier also her gezogen, als das Riptide aufgemacht hat.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Fiona ist mit Matze hier. Sie kommen beide aus Helmstedt. Neben der mittelalterlichen Altstadt gebe es dort nicht viel zu sehen, meinen sie. Matze empfiehlt „Kalt u. heiß Heinz“, einen Schnellimbiss. „Gleich neben dem Hausmannsturm“, sagt Matze. „Als ich noch zur Schule ging, haben wir in den Freistunden immer den großen Helmstedter Gastronomiecheck gemacht – da war Kalt u. heiß Heinz die klare Nummer Eins.“ So klein sei die Auswahl an Gastronomiebetrieben in Helmstedt nicht, dass das zwangsläufig so wäre, sagt Fiona: „Es gibt jede Menge Dönerläden.“ Und sogar einen Club, in dem es ab und zu einigermaßen alternativ zugeht, so Matze: „Das Number One auf dem Holzberg.“ Fiona konkretisiert: „Da gibt es einmal im Monat eine Indieparty – was heißt Indie, die sind nie über Green Day und Blink 182 hinausgekommen.“ Den Laden gibt es aber schon lange. „Da haben meine Eltern sich kennen gelernt“, erzählt Matze. Fiona nickt. „Meine Oma ist da auch schon hingegangen.“ Matze weiß: „Da hatte der aber noch einen anderen Namen.“ Green Day und Blink 182 sind auch nicht der Geschmack von Matze und Fiona. „Aber wir haben dazu getanzt, weil wir uns gefreut haben, mal was mit Gitarre zu hören“, sagt Fiona. „Wo ‚Summer Of ’69’ gespielt wird, ist keine Indieparty“, findet Matze. Sie zählen lauter Songs auf, die in das Schema hineinpassen, und Fiona landet bei „Time Of My Life“. Jetzt, da Patrick Swayze tot ist, wird das bestimmt öfter wieder irgendwo gespielt. Matze erinnert sich an den Film „Die rote Flut – Red Dawn“, in dem Swayze und Charlie Sheen mitgespielt haben. „Da besetzen russische Truppen die USA, Swayze und Sheen sind Teenager, die sich in die Wälder zurückziehen und eine Rebellentruppe bilden“, sagt Matze. „Ziemlich schlechter Film.“ Außer „Ghost“ und „Dirty Dancing“ gibt es kaum Filme, vor allem neuere, in denen Swayze eine Rolle gespielt hatte und die erinnernswert sind. „Donnie Darko“, fällt Matze ein. „Da hatte Swayze ein ähnliches Comeback wie Kurt Russel in ‚Death Proof’.“ Fiona weiß: „Von ‚Donnie Darko’ gibt es bald einen zweiten Teil, da geht es um die Schwester, die ist auf einem Road Trip und hat Visionen, ähnlich wie Donnie – der soll aber schlecht sein.“ „S. Darko“ heißt der und ist direkt auf DVD erschienen, wie schon sein Prequel. „Der ist auch nicht vom Original-Regisseur, der hat sich davon distanziert“, ergänzt Matze. Die beiden wollen jetzt bei André ihre Rechnungen begleichen und entdecken die Quartettspiele auf der Theke, Seuchen, Tyrannen und Rauschgift. „Wir haben immer Perso-Quartett gespielt, als wir auf Rucksacktour waren“, erzählt Fiona. „Ich hab immer verloren: in Größe, Alter&#8230;“ Matze widerspricht: „Bei Hausnummer hast du mich geschlagen.“ Unterwegs waren sie in Italien und Griechenland, zu viert. Und haben unzählige Geschichten mitgebracht. Wie die von dem Mexikaner, der ihnen auf einem Hausdach in Athen erzählt hat, dass sie in Mexiko jeden Tag Party feiern, von Montag bis Sonntag. „Wir haben lustige Leute getroffen“, schließen sie in Erinnerungen schwelgend und verabschieden sich.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Matthias</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Dass es größer wird und noch mehr Platten hat.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Ich bin zum ersten Mal hier“, sagt Matthias.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
2.	Wir sind zu zweit.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Zwei geschäftsmäßig aussehende Männer in Hemd und lockerer Krawatte, die draußen zusammen Kaffee getrunken haben und jetzt weiter wollen. „Mein Sohn verkehrt hier regelmäßig, der spielt bei Trick Seventeen“, sagt Matthias. „Die haben den Band Battle gewonnen und auf der Expo-Plaza vor Peter Fox gespielt.“ Er guckt in Richtung der Platten und nickt mit dem Kopf. „Ich sammle Vinyl“, sagt Matthias. „Bei Raute Records war ich schon, aber hier noch nicht.“ Der, der Matthias zu zweit sein lässt, heißt Uwe. „Ich habe eine Einladung für einen Vortrag zum Thema Rücken bekommen“, erklärt Uwe. Er hat ein Buch dabei, erst wenige Woche alt: „Rückerts kleine Rückenschule“ aus dem Humboldt-Verlag. Sein Buch. „Den Vortrag halte ich heute vor der KV, der Kassenärztlichen Vereinigung“, sagt Uwe. „Der Sohn, der in der Gruppe spielt, hat mich eingeladen.“ So waren Matthias und Uwe aufeinandergetroffen, Matthias wollte Uwe auf einen Kaffee einladen und hat sich an den Vorschlag seines Sohnes erinnert, mal das Riptide auszuprobieren. „Ich komme aus Hamburg, ich bin zum ersten Mal überhaupt in Braunschweig“, sagt Uwe. Er lobt das Riptide und findet einen passenden Vergleich: „Das ist wie die Schanze.“ Matthias fragt derweil nach der neuen Porcupine Tree auf Vinyl. „Die kommen nach Hannover“, sagt er strahlend. „Im Vorprogramm: Robert Fripp!“ Zu Uwe gewandt: „King Crimson!“ Sie gehen nach draußen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Nina</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Es soll weitere hundertzehntausend Jahre bestehen und bitte sich in Idealismus nicht ändern zum Schlechten hin – man kann sich ja immer verbessern. Zum Beispiel Cola-Angebote, dass sie nichts anbieten, was man nicht unterstützen sollte.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Um sich Inspiration für die Antwort auf die zweite Frage zu holen, geht Nina kurz vor die Tür, guckt an der Fassade hoch und kommt wieder rein.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
2.	Zwei Riptides wären besser in Braunschweig.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Johanna</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Viele Gäste und dass der Smoothie genau so lecker bleibt.<br />
2.	Zwei verschiedene Räumlichkeiten.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Wer Nina kennt, kennt sie zumeist tanzend. Jetzt hat sie einen frischen Hot Dog in er Hand, den sie gleich verspeisen will. „Bei Musikveranstaltungen, bei denen Live-Bands spielen, tanze ich auf der Bühne mit den Bands“, erklärt Nina. „Das mache ich öfter.“ Und auch demnächst wieder: „Am 2. Oktober im Jolly Joker bei der Sunsation.“ Am liebsten tanze sie bei Bands auf der Bühne, doch bei der Sunsation lege ein DJ elektronische Musik auf, Klangachse, wie Nina erklärt. „Der macht was im Chill-Out-Bereich, er legt auf und der Gitarrist von Le’Band spielt dazu und ich bin die Tänzerin“, sagt Nina. „Ich nenne mich noch um, DiscoNina passt nicht mehr.“ Das erinnere zu sehr daran, dass sie diesen Namen trägt, seit sie deutlich jünger war als jetzt. Der zweite Tanzauftritt ist am 16. Oktober im Meier, bei einer Release-Party eines Samplers mit lokalen Bands. „Vielleicht – wenn’s klappt“, schränkt Nina ein. Ihre Wunsch-Bands, bei denen sie tanzen will, sind Le’Band und Due e la Donna. Sie tanzt Ausdruckstanz, erklärt Nina weiter. „Ich lerne gerade die Grundtechnik, man tanzt, wie die Stimmung ist, in Verbindung zu der Musik, die einen umgibt.“ Zuletzt war sie beim Kulturschaufenster 38118 am letzten Freitag auf der Bühne am Frankfurter Platz zu sehen, unter anderem bei Müller &amp; die Platemeiercombo. Und die wiederum spielen nicht nur ebenfalls am 16. Oktober im Meier bei der New City Rock Release Party, sondern einen Tag später auch im Riptide.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Timo</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Dass es noch ganz viele tolle Konzerte gibt von Bands, die ich auch gerne mag, und dass es stattfindet, wenn ich Zeit habe.<br />
2.	Von zwei zu zwanzig: Ich habe mir das Peter-Doherty-Album letztens gekauft, dass hat über 20 Euro gekostet. Natürlich auf LP.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Timo lässt sich von André die „Klang“-CD von The Rakes geben. Er setzt sich an die CD-Player am Fenster und hört in das Album rein.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Chris sitzt immer noch am PC und plagt sich mit Kompabilitätsproblemen. Im Gegensatz zu Micha war Chris bei der Eröffnungsparty des Universum-Kinos, wie Chris erzählt. „Das hat Donnerstag aufgemacht, Mittwoch war Eröffnung für Sponsoren, Freunde, Politiker, Architekten, Vereine – und mich.“ Er lacht und zuckt dabei mit den Achseln. „Ich arbeite seit acht Jahren fürs Filmfest, als DJ, Werbesponsor – da war ich eingeladen.“ Die Leute vom Filmfest leiten jetzt nämlich das Universum. Einen Sektempfang und einen roten Teppich habe es gegeben. „Es war schön, alle wiederzusehen“, sagt Chris. Eine Führung habe es gegeben, durch die zwei übrig gebliebenen Filmsäle und das Bistro, das sie im dritten eingerichtet haben. Das Bistro heißt Abspann. „Den Namen find ich gut“, sagt Chris. Nach einigen Ansprachen sei man zum Filmegucken gekommen. „Zuerst einen belgischen Kurzfilm, ‚Kwiz’, völlig genial“, sagt Chris. „Und dann den griechischen Eröffnungsfilm, der erste Film, der da lief im Universum.“ Chris strahlt. „Das ist so wichtig für ganz Braunschweig“, sagt er. „Ich hoffe, dass sie leben können.“ Er sinniert. „Das war ein richtig schöner Abend, eine schöne Eröffnung, hat Spaß gemacht.“ Und dann war Chris auch am Samstagabend in der ehemaligen Krabbenkuppel bei der aktuellen Ausgabe des Silver Club. Da hat Chris aufgelegt, unten im Gewölbekeller, der einmal ein griechisches Restaurant war. Régine Rius las Serge Gainsbourg. Toddn legte auch auf. „Und Michel von Such A Surge, der Ex-Sänger, stand hinterm Tresen und hat mir eine Cola verkauft“, wundert sich Chris. Außer Toddn und Chris war noch Christoph als DJ dabei. „Spex-Redakteur und Intendant von irgendetwas, der ist kürzlich von Berlin nach Braunschweig gezogen, auf ein Dorf in der Nähe“, berichtet Chris. „Wir haben uns gut verstanden.“ Zwei Kunstausstellungen hat es gegeben, eine davon waren Bilder, auf LKW-Planen gemalt. „Die hingen im Eingangsbereich, Iggy Pop war auf einem drauf“, sagt Chris. Der Silver Club war wegen des DJ-Auftrags auf Chris zugekommen, sagt der. „Sie haben mich schon öfter gefragt, du musst kommen, unbedingt, aber es hat nie zeitlich hingehauen.“ Aber jetzt. „Mir hat’s Spaß gemacht, trotz der Hitze“, sagt Chris. „Lustig war’s, in dem Laden wieder zu sein, der original aussah wie früher, vor 19 Jahren, als ich Vegetarier wurde.“ Bis damals sei er regelmäßig mit seiner Jugendgruppe beim Griechen gewesen. „Immer schön Gyros und Pommes“, so Chris. „Erst vor einem Jahr wurde mir klar, dass der Laden dicht hat – und das schon sechs Jahre.“ Was damit passiert, ist noch nicht ganz sicher, doch: „Toddn will da demnächst seine ‚Please Kill Me’-Lesung halten.“ Am 10. Oktober nämlich. Toddn nennt die Krabbenkuppel in seiner Ankündigung Französische Botschaft. Chris wendet sich wieder seinem PC-Problem zu.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Sven Supernova</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
1.	Dass es so weitergeht.<br />
2.	Ich hab auf jeden Fall schon mehr als zwei Platten hier gekauft.</span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></p>
]]></content:encoded>
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		<pubDate>Sun, 16 Aug 2009 21:17:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cafe]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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Sonntag, 16. August

Ort der Handlung: Das Café Riptide im beschaulichen Braunschweig. Es ist Nachmittag, der Himmel ist blau und es ist entsprechend heiß. Arni, ganz in Schwarz, in T-Shirt, kurzen Hosen und Sandalen, und Maren, in schwarzem Jim-Avignon-T-Shirt mit bunten Smileys, blauen Jeans und blauen Crocs, treten auf. Sie gehen kurz ins Café, um Sina, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Sonntag, 16. August</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Ort der Handlung: Das Café Riptide im beschaulichen Braunschweig. Es ist Nachmittag, der Himmel ist blau und es ist entsprechend heiß. Arni, ganz in Schwarz, in T-Shirt, kurzen Hosen und Sandalen, und Maren, in schwarzem Jim-Avignon-T-Shirt mit bunten Smileys, blauen Jeans und blauen Crocs, treten auf. Sie gehen kurz ins Café, um Sina, die hinter der Theke steht, bescheid zu sagen, dass sie da sind, holen sich aus dem Spieleschrank den Kniffelblock, den Plastikwürfelbecher mit sechs Würfeln und einen Kugelschreiber, nehmen sich die oberste Zeitschrift vom Zeitschriftenstapel und gehen wieder nach draußen. Vor dem Café öffnet sich ein achteckiger Platz. Das Riptide hat dort Tische und Stühle aufgestellt, mit genügen Platz für den Fußgänger-Durchgangsverkehr. In der Nachbarschaft haben diverse andere Kneipen geöffnet, überall sitzen Leute draußen. Irgendwo läuft, gelegentlich hörbar, Fußball. Arni und Maren setzen sich an den Tisch links vom Ausgang, der jetzt noch im Schatten steht, legen die Zeitschrift auf ihre Vorderseite und beabsichtigen so, die auf die Rückseite gedruckte Vichy-Werbung mit der halbnackten Frau als Kniffelunterlage zu benutzen. Arni und Maren sitzen sich gegenüber.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
(Sina) [kommt heraus] Habt ihr schon was gewählt?<br />
(Maren) Ihr habt doch auch Eiskaffe, dafür habt ihr doch auch Eis da – meinst du, dass es möglich ist, dass ich nur Eis bekomme?<br />
(Arni) Also Eiskaffee ohne Kaffee.<br />
(Sina) Muss ich gucken, ich glaube, wir haben nur noch Schoko-Eis da. [geht ab]<br />
(Arni) [blättert in der Zeitschrift und beginnt zu lesen]<br />
(Sina) [kommt heraus] Ich war grad mit dem Kopf in der Truhe, aber das einzige, was ich anbieten kann, ist das Vanilleeis, das wir für den Eiskaffee nehmen.<br />
(Maren) Das ist doch okay.<br />
(Sina) Drei Kugeln, mit Schlagsahne und Schokostreuseln?<br />
(Maren) Nur mit Schokostreuseln!<br />
(Sina) [zu Arni] Und für dich?<br />
(Arni) Ich hätte gerne einen Eiskaffee.<br />
(Sina) [nickt und geht ab]<br />
(Arni) [legt die Zeitschrift mit der Vorderseite nach unten auf den Tisch] Stört’s, wenn ich meine Schuhe ausziehe? [zieht seine Sandalen aus]<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
(Sina) [bringt einen Eiskaffee und ein Schälchen mit drei Eiskugeln, Schokostreuseln und einer Physalis, bringt das Tablett ins Café zurück und setzt sich zu Arni und Maren an den Tisch, um zu rauchen] Gestern hatten wir hier vegetarisches Barbecue, wart ihr da?<br />
(Arni und Maren) [schütteln die Köpfe]<br />
(Sina) Das war nett, das haben die schon zum zweiten Mal gemacht. Da haben sie dort [zeigt auf die gegenüberliegende Seite des Achtecks] einen großen und zwei kleine Grills aufgebaut. Ich war der Grillmaster, obwohl drei Männer da waren. Chris wollte gar nicht grillen, André später schon, und dann war da noch Lennart, der war mal Praktikant hier, der hat auch mitgegrillt. Aber Chris wollte partout nicht grillen. [zieht an der Zigarette] Der Vorteil: Man kann den ganzen Tag grillen und riecht gut. Ich kenn das von meinem Vater, wenn der grillt, riecht der, als hätte er selber auf dem Grill gelegen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
[Eine Passantin mit einem kleinen Hund geht vorbei}<br />
(Sina) Hunde fangen für mich ab Kniehöhe an.<br />
(Arni) [zieht am Strohhalm seines Eiskaffees] Freunde von uns haben einen Hund, der ist so groß, der liegt auf Partys immer im Wohnzimmer in der Ecke, und wenn der mal aufsteht, ist das ganze Wohnzimmer voll.<br />
[durcheinander redend beklagen sie sich, dass viele Leute mit ihren Hunden nicht umgehen können, und vergleichen das mit überforderten Eltern]<br />
(Sina) Ich habe letzten Fernsehen geguckt, da hatte eine Familie zehn Kinder, beide keine Arbeit und wunderten sich, dass sie kein Geld hatten. Da wundert man sich, dass sie überhaupt so viele Kinder in die Welt gesetzt haben!<br />
(Maren) [löffelt ihr Eis] Stimmt, das hätten sie sich beim [hält kurz inne und gestikuliert vage] siebten Kind schon überlegen können.<br />
(Sina) [ist mit Rauchen fertig und steht auf] Wollt ihr noch was trinken?<br />
(Maren) Ich nehme eine Fritz-Kola ohne Zucker.<br />
(Arni) Und ich mit!<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
[Fußballgeräusche sind von nebenan aus einem Fernseher zu hören]<br />
(Maren) [gespielt naiv] Bundesliga ist immer wie eine Lotterie. Man weiß nie, was kommt.<br />
[Die Sonne ist inzwischen so weit gewandert, dass Arni und Maren nicht mehr im Schatten sitzen. Sie siedeln mit allem, was sie dabei haben, einen Tisch weiter in Richtung Fußgängerdurchgang um]<br />
(Sina) [kommt mit den Getränken und wundert sich grinsend] Mal sehen, wo ich euch nachher finde!<br />
(Arni) Wir sind Nomaden der Springflut. Die Leute in Braunschweig gucken immer ins Riptide, um die Uhrzeit zu sehen. ‚Schnell nach Hause, ist schon Tisch drei, Tagesschau!’<br />
(Maren) [bereitet endlich den Kniffelblock vor. In die rechte obere Ecke schreibt sie die Zahl 344 und in die Namenszeile zunächst HANS NARR und dann dahinter KARTOFFEL]<br />
(Arni) [beginnt zu würfeln, mit der hohlen Hand, ohne Becher, weil der aus Plastik ist und sehr laut klappert] Ich bin Hans Narr? Na, das passt ja! [Würfelt mit dem zweiten Wurf eine Große Straße auf die Zeitschrift] Tidelding!<br />
(Maren) Ich bin die Kartoffel! [würfelt einen schlechten Wert] Ein mehliger Wurf. [betrachtet die Vichy-Werbung] Dieser Hintern lenkt mich ab!<br />
[beide würfeln abwechselnd, Maren trägt die Werte auf dem Kniffelblock entsprechend ein]<br />
(Maren) [würfelt eine Große Straße]<br />
(Arni) Du hast ‚tidelding’ vergessen! [würfelt, Maren trägt ein]<br />
(Maren) [würfelt drei Einsen, eine Zwei und eine Drei] Ich mach mal nen Kniffel! [schafft ihn jedoch nicht] Bei uns Kartoffeln ist das ein Kniffel!<br />
(Arni) [laut und kurz] Nein! [wieder normal] Ein Kartiffel!<br />
(Maren) Du hast ja Narrenfreiheit, Arni.<br />
(Arni) [über einen guten Wurf] Nice dice! [Will Maren ärgern]<br />
(Maren) Don’t mess with the Kartoffel!<br />
(Arni) [würfelt zwei Fünfen]<br />
(Maren) Fumf!<br />
(Arni) Was mit Fumf. [würfelt keine einzige weitere Fünf] Schade, hätt fast geklappt, ey!<br />
(Maren) [mit Blick auf den fast vollen Block] Wir brauchen beide noch Viererpasch. [Schafft ihn nicht]<br />
(Arni) [schafft ihn auch nicht] Erbärmlich!<br />
(Maren) Niemand hat’s geschafft! [Zählt zusammen, Maren hat 245 Punkte, Arni 231] Die Kartoffel gewinnt! Erster Preis: ne Fritteuse! Oh weh!<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
[Die Sonne hat Arni und Maren eingeholt, sie wandern in die Ecke weiter, in der tags zuvor noch der Barbecue-Grill gestanden haben muss, und sitzen jetzt genau dem Eingang zum Café gegenüber]<br />
(Arni) [singt, einen russischen Akzent imitierend, zur Melodie von „Mein Hut, der hat drei Ecken“] Mein Chund, der chat drei Beine&#8230;<br />
(Maren) [beginnt die zweite Runde] Tidelding!<br />
(Arni) Was ist denn das hier, Straßenbau?<br />
[beide würfeln abwechselnd, Maren notiert wieder die Werte]<br />
(Sina) [kommt heraus] Wollt ihr noch was trinken?<br />
(Maren) Ich hätte gerne eine Bios Holunder-Traube.<br />
(Sina) [zu Arni] Und du?<br />
(Arni) [zeigt auf sein viertelvolles Glas] Ich hab noch, danke!<br />
(Sina) [geht ab]<br />
(Arni) [singt] Mein Chund, der chat drei Köpfe, und kommt aus Tschernobyl&#8230;<br />
(Maren) [feststellend] Das singt Arni öfter beim Würfeln.<br />
(Arni) [reicht Maren die Würfel] Wurrrst&#8230; Salat.<br />
(Maren) Auch das sagt Arni öfter beim Würfeln.<br />
(Arni) [guckt nach einem miserablen Wurf auf den Kniffelblock, den er nur auf dem Kopf lesen kann, und sucht die Spalte, in der Maren seine Werte eingetragen hat] Wo bin ich?<br />
(Maren) Café Riptide.<br />
(Arni) Mir ist schlecht.<br />
(Maren) Es ist Sonntag. Nachmittag.<br />
(Arni) Schlauberger-Liesel!<br />
(Maren) Ich sag’s nur, wie es ist!!!<br />
(Sina) [kommt aus dem Café heraus genau auf den Tisch zu] Wer ist am führen?<br />
(Maren) [hebt den Finger wie in der Schule] Die Kartoffel! [Arni und Maren haben noch zu trinken, Sina geht wieder ab] Die Kartoffel liegt in Führung, dicht gefolgt vom Narr!<br />
(Arni) [würfelt vier Sechsen]<br />
(Maren) Die Kartoffel kriegt hektische Flecken&#8230;<br />
(Arni) Sprossen!<br />
(Maren) [zählt jetzt die Punkte der zweiten Runde zusammen; Arni hat 265, Maren 237 Punkte] Der Narr gewinnt!<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
[Viele Fußgänger nutzen die Passage als Durchgang, viele werfen Blicke auf das kniffelnde Paar]<br />
(Maren) [bereitet den Block für die dritte Runde vor] Nach wie vor gilt es, die 344 zu knacken. [schreibt ‚waam’ auf den Block, fügt nach kurzem Stutzen ‚sinn’ hinzu]<br />
(Arni) [will eine Große Straße versuchen, aber es klappt nicht]<br />
(Maren) Die Kartoffel zeigt die jetzt, wie’s geht! [würfelt wertlose Zahlen]<br />
(Arni) Aha, so geht das also?<br />
(Maren) Das ist die klassische Kartoffel-Verwirr-Taktik!<br />
(Arni) [gelingt es gleich im nächsten Wurf] Tidelding!<br />
(Maren) Trélegant!<br />
(Arni) Trélegant? Sind das Tiere?<br />
(Maren) Ja. Mit Fühlern. [würfelt fünf Vieren] Kniffel!!!<br />
(Arni) Der erste Kniffel heute! [würfelt vier Vieren] Ich hab oben bis jetzt immer eine mehr. [Das braucht er, um seinen eigenen Rekord, die 344, knacken zu können; Maren würfelt] Für die 344 braucht man oben mindestens einen Kniffel bei Fünfen oder Sechsen, damit das eine kryptische Zahl wie 120 als Summe ergibt. [würfelt fünf Fünfen]<br />
(Maren) Frrrrrrechheit! [würfelt ebenfalls fünf Fünfen, guckt verdutzt auf den Kniffelblock] Kniffel hab ich schon! Das darf man auch nicht oft sagen: Kniffel hab ich schon!<br />
(Arni) Dann streich doch die Chance! [guckt auf den Block] Ich brauch noch ne Große Straße. [würfelt] Tidelding!<br />
(Sina) [kommt raus, setzt sich an den ersten Tisch] Ich bleib mal in der Sonne sitzen. [raucht genüsslich, steht dann auf und räumt Sitzkissen zusammen] Braucht noch jemand ein Kissen?<br />
(Arni) Ja, ich!<br />
(Sina) [bringt es ihm]<br />
(Arni) Danke, und ich hätt auch gerne noch einen freundlichen Kaffee!<br />
(Sina) [steckt Arni ein weiteres Kissen hinter den Rücken] Mit Milch?<br />
(Arni) Bitte. [nickt] Das ist’n Service!<br />
(Maren) [rechnet das Ergebnis der dritten Runde aus; Maren hat 318, Arni 249 Punkte]<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
(Sina) [bringt die Tasse Kaffee und geht wieder ab]<br />
(Arni) [packt den beigelegten Keks aus der Hülle, beißt ab] Lotte!<br />
(Maren) [deutet Schläge in Arnis Gesicht an] Das gibt gleich Lotte links-rechts!<br />
(Arni) [zeigt ihr kauend den angebissenen Keks, auf dem ‚Lotte’ steht]<br />
(Maren) Whole Lotte Love! Arni fängt an!<br />
(Arni) [beginnt die vierte Runde und würfelt vier Einsen]<br />
(Maren) Arni fängt doch nicht an!<br />
(Arni) [würfelt noch eine Eins] Lautloser Schrei! Haste gehört? [Maren würfelt, Arni ist wieder an der Reihe, würfelt fünf Dreien]<br />
(Maren) Arni fliegt raus! Zwei Runden, zwei Kniffel! [würfelt]<br />
(Arni) [würfelt drei Sechsen, gespielt enttäuscht] Kein Kniffel.<br />
(Maren) Soll ich die Sechsen streichen?<br />
(Arni) Streich den ganzen oberen Bereich.<br />
(Maren) Gerne! [überlegt] Sind Kartoffeln eigentlich automatisch Triebtäter?<br />
(Arni) Je nach Jahreszeit.<br />
(Sina) [kommt aus dem Riptide an den Tisch von Arni und Maren]<br />
(Maren) Ich krieg Hunger!<br />
(Sina) [unterbricht nickend] Einmal. Mit Käse.<br />
(Arni) [lacht] Hunger überbacken!<br />
(Maren) Ich hätte gerne ein Tomate-Mozzarella-Fladenbrot.<br />
(Sina) Gut. [geht ab]<br />
(Maren) [würfelt vier Zweien]<br />
(Arni) Jetzt gibt sie Gas. Jetzt gibt sie Gäschen!<br />
(Maren) Aufgrund meiner Vergäslichkeit&#8230;<br />
(Arni) [würfelt und lacht]<br />
(Maren) &#8230;muss ich immer schnell machen.<br />
(Arni) [würfelt wertloses Zeug, gespielt erbost] Ooooh!!!! Dich bring ich auch noch mal raus!<br />
(Maren) [würfelt] Ja? Bringst du mich groß raus oder klein?<br />
(Arni) Wenn, dann schon groß! [würfelt erneut wertloses Zeug, guckt auf den Block] Dann streich den Full House!<br />
(Maren) [erkennt besser, was noch offen ist] Du meinst wohl den Viererpasch!<br />
(Arni) Wasse weiße iche!<br />
(Maren) Wasser ist immer unten, weißt du das nicht?<br />
(Arni) Nee! Haste noch nie ne Wolke gesehen?<br />
(Maren) [guckt nach oben in den strahlendblauen Himmel] Nee. Heute nicht.<br />
(Arni) Aber ist doch blau, ist alles Wasser! [grinst] Die Abenteuer von Klein-Maren. Heute: Klein-Maren unter Wasser.<br />
(Maren) [zählt die Punkte zusammen; Arni hat 292, Maren nur 219] Das ist noch nicht mal ein Krokettchen!<br />
(Arni) Ein zufriedenstellendes Resultat!<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
(Sina) [kommt an Arnis und Marens Tisch]<br />
(Maren) Ich würd gern noch was trinken.<br />
(Sina) Wieder was Limonadiges?<br />
(Maren) [nickt]<br />
(Sina) Kennst du schon die Mate-Cola? Ist wie Mate-Tee, nur eben mit Cola.<br />
(Maren) Die probier ich!<br />
(Sina) [geht ab und kommt mit der Cola wieder; neben Marens fast leerem Glas mit roter Brause steht jetzt eines mit Mate-Cola; Sina geht wieder ab]<br />
(Maren) [stürzt die Bios-Brause hinunter und greift nach dem Cola-Glas] Von Rot zu Schwarz. [trinkt einen Schluck]<br />
Denken kann ich, Gottseidank<br />
mach mir einen Zaubertrank<br />
schütt ihn in mein Köpflein rein<br />
möchte so gern Gewinner sein!<br />
(Arni) [lehnt sich genüßlich zurück] Es ist erstaunlich, wie schön so ein Tag in Braunschweig sein kann, wenn man’s richtig angeht.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
[von irgendwo nebenan ist plötzlich Gebrüll zu hören] Tor!!! Nein, Pfosten, das gibt’s ja nicht!!!<br />
(Maren) [dreht ein Kniffelblatt um und zieht darauf Linien]<br />
(Arni) [nimmt den sechsten Würfel hinzu und beginnt die erste Runde Zehntausend] 1.100, ich bin drin!<br />
[sie würfeln abwechselnd. Um ins Spiel zu kommen, müssen sie mit mindestens 1.000 Punkten eröffnen, danach zählen nur die Würfe, die sie mit mindestens 350 Punkten quittiert haben. Gewinner ist, wer als erstes genau 10.000 Punkte erreicht]<br />
(Maren) Auch 1.100, ich bin auch drin!<br />
(Arni) Ich mach&#8230; [würfelt fünf Zweien] 20.000!<br />
(Maren) n bisschen drüber! [der Wind weht das Blatt vom Tisch, auf dem Maren die Punkte notiert; sie greift danach, verfehlt es und muss aufstehen, um es aufzuheben; gespielt hysterisch] Keiner hilft mir! Alle sehen, was passiert, aber keiner macht was! [setzt sich, stellt das Colaglas auf das Blatt und würfelt ebenfalls fünf Zweien] Auch 20.000, Mist! Das sind die 10.000 der Verzweifelten, oder was!<br />
[Nach nur sehr wenigen Runden verliert Maren mit geringer Punktzahl. Sie beginnen eine weitere Runde]<br />
(Arni) Wer ist dran? [würfelt] Little dranner boy. [würfelt 1.450 Punkte und ist drin] Nehmich!<br />
(Maren) Nehmich? Wohnt in der Habichschongasse.<br />
(Arni) [würfelt, legt eine Eins heraus, würfelt zwei weitere Einsen, eine Fünf und zwei wertlose Zahlen, hätte also schon 350, die er notieren dürfte, steckt aber den Fünfer-Würfel zu denen, mit denen er erneut würfelt]<br />
(Maren) Der Heeerr möchte mehr!<br />
(Arni) Das reimt sich. Und was sich reimt, ist gut! [würfelt eine weitere Eins und hat also 400] Schrei’ma auf!<br />
(Maren) Schrei ma auf? Uah! [sie braucht viele Runden, um mit 1.050 überhaupt ins Spiel zu kommen, während Arnis Punktekonto wächst] Hätt ich auch nicht mehr mit gerechnet!<br />
(Arni) [hat einen Punktestand von 4.550, würfelt 450, muss quittieren, würfelt 5.000 dazu] Macht 5.450!<br />
(Maren) Dann biste bei&#8230; [rechnet] 10.000!<br />
(Arni) Alter! [läst sich überrascht in seinen Stuhl zurückfallen] Das hab ich aber auch noch nie geschafft, bei unter der Hälfte rauszuwürfeln!<br />
[Es geht auf Ladenschluss zu, Sina möchte Feierabend machen]<br />
(Maren) [Räumt die Kniffelzettel zusammen und befördert die sechs Würfel zurück in den Plastikbecher] Das war’s! [Arni und Maren bringen Flaschen und Gläser, Kissen und Kniffelsachen ins Café, bezahlen und verabschieden sich von Sina]</span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></p>
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		<title>#21 Helga hat Hochkonjunktur</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Jul 2009 00:01:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
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Donnerstag, 16. Juli

Der Monat in der Mitte von April und November gestaltet sich wie eine Mischung aus diesen beiden, nur in schwül. Wer sich vom gelegentlichen Regen nicht verscheuchen lässt, sucht sich einen Platz draußen, vor dem Café. Chris, der heute ein Grandmaster-Flash-Shirt trägt, schlängelt sich zwischen den Tischen hindurch. Er ist auf dem Heimweg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Donnerstag, 16. Juli</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Der Monat in der Mitte von April und November gestaltet sich wie eine Mischung aus diesen beiden, nur in schwül. Wer sich vom gelegentlichen Regen nicht verscheuchen lässt, sucht sich einen Platz draußen, vor dem Café. Chris, der heute ein Grandmaster-Flash-Shirt trägt, schlängelt sich zwischen den Tischen hindurch. Er ist auf dem Heimweg und bereitet sich schon auf das Melt!-Festival vor. Dort wird er einen Stand haben und Platten verkaufen. „Nächste Woche liest Till Burgwächter im Riptide über Wacken“, kündigt er noch an, dann ist er weg.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Es ist schön, wenn man hochguckt“, sagt Janna an einem der Tische und guckt hoch. Die Schwalben ziehen ungewöhnlich hoch über ihr ihre Kreise und rufen dazu schrill. „Wenn man sich vorstellt, dass da früher noch ein Glasdach drüber war“, sinniert sie und betrachtet den Balkon und die Bögen über sich. Sie hält inne. „Ich frag mich, wer das putzt“, grinst sie. Dann lässt sie wieder ihren Blick im Achteck schweifen. „Eine hübsche Ecke, wenn man so guckt.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
André kommt heraus und nimmt die Bestellung entgegen. „Eine Latte Macchiato mit Vanille-Eis ohne Sahne“, bestellt Janna zunächst, überlegt dann aber: „Geht auch eine Eis-Schokolade ohne Sahne?“ André fragt: „Meinst du Frappé? Das gibt’s in weißer und dunkler Schokolade, auch Vanille, kannst du auch mit Sirup verfeinern – ich glaube, das ist das, was du meinst.“ Janna denkt kurz darüber nach und meint dann: „Mir geht’s da auch um die Kalorien – ist da Zucker drin?“ André nickt, schränkt aber poetisch ein: „Ein Hauch, eine Prise nur.“ Damit überzeugt er Janna. „Okay, das nehme ich“, sagt sie. André grinst: „Dafür sind da dann aber auch viele Vitamine drin.“ Sie lachen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Drinnen packt André Kisten, die Chris mit aufs Melt! nimmt. Die LP- und CD-Fächer sind schon ziemlich leer. Neben der Kasse liegt „Accelerate“ von R.E.M. in der normalen und der Digipak-Version zum Sonderpreis. „Die haben wir nur heute im Angebot“, sagt André. „Wir dachten uns, wir machen mal so was.“ Er geht wieder nach draußen und räumt Jannas leeres Glas ab. „Und“, fragt er sie, „kommt das dem nahe, was du dir vorgestellt hast?“ – „So ziemlich“, entgegnet sie zufrieden.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Donnerstag, 23. Juli</strong><br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Neben den Seuchen- und Diktatoren-Quartetts gibt es jetzt auch ein Die-Ärzte-Kartenspiel auf dem Tresen, direkt neben dem Michael-Joseph-Jackson-Fach mit einigen Alben zum Sonderpreis, allen voran „Thriller“. „Das hat er sich mal verdient“, meint Chris. Er packt neu eingetroffene LPs aus und weg. Obenauf liegt eine ganz bunte. „Das ist Portugal.The Man, ein superaufwändiges Cover, Blüten kannst du da so rausfalten“, erklärt er. „Ich bin hier grad Kleinkram am rumtüddeln, wir müssen gleich den Abend vorbereiten“, sagt er kurz. Der Abend, der steht im Zeichen des Wacken Open Airs, denn Stamm-Leser Till Burgwächter wird eine Woche, bevor das Metal-Fetsival startet, also heute, hier themenbezogen lesen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Dann erzählt er von einem Konzert: „Ich war mal ganz alleine bei einer Band, das war mir unangenehm, ich hab mich nicht getraut, wegzugehen, aufs Klo oder so. Das war in Wolfsburg, ein Konzert mit sechs Bands, so legendären wie Peace Of Mind – Anfangs waren da noch so 50 Leute da, irgendwann war ich alleine. Ich kannte die Band auch persönlich, die haben dann immer gesagt: Für Chris spielen wir auch noch einen, und ich hab mir nur gewünscht, dass sie aufhören&#8230;“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Chris und André packen schon wieder Plattenkisten. Morgen fährt André an Omas Teich, einem Festival in Ostfriesland, in Großenfehn. „Ich hab noch genug vom Melt!“, sagt Chris. „Ich bin noch immer kaputt.“ Die Omas-Teich-Packerei vermischt sich mit den Vorbereitungspackereien für den Abend. „Was ist denn heute Abend?“, fragt Daniel. „Eine Heavy-Metal-Lesung“, antwortet Chris, „das ist das lustigste, was es gibt.“ Daniel kann nicht: „Ich hab Training.“ Chris grinst: „Was denn, Hallen-Jojo?“ – „Fußball.“ – „’n Kicker“, sagt Chris. Daniel nickt: „Und Samstag geh ich zur Eintracht.“ Eigentlich war Daniel ins Riptide gekommen, um nach Platten zu gucken, aber die werden ja gerade verpackt. „Suchst du was Bestimmtes?“, fragt Chris. „Nee, ich wollte nur gucken“, sagt Daniel. Empfehlungen kann Chris trotzdem geben, er kennt seine Kunden: „Die neue Major Lazer ist gut, das wird eine Referenzplatte, da bin ich mir hundertprozentig sicher, die geht los mit Elektro von Diplo, dann holen sie die Dancehall-Reggae-Keule raus“, beschreibt Chris. Für Daniel klingt das verlockend. „Die Moderat hat mich enttäuscht“, entgegnet er dann, und fragt: „Wie war eigentlich das Melt!?“ Chris seufzt. „Ich sage drei Worte: Schrecklich, nie wieder. Nur einen Tag später wusste ich, dass ich schon aufs nächste Jahr warten würde.“ Eine Beobachtung hat er gemacht: „Männer in pinken Leggings sind der neue Trend.“ Daniel glaubt: „Das kann ich nicht tragen.“ Chris winkt ab: „Da haben es auch Leute getragen, die es nicht sollten.“ Zur Lesung kann Daniel nicht bleiben, er geht schon wieder.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Dafür kommt Lukas, der vor einiger Zeit nach Amon Amarth gefragt hatte. Der Technik-Verweigerer. „Inzwischen habe ich ein Handy“, sagt er resigniert. „Hab mich angepasst.“ Aber er grinst: „Meine Nummer haben nur zwei Leute.“ André fragt ihn: „Was möchtest du denn?“ Lukas dreht sich einmal um sich selbst. „Eine&#8230; Hermann-Kola.“ André grinst: „Was war das denn, ein Michael-Jackson-Move?“ Lukas entgegnet: „Eine Entscheidungshilfe.“ André fragt: „Und was dazu?“ – „Einen Muffin.“ – „Welchen?“ Lukas dreht sich erneut einmal um sich selbst. „Schoki.“ Er nimmt alles entgegen, dankt und sagt: „Ich geh wieder rüber zu Serge.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Der kommt kurz darauf selber ins Café. „Ich bekomme einen Hotdog mit Sauerkraut“, sagt er in Richtung Chris, dreht sich um und ist schon beinahe wieder draußen. „Hast du den schon bestellt?“, vergewissert sich Chris. „Nee, ich bestelle jetzt“, sagt Serge nachdrücklich und geht wieder zu seinem Laden nach nebenan.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Till und Annika kommen ins Café. „Was darf’s denn ein?“, fragt Chris den Destruction-Shirt-Träger mit der Mähne. „Alkoholfreies Bier, Honigmilch?“ – „Haahaa, lustig“, sagt Till. „Ach nee“, korrigiert sich Chris, „ihr Metaller trinkt ja Blut aus Hörnern.“ Ein Astra bestellt sich Till stattdessen. Und Annika: „Hab ich da grad ein Becks Green Lemon gesehen?“ Hat sie, bekommt sie auch. Chris entschuldigt: „Wir müssen noch vorbereiten.“ Till entschuldigt ebenfalls: „Bin ja auch ganz schön früh da.“ Annika und er setzen sich nach draußen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Chris niest ständig. Eine Folge vom Melt!, ist er sich sicher. Während der Umräumarbeiten findet Chris die Zeit, vom Melt! zu erzählen: „Es waren vielleicht drei trockene Stunden am Sonntag“, sagt er und niest erneut. Er berichtet vom Orkanregen und dem Einsatz von Feuerwehr und Polizei, die ein Bühnenzelt geräumt haben. „Es gibt da die Gemini-Bühne, da hatten sie das Dach nicht fest genug gespannt, da bildeten sich Blasen mit 200 Litern Wasser drin, und als der Orkanregen losging, waren natürlich alle im Zelt. Dann kam die Feuerwehr und hat gesagt: Alle raus, wenn die Blasen platzen, das ist gefährlich – ich weiß jetzt, wie laut das ist, wenn 10.000 Leute pfeifen. Die sollten alle in den Regen, mit Höschen, Bikini und Sandalen. Irgendwann kam die Polizei und wollte das Zelt räumen – ich weiß nicht, was die als nächstes gemacht hätten. Wasserwerfer vielleicht, dann wären sie alle schon mal nass. Irgendwann sind dann alle raus in den Orkanregen. Am nächsten Tag hast du gehört, alle Zelte waren durchweicht, alles war nass&#8230;“ Chris niest.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Während Chris und André weiter herumräumen, kommt Serge zurück ins Café. „Also, der schmeckt ja schon klasse“, sagt er über den Hotdog und bringt seinen Teller grinsend in die Küche. Er kommt wieder heraus, im Weitergehen sagt er noch: „Lob, wem Lob gebührt“ und ist dann auch schon verschwunden.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Till bestellt sich ein weiteres Astra und berichtet dann, wer ihn da eigentlich gerade begleitet: „Das ist Annika Blanke, sie kommt aus Ostfriesland. Ich habe sie letzte Woche in Braunschweig beim Poetry Slam getroffen, sie hat einen Text über Wacken gelesen. Wir haben uns unterhalten und festgestellt, dass wir einen ähnlichen Stil und Humor haben, und haben gesagt, wir müssen mal was zusammen machen.“ Das wird dann heute Abend sein. „Sie liest auch in Wacken, zusammen mit Andreas Schöwe, der hat ein Buch über Wacken gemacht, zum 20. Geburtstag, das heißt ‚Wacken Roll’, daraus liest er.“ Auch Till liest demnächst auf einem Festival: „Ich bin morgen in Hamburg auf dem Headbangers Open Air und übermorgen lese ich dort – ein sehr metallastiges Wochenende!“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Chris deutet auf die Wand hinter dem Lesetisch. „Guck mal, ich hab den Hintergrund extra für dich gestaltet!“ Viele Metal-LPs hat Chris dort aufgereiht, darunter auch die „Feuermond“-LP der Drei Fragezeichen. Sie verfallen sofort in Heavy-Metal-Fachsimpeleien. Till erzählt dann vom Death Angel- und Kataklysm-Konzert, das er kürzlich im Meier gesehen hat. „Bei Kataklysm ist ein Crowdsurfer, der lässt sich auf dem Rücken tragen – mit einem Hefeweizenglas in der Hand, ist da genießerisch am trinken – der Sänger hält die Band an, spricht den an – wie heißt du?, Harry oder so, Harry, du darfst dir nach dem Konzert an unserem Merchandising-Stand ein T-Shirt aussuchen, so etwas habe ich noch nie gesehen.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Lukas kommt ins Café und bringt seine leere Flasche zurück. Er singt: „One, two, three, A B C…” Jackson 5! „Lief grad im Bierteufel”, sagt er, singt weiter, geht wieder raus und ruft noch „See You!“ in den Raum.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Den Gitarristen von Very Wicked treffe ich ab und zu im Stadion“, erzählt Till gerade. Beim VfL Wolfsburg, was macht er da? „Da bin ich dienstlich“, sagt Till. „Ich war schon in vielen Stadien in Deutschland und bei unendlich vielen Spielen – aber das war das erste Mal, dass ich dabei war, als eine Mannschaft Deutscher Meister wurde.“ Er strahlt. „Ich habe nichts gegen den VfL – ich bin ja St.-Pauli-Fan.“ Er wirft einen Blick nach draußen, wo Annika sitzt. „Wir müssen noch absprechen, was wir  lesen – sie schreibt gerade noch an einem Text, das wird eine Weltpremiere im Riptide.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Chris und André haben sich Unterstützung für den Abend geholt. Sina steht jetzt hinter der Theke. „Seit vier Monaten helfe ich am Wochenende und mal abends, wenn Veranstaltungen sind“, sagt sie. „Damit die beiden auch mal zu Schlaf kommen“, fügt sie lächelnd an. „Ich pendele immer so zwischen Merz und hier hin und her“, sagt sie. „Ist schön hier, wie ein Wohnzimmer, es ist ein schöner Ort zum –“ sie überlegt kurz, ist sich dann aber sicher: „Arbeiten.“<br />
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Inzwischen ist Annika an den Tresen gekommen. Sie bestätigt Sina: „Ihr habt’s schön hier“, sagt sie und bestellt bei Sina noch ein Becks Green Lemon. Dann fällt ihr Blick auf die von Chris präparierte LP-Reihe. „Oh, ihr habt ‚Feuermond’ auf Vinyl?“, stellt sie erfreut fest. „Ich bin riesengroßer Fan, hab alle Folgen und kann dir sagen, die roten mit Verschraubung und so.“ Damit meint sie die alten Kassetten der Drei Fragezeichen. Annika kommt aus Leer. „Es gibt eine Metal-Party im ‚Limit’ in Ihrhofe, da kommt immer ganz Ostfriesland zusammen“, erzählt sie. „Die sind dort tolerant, da steht der Hardcore-Fan neben dem Fan von&#8230;“ Sie überlegt kurz und wählt dann exemplarisch „Eisregen.“ In Leer gibt es das alte Zollhaus mit der „40 Up Party“, schon seit Jahren läuft die da. „Die gibt es immer noch“, sagt Annika. „Und im Alten Zollhaus machen wir jetzt unseren Poetry Slam.“ Sie geht wieder raus zu Till.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Derweil stöpselt Chris das Mikro ein und testet den Sound. Sina läuft herum und räumt die letzten Gegenstände beiseite. „Sina, du kannst jemanden grüßen, deinen Freund oder so“, sagt Chris und hält ihr das Mikrofon hin. „Meine Chefs“, sagt Sina. „Meine Chefs sind super und sehen gut aus und das Riptide ist ein gutes Wirtschaftsunternehmen.“ Chris nimmt das Mikro zurück und sagt: „Das letzte hab ich nicht verstanden, nochmal!“ Er legt das Mikro auf den Tisch und beendet damit seine Arbeiten. Mittlerweile muss er nämlich gehen. Chris legt heute Abend noch im Brain auf. „Ich will noch etwas essen, ein bisschen schlafen vielleicht“, sagt er.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Das Café ist vorübergehend für Publikum geschlossen. Till und Annika sitzen draußen und besprechen ihre Texte. Guido setzt sich an einen der Tische. Zur Lesung kann er nicht bleiben, „da ist noch ein Riesenstapel Arbeit liegengeblieben“, sagt er. Dann erzählt er von D. Boon, dem Gitarristen der Minutemen. „Da gibt es eine CD mit Sessions aus der besten Minutemen-Zeit“, sagt Guido. „Das Label hat da jetzt eine Bonus-CD beigelegt mit weiteren Sessions aus der Zeit.“ Bassist Mike Watt habe die autorisiert. „Umtriebig, der Mann – wahrscheinlich einer der besten Künstler überhaupt“, findet Guido. Dann erzählt er von „Big Bottom Pow Wow“, einer DJ-Maxi mit einem Spoken-Word-Track. „Da unterhalten sich Watt, Les Claypool und Flea über das Bassspielen“, sagt Guido. „Die gibt es gerade bei Ebay“, jedoch für zu viel Geld. Guido schon wieder weg.<br />
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Draußen sammeln sich indessen viele Gäste und warten auf Einlass. Zu denen gehört auch Kui. „Wir haben am Samstag einen Gig in Gifhorn, im H1“, kündigt er an. Er spielt in der Band Carbid!. „Der nächste Auftritt ist am 22. August bei einem Bikertreffen, bei den Flying Bikers, in Biewende bei Wolfenbüttel.“ Und dann geht die Lesung los. Doch schon vor dem ersten offiziell gelesenen Satz gibt es einen regen Schlagabtausch zwischen Till und dem Publikum, dass ohnehin zu zwei Dritteln aus Freunden Tills zu bestehen scheint. „Naja, einem Drittel“, wird Till später korrigieren. Till kündigt seine spontane Gastleserin an als „die Doro Pesch Ostfrieslands“. Aus seinem Buch „Die Wahrheit über Wacken“ liest er einzelne Passagen vor, die er mehr oder weniger streng nach Buchstaben geordnet hat. Wenn Till liest, betont er seine Texte wie ein Krisengebiets-Korrespondent aus dem Heutejournal. Nach jeder Zeile ertönt aus dem aufgekratzten Publikum mindestens ein Kichern, häufig aber lautes und schallendes Gelächter. Dann überlässt Till Annika das Mikrofon, die sich in ihrem soeben erst vervollständigten Text eine Welt aus Metall ausmalt. Sie spricht unglaublich schnell und setzt ihre Pointen ganz anders als Till. Das Publikum muss sich hörbar an ihren Stil gewöhnen, aber ebenso hörbar hat es große Lust, sich auf Annika einzulassen. Mit lachmuskelkaterverzerrten Bäuchen entlassen die beiden nach einer Stunde ihr Publikum in die Pause.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Nach draußen, wo die Luft deutlich angenehmer ist als drinnen. Deswegen sitzen Stephan und Dennis auch lieber außerhalb des Riptides. „Wir können hier zwar nichts hören, aber drinnen ist es einfach zu warm“, sagt Dennis. Er überlegt, ob man nicht einen Lautsprecher oder gleich die Lesenden herausbringen sollte. „Oder nee“, dreht er sich zu André um, der an der Kasse sitzt, „Funkkopfhörer!“<br />
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Nach der Pause erspielt sich Annika endgültig eine komplette neue Fangemeinde – mit einem Text darüber, wie sie als Festivalvorbereitung Grillfleisch einkauft. Die Leute machen mit, imitieren das „Piep“ des Barcodelasers, rufen „Hunger!“ und sowieso bei jeder aufgezählten Fleischsorte mindestens „aaaah!“ oder „hmmm!“. Das Publikum feiert mit Annika ein imaginäres Grillfest, man spürt deutlich, dass ihr Text am besten gar nicht enden solle. Till greift das Grill-Thema auf und deutet auf den in der ersten Reihe sitzenden Frank, mit den Worten: „Den besten Text zu dem Thema hat Frank geschrieben, den kann ich achtmal hören und muss immer wieder lachen.“<br />
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Danach toppt Annika noch ihre Grillausführungen. Sie hyperventiliert ihre Geschichte vom ersten Mal in Wacken eher als Poetry Slam denn als Lesung. Sie outet sich ungestraft als U2-Fan und wirft immens komische Blicke auf Metaller, wie: „Black Metaller sind so böse, die schlafen sogar schlecht“ und dergleichen unfassbar viel mehr. Davon gibt es auch einen Film im Internet, wie sie diesen Text performt, und dieser Film verschaffte ihr das Engagement, in Wacken zu lesen, berichtet Till.<br />
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An sich ist längst Schluss, aber die Gäste wollen natürlich eine Zugabe. Die bekommen sie auch von beiden, Till zuerst, dem es gelingt, Braunschweig und die umliegenden Städte treffend zu beschreiben, verunglimpfend zuvorderst, und damit bei den umsitzenden Zwerchfellen die letztmöglichen Lachsalven freizusetzen. Doch auch Annika soll noch einmal lesen. „Hab ich noch was metallisches?“, fragt sie besorgt und sucht in ihren Unterlagen. „Ich hab hier noch die Wegbeschreibung vom Riptide“, zeigt sie und wählt dann doch ein Gedicht mit einem völlig anderen Thema.<br />
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Bei der Hitze drängen sich nach der Show die Gäste an der Theke und ordern Getränke. Roland kommt ins Café, genau zum Ende der Vorstellung. Er kennt Annika vom Braunschweiger Poetry Slam. Gregor, der Annika für die Zeit ihres Aufenthalts in Braunschweig Unterkunft gibt, begrüßt Roland. Als der seine Haare ausschüttelt, sagt Gregor: „Du siehst aus wie Gaby Baginsky.&#8220;</p>
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Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></p>
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		<title>#20 Die Grenzen der Kontrolle</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 21:27:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cafe]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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Donnerstag, 11. Juni

Es ist Abend, was im Sommer erfreulicherweise bedeutet, dass es noch hell ist. Es ist auch warm genug, um draußen zu sitzen, was viele Gäste tun. André ist um diese späte Uhrzeit alleine hinter der Theke, aber bei weitem nicht alleine im Café.

Zu den vielen Gästen gehört auch Marcel, der ehemalige Praktikant Nummer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
<strong>Donnerstag, 11. Juni</strong><br />
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Es ist Abend, was im Sommer erfreulicherweise bedeutet, dass es noch hell ist. Es ist auch warm genug, um draußen zu sitzen, was viele Gäste tun. André ist um diese späte Uhrzeit alleine hinter der Theke, aber bei weitem nicht alleine im Café.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Zu den vielen Gästen gehört auch Marcel, der ehemalige Praktikant Nummer 5. Zu ihm an den Tresen gesellt sich Michael. Wolfsburg ist das Thema: Kann man ironiefrei sagen, dass man die Stadt mag? Das kulturelle Angebot scheint sich zu mausern, doch vom deutschen Fußballmeister ist Michael nicht so überzeugt. „Das ist wie mit der Eintracht“, glaubt er, „die werden nie wieder einen Titel schaffen und dann ihr Leben lang von dem einen reden.&#8220; Doch sei jeder Meister besser als die Bayern, abgesehen von 1860.<br />
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Marcel ist mit einer kleinen Gruppe von Freunden da und setzt sich an den Tisch mit dem Sofa. Den teilt sich die Gruppe mit einigen Gästinnen, die dort schon sitzen. Nach einer Weile entdecken sie das Kinderspiel mit dem Flugzeug, das im Spieleschrank des Cafés auf an sich viel jüngere Gäste wartet. Die spontane Spielegemeinschaft hat zumindest den ganzen Abend über Spaß an dem sich drehenden Plastikflugzeug. Immerzu hört man das Klackgeräusch, das ertönt, wenn das Flugzeug auf seiner Runde eine Spielstation erreicht. Dazu erschallt das laute Gelächter der Spieler.<br />
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Ermuntert von diesem Treiben, inspizieren zwei andere Gäste den Spieleschrank. Sie fördern ein Schachbrett inklusive Figuren zutage, tragen es nach draußen und dort hochkonzentriert Partie um Partie aus.<br />
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Für einen kurzen Augenblick kommt Chris ins Riptide. An sich hat er schon Feierabend, aber auch nur kurz: „Ich lege heute Abend noch auf.&#8220; Und weil die Zeit allmählich eng wird, verabschiedet er sich auch schon wieder.<br />
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Für Michael ist das aktuelle Kinogeschehen in Braunschweig ein wichtiges Thema. Seit das „City&#8220; geschlossen ist, bietet das „Cinemaxx&#8220; ein entsprechendes Programm unter dem Namen „Artmaxx&#8220; im eigenen Haus an. Viele Braunschweiger sind verwirrt und glauben nun, im „Artmax&#8220; mit nur einem X gäbe es jetzt ein Kino. Einer der letzten Filme, die Michael im „City&#8220; gesehen hat, war „The Fall&#8220; von Tarsem Singh. „Den kannte ich schon, den habe ich auf Blue Ray&#8220;, sagt er. Trotzdem wollte er ihn noch mal im Kino sehen. Im „City&#8220; angekündigt war noch „The Limits Of Control&#8220;, der neue Film von Jim Jarmusch, doch das „City&#8220; schloss knapp vor dem Filmstart. Jetzt hofft Michael, dass der wenigstens im „Artmaxx&#8220; laufen wird. Er bestellt bei André einen Kaffee.<br />
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<strong>Dienstag, 23. Juni (Sankt Hans)</strong><br />
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In Braunschweig machen die Geschäfte zu. Es ist nach 20 Uhr, warm und trocken, also ideal, seine Zeit draußen zu verbringen. Michael und Christian kommen gerade aus dem Riptide. Sie haben keine Zeit: „Wir wollen ins ‚Cinemaxx&#8216;, den neuen Jarmusch sehen&#8220;, sagt Michael. Wie angekündigt. Es war schon viel Schlechtes über den Film zu hören und zu lesen, aber davon lässt Michael sich nicht beirren. „Ich berichte, wie ich ihn finde&#8220;, sagt er und stürmt mit Christian los.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Auch fürs Riptide bedeutet diese Uhrzeit an einem Dienstag Ladenschluss. Ein Gast stöbert trotzdem noch in den Platten herum, André bereitet sich auf seinen Feierabend vor. Von Michaels Vorhaben, „The Limits Of Control“ zu gucken, hat er erfahren. „Den will ich auch noch sehen“, sagt André. Nicht zuletzt wegen der Musik von Boris, die den Score eingespielt haben.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Gestern hatten wir hier eine Ausstellungseröffnung&#8220;, erzählt er. Die Begleitparty hat lange gedauert: „Ich war erst spät zu Hause.&#8220; Tapas gab&#8217;s, berichtet er, zubereitet von der Künstlerin Celia selbst. Celia zeigt Gemälde und Zeichnungen, die über den Tischen und dem Sofa an den Wänden hängen. Sie sind farbenfroh und ernst. Genähte Kakteen stehen im Fenster, dem „Fernseher&#8220;. „Die sind auch von Celia&#8220;, sagt André. Eine genähte Puppe hängt sogar zwischen den Bildern.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Plötzlich stürmt Régine ins Café. Ihre Ausstellung ging gestern zu ende, sie hatte heute ihre Bilder abgeholt. Für den November plant sie eine weitere Lesung im Riptide und freut sich auch schon darauf. Noch mehr freut sie sich über die anstehenden Ferien: „Ich habe endlich alle Klausuren abgegeben.&#8220; Klingt nach Lehrerin. Sie verabschiedet sich und verschwindet in die Passage.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
André beginnt jetzt, die Klappschilder und Pflanzen ins Café zu holen. Bevor er die Drahtseile um die Tische und Stühle draußen schlingt, gönnt er sich eine Feierabendzigarette und ein passendes Getränk. Während er so sitzt, radeln und spazieren Leute vorbei, die ihm einen schönen Feierabend wünschen. Ein Paar trudelt ein. „Wir haben leider schon geschlossen&#8220;, sagt André. „Aber ihr könnt euch gerne noch die neue Ausstellung angucken.&#8220; Das Angebot nehmen sie an. Nach einer Weile kommen sie zurück und lesen den Infozettel in der Cafétür. „Aus Spanien kommt sie&#8220;, stellen sie fest. Sie unterhalten sich noch eine Weile mit André und wollen dann an einem Tag wiederkommen, an dem das Riptide auch nach 20 Uhr noch offiziell geöffnet hat. Das wird am Donnerstag sein. Inzwischen hat André aufgeraucht und ausgetrunken und alle Stühle zusammengeschlossen. Es ist Feierabend, weit nach 21 Uhr, es ist hell und warm und sieht ganz danach aus, dass dieser Abend noch etwas zu bieten hat.</span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></p>
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		<title>#19 Max Werners Hit</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 14:31:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cafe]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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In Braunschweig hat zwar inzwischen die Strandsaison begonnen, doch lädt das heutige Nieselwetter nicht gerade dazu ein, sein Frühstück draußen einzunehmen. Also setzt sich Katharina im Riptide an einen der Tische vor den großen Bildern von Régine Rius, die seit Samstag im Café ausgestellt sind. Von hier ist es auch sehr gemütlich, den Leuten draußen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
In Braunschweig hat zwar inzwischen die Strandsaison begonnen, doch lädt das heutige Nieselwetter nicht gerade dazu ein, sein Frühstück draußen einzunehmen. Also setzt sich Katharina im Riptide an einen der Tische vor den großen Bildern von Régine Rius, die seit Samstag im Café ausgestellt sind. Von hier ist es auch sehr gemütlich, den Leuten draußen dabei zuzusehen, wie sie bei Wind und Regen mit ihren Schirmen kämpfen. Man selbst hat es ja warm und kuschelig beleuchtet. Katharina schnappt sich die Frühstückskarte und beginnt zu lesen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
André ist so früh am Morgen noch alleine im Café. Er geht zunächst in die Küche und hält sich bereit, Katharinas Bestellung entgegenzunehmen. Sie liest und überlegt. „Schülerfrühstück&#8230;?“, entdeckt sie. Aus der Küche hört sie ein „nur gegen Ausweis!“ und grinst: „Die Ohren funktionieren aber gut?“ André kommt ebenfalls grinsend um die Ecke. Katharina hat sich noch nicht so richtig entschieden. „Das ‚Vegane Frühstück’, oder nein, lieber dieses hier“, sie zeigt auf die Karte, „oder das hier mit einem Brötchen weniger, ich hab schon zu Hause etwas gegessen vorhin?“ André hilft: „Ich kann dir zu dem ‚Veganen Frühstück’ auch einen Kaffee statt des Extra-Brötchens machen.“ Damit ist Katharina einverstanden.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Katharina kam vorhin wenige Minuten später ins Café, als sie vorhatte. „Aber wenn ich auf dem Weg jemanden treffe, nehme ich mir auch die Zeit, mich mit ihm zu unterhalten“, sagt sie. „Für mich ist das auch ein Stück Lebensqualität.“ Kein Stress in der Freizeit. Derweil bringt André ein Glas Orangensaft mit einer Zitronenscheibe am Rand und den Kaffee, kurze Zeit später auch den Rest vom „Veganen Frühstück“: Das Brötchen im Korb, auf dem Teller eine Physalis, Gurken und Tomaten, ein Glasschälchen mit Butter und eine Packung Tartex, pflanzliche Pastete. Während Katharina ihr Frühstück genießt, erzählt sie, dass sie ihr Wochenende in Erfurt auf einer Dialyse-Fortbildung verbringen wird. „Da war ich noch nie“, sagt sie. „Und Weimar ist in der Nähe, das wäre auch noch interessant, aber das schaffe ich nicht.“ Bevor sie losfährt, will sie aber ihre Familie noch mal bekochen, „Spargel schälen und so“, obwohl die das auch alles alleine hinbekämen. „Spargel will ich nur dann essen, wenn Saison ist“, meint sie entschieden. „Oder Rhabarber und Erdbeeren, man kann zwar auch alles einfrieren, aber der Körper braucht das jetzt.“ Ihre Kinder sind inzwischen schon keine mehr. Der Jüngste ist gerade 16 geworden und will auch nicht mehr jeden Urlaub mit seinen Eltern verbringen. Katharina kann das nur unterstützen. „Ich-Kompetenz stärken“, nennt sie das. Die große Schwester hat in den letzten Jahren nach der Schule immer in der Okercabana gejobbt, „dieses Jahr will sie das aber nicht mehr.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Mit dem Frühstück ist Katharina fertig. „Einen Kaffee hätte ich gerne noch“, bestellt sie bei André. Der bringt ihn ihr. „Kann ich hier mein Geburtstagsfrühstück auch wie ein Büffet bekommen, wenn ich mit Freundinnen herkomme?“, fragt sie ihn. „Ein Frühstücksbüffet hatten wir mal sonntags“, erzählt André. „Ich würde das aber gerne in der Woche machen“, meint Katharina. „Klar“, sagt André, „das kriegen wir hin, melde dich einfach rechtzeitig.“ Katharina muss jetzt auch los, sie ist mit ihrem Mann verabredet, sie wollen ihre Fahrräder zur Reparatur bringen. Sie dankt, grüßt und strömt in den Regen hinaus.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
„Wir machen beim nächsten ‚Butler’-Gutscheinheft mit“, erzählt André. „Ins eigentliche Heft haben wir es leider nicht geschafft, das kommt auch nur alle anderthalb Jahre einmal heraus.“ Jemand vom „Butler“ will diese Woche noch kommen. „Die machen Bilder und schreiben über uns, das ist mal interessant, wie andere einen sehen, die nehmen nämlich keine vorgefertigten Texte.“ Außerdem haben André und Chris jetzt noch mehr Hilfe im Café. „Kathi und Sina, wir haben jetzt zwei“, sagt André. „Die kommen zum Wochenende, Sonntag machen sie ganz alleine.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Mit der CD „Killer Klowns From Outer Space“ der Band Bloodsucking Zombies From Outer Space kommt Jörg an den Tresen. „Die machen so Psychobilly-Rockabilly“, erklärt er. „Ich hab im Internet von denen gelesen, aus Zeitgründen kaufe ich die jetzt blind.“ Er fragt André nach T-Shirts von Social Distortion. „In der Mitte zwischen den CDs liegt ein Katalog, hast du da schon mal geguckt?“, fragt André. Jörg schnappt sich den Katalog. „Ich gucke solange mal im Netz, was die da noch haben“, sagt André. Doch für Jörg ist nichts dabei, was er nicht schon hat. „Das Shirt mit dem Skelett und dem Cocktailglas habe ich“, sagt er. „Ansonsten kann ich dir noch Uhren anbieten“, stellt André lachend mit Blick auf den Monitor fest. „Social Distortion höre ich jetzt seit einem Jahr“, erzählt Jörg. „Der Sänger von den Elvis-Metallern Volbeat aus Dänemark hat so ein monstermäßiges Tattoo von denen, da hab ich dann mal reingehört und dann alles von denen zusammengesammelt.“ Über Mailorder zumeist. „EMP oder Ragewear, die habe ich gestern durch Zufall gefunden, die haben Creepshow, The Bones, Rockabilly, so diese Schiene, auch Peter Pan Speedrock.“ Die ja kürzlich erst im Roten Korsaren gespielt haben. „Da habe ich sie verpasst“, bedauert Jörg. „Die gehen gut nach vorne los.“ Das T-Shirt-Programm von Ragewear findet er gut, „von Hardcore bis zum totalen Getrümmer ist alles vertreten.“ Die T-Shirts, die im Riptide unter der Decke hängen, gefallen ihm aber auch. Er zeigt auf das Terrorizer-Shirt: „Das sind Mitglieder von Morbid Angel und Napalm Death, das Debüt ‚World Downfall’ ist eine wegweisende Death-Grind-Platte“, sagt er. „Die haben gesagt, dass die das in drei Tagen eingespielt haben, das hört man nicht, das ist punktgenau, ein Geblaste!“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Er selbst war auch mal in einer Band, „bei Dormant Misery, bis 1996, 1997 ungefähr.“ Dort hat er Schlagzeug gespielt, „aber das mache ich seitdem auch gar nicht mehr.“ Auch aus Zeitgründen. Hier im Laden ist er heute nur zufällig. „Ich habe um die Ecke geparkt und im Vorbeigehen durchs Fenster die Platten gesehen, ich bin heute völlig zum ersten Mal hier.“ Im Comicladen nebenan sei früher auch schon einmal ein An-und-Verkauf-Plattenladen gewesen, sagt Jörg. „Da hab ich mal kurz gearbeitet, aber ich habe den Namen vergessen.“ Gelernt hat er bei Mediamarkt, Verkäufer. „Das war von 1989 bis 1992, also zur Umbruchzeit vom Vinyl auf CD“, erzählt er. „Da hatte jede Sparte ihren eigenen Verkäufer, ich war für Metal zuständig, dann gab’s Punk, Rock, Jazz – so etwas gibt’s ja heute gar nicht mehr, da kümmert sich einer um alles.“ Er selbst ist heute Filialleiter in einem Computer-Laden in Salzgitter, deshalb habe er heutzutage so wenig Zeit, auch zum Musikhören. „Ich gehe lieber mit dem Hund in den Wald, egal, ob bei Regen oder Schnee, ohne Musik, da kommt keine Beschallung auf die Ohren“, sagt er. Und muss auch schon wieder los, hinaus in den Regen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Chris kommt ins Riptide, grüßt und setzt sich sofort an seinen Platz am Computer. Er und André tauschen einige wichtige Informationen aus, über eingetroffene Bestellungen für Kunden. Anschließend erzählt André vom Kraftwerk-Konzert im Kraftwerk in Wolfsburg. „Ich war ja noch nie in der Autostadt“, sagt er. „Wir sind da durch diese künstliche Stadt geführt worden, über einen Steg ins alte Kraftwerk, das war ein tolles Ambiente, die haben die alten Maschinen beleuchtet und so.“ Die Band selbst stand auf einer kleinen Bühne, die Zuschauer saßen auf einer Tribüne. „Bei Kraftwerk ist ja nur noch ein Originalmitglied dabei, drei andere standen da noch herum, wahrscheinlich, damit es von der Anzahl her passt“, sagt André schelmisch grinsend. „Die Musik kam natürlich sowieso vom Band, aber egal, es war gut, und nach der Hälfte haben sie 3D-Brillen verteilt, da kamen die Buchstaben auf einen zugeflogen.“<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Andreas kommt an den Tresen und legt André zwei CDs vor, „24 Hour Revenge Therapy“ von Jawbreaker und „No Division“ von Hot Water Music. „Das ist Punk, schon alt, 1994“, sagt er über Jawbreaker. „Da hast du dir eine ihrer besten herausgesucht“, findet André. Andreas hat noch einen weiteren Wunsch: „Gutscheine, verkauft ihr so was auch?“ André bestätigt das und holt einen hervor. „Ich zeig dir mal, wie das aussieht, den kannst du umgestalten, der ist ganz schlicht, ich schreibe hier den Betrag rein.“ André zeigt das. „Der- oder diejenige weiß, wo der Laden ist?“, vergewissert er sich. Andreas nickt. „Davon gehe ich aus, wenn nicht, sag ich’s.“ André reicht Andreas die CDs und den Gutschein. „Eine Tüte dazu?“ Andreas nickt erneut. „Ja, das wäre nett.“ Er nimmt dankend die Tüte entgegen und lässt sich anschließend draußen nassregnen.<br />
<span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Von dort kommt Rainer ins Café und liefert mit einer Sackkarre Getränkekisten aus, unter anderem Bionade und Schöfferhofer Weizen. „Hast du kein Leergut?“, fragt er André. „Doch, hab ich“, sagt der. „Versteckt, hm?“, mutmaßt Rainer. „Ich bring dir gleich den Rest“, ruft er und geht zurück in den Regen. André sagt: „Bionade Quitte gibt’s leider noch nicht im Großhandel, genau wie Schöfferhofer Weizen Kaktusfeige.&#8220; Rainer kommt zurück. „Vorhin war es nur Niesel, aber jetzt regnet es richtig“, stellt er fest. „Das wird bald aufhören, ich hab Vertrauen in die Wettervorhersage.“ André unterschreibt den Lieferschein. „Dabei habe ich gar nichts gegen Regen“, sagt Rainer, „von abends 22 Uhr bis morgens um fünf!“ Er lacht, schnappt sich Klemmbrett und Sackkarre und geht wieder zurück in den Mairegen.<br />
</span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><span style="font-family: Arial; color: #000000;"><br />
Matze (van Bauseneick)<br />
<a href="http://www.vanbauseneick.de/" target="_blank">www.krautnick.de</a></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p>
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