#224 Der Donnerstagsmokkabärclub

Donnerstag, 28. Mai 2026

Wo ist denn der Mai schon wieder abgeblieben?! Eben war doch noch das DGB-Fest am FBZ, äh: hinter der VW-Halle, wo nach Wochen der Kälte plötzlich das für den 1. Mai übliche Lümmeln auf der Festwiese möglich war, während sozialdemokratische, antifaschistische und kulturpolitische Themen zu besprechen sowie thailändische Zucchinipuffer und haitianische Bananenfladen zu genießen waren. Als hätte sich der Frühling überlegt, uns eigens für den Arbeiterkampftag dieses kleine Wettergeschenk zu machen, kühlte er hernach auch gleich wieder ab.

Dann der nächste Feiertag: Üblicherweise verbringe ich Himmelfahrt mit meinem Patenkind, sie ist jetzt 13 Jahre alt, bei diversen Outdoor-Aktivitäten, mit denen sie meine Unsportlichkeit herausfordert, sehr zu meinem Vergnügen nebenbei, daher passte es trefflich, dass sie sich für dieses Jahr Pixel ausgesucht hatte, das Echtleben-Computerspiel in der Black Mission Area am Bahnhof, bei dem man wie von der Tarantel geküsst in einem Raum auf blinkenden Quadraten herumjagen muss, denn damit waren wir witterungs- und temperaturunabhängig. Weniger hingegen meine Bonner Familie, die am Folgetag in Armeestärke über Braunschweig einfiel und es eigentlich aus den Vorjahren gewohnt war, in der Löwenstadt vor dem Riptide, im Park oder in der Grinsekatz herumlümmeln zu können, aber unsere inneren Thermostate waren auf das feuchtkalte Wetter nicht vorbereitet, also empfahl sich uns der Küchentisch als bessere Aufhalteoption, inklusive Bundesligakonferenz und ESC live auf dem Tablet. Weniger Freude miteinander hatten wir deshalb jedenfalls nicht, und Zeit beim Riptide auf dem Magnikirchplatz mit einer Runde Skyjo und Enkelbespaßung hatten wir ja trotzdem, das lassen wir uns nicht nehmen.

Dann kam zu Pfingsten das nächste Aufwärmen, gottlob verbrachten Andrea und ich das Wochenende – Heinz Strunk folgend – in Niendorf an der Ostsee, oder, wie es über der Seebrücke gespannt stand: NIENDORF/O, was sogar ungefähr dem Gefühl entsprach, das sich einstellte, sobald wir den Balkon betraten und auf die Lübecker Bucht blickten, die zu jeder Stunde eindrucksvoll aussah, quasi mit direktem Blick auf Neustadt, den Leuchtturm von Pelzerhaken und die Promenade von Grömitz und, in der Dämmerung, auch auf das Riesenrad La Noria Gigante, das sein violettpinkes Licht übers Meer sandte, was mich nun alles nämlich an meine Reisen nach Ligurien erinnerte, wo man auch von überall aus das gegenüberliegende Ufer der Meeresbuchten sehen konnte; Niendorfo, das Genova Quinto Al Mare der Lübecker Bucht. Und Grömitz, nicht Görlitz, wie mir immer als erstes auf den Lippen liegt, przepraszam.

Es folgte der vorgestrige Dienstag, der mich mit seinen über 30 Grad dazu zwang, gemessenen Schrittes die Distanz zwischen Frankfurter Platz und Hermanns zurückzulegen. Und Pausen einzulegen, naja: hätte ich sowieso. Denn ich wollte, nachdem ich bei Graff geschäftlich zu tun hatte, endlich den Architekturpavillon in Augenschein nehmen, der jetzt vor der Burg steht und die internettypischen Schmähkommentare generierte. Mir gefällt die Aktion, ganz gleich, wie der Pavillon aussieht: Es passiert etwas und er verknüpft Menschen. Zu den Füßen der Treppen, die das Dach des Pavillons bilden, bereiteten sich zwei Menschen auf die abendliche Aktion vor, das Singen der Menschen, die nicht singen können. Soundcheckend spielte sich ein Keyboarder fließend ineinander übergehend durch das Repertoire von Udo Jürgens und Abba. Ich war hingerissen. Mit der Sonne im Rücken erklomm ich die 38 Treppenstufen und traf oben auf den nächsten Udo und seine Gattin. Wir kennen uns aus dem MokkaBär und wohnen im selben Viertel, was sich einen Tag später ebendort bemerkbar machen würde, als wir uns nämlich an der Fußgängerampel begegneten, er mit einem frisch aus der Büchertauschtelefonzelle auf dem Frankfurter Platz mitgenommenen neuen Band der Reihe „Der Donnerstagsmordclub“ von Richard Osman für seine Frau in der Hand, und er mir erzählte, dass er jener Udo sei, der vor zehn Jahren im Riptide die Ausstellung mit Krautrock-Plattencovern bestückt hatte. So wird nun endlich aus einem Namen ein Gesicht! Braunschweig ist so angenehm klein. Jedenfalls sprach ich den den Pavillon beaufsichtigenden Mitarbeiter auf den Internet-Unmut an und er bestätigte mir, dass die Resonanz im echten Leben komplett gegensätzlich sei. Was ein Glück! Die nächste geplante Zwischenstation war das Eiscafé De Pellegrin am Hagenmarkt, etwas Zimt und Zitrone-Basilikum auf die Faust, und weiter zum Hermanns, draußen m Kreise meines 32 Jahre alten ersten Stammtischs das gezapfte Jever und den Burger verköstigen.

Das mit dem zufälligen Informationsaustausch im Westlichen hatten Andrea und ich kurz davor bei Rewe, als wir in den Gängen den Theaterregisseur und -dramaturgen Christian trafen, der das Theaterproduktionskollektiv xweiss betreut und Mitglied im Vorstand des DFDK ist, des Dachverbands freie darstellende Künste in Braunschweig, der soeben das frühere LOT-Theater in der Kaffeetwete wieder in Betrieb nahm, unter dem Interimsnamen Hammer!. Zuletzt war er mir mit zwei Aktivitäten ins Auge getreten, die mit dem Riptide in Verbindung standen, und zwar mit der Stickeralbum-Aktion „Fritz Bauer Ultras“ vor zwei Jahren sowie dem Audiowalk „Es passiert was.“ im vergangenen Jahr, den ich allerdings verpasste. Er stellte uns aber in Aussicht, dass für dieses Jahr eine Fortsetzung dieser Aktion angedacht sei: Ab 1. Juli steht der Audiowalk „Deutsches Haus“ zur Verfügung, Thema ist abermals der antifaschistische Jurist Fritz Bauer.

Heute ist es wieder kühler, aber weiterhin sonnig, und die Kombi gefällt mir ausgezeichnet. Mit Zipper überm T-Shirt lässt es sich wunderbar draußen sitzen, und das haben wir mit dem MokkaBär-Stammtisch heute vor, endlich wieder, nach all dem Schmuddelwetter. Nach unserer Schlenderei durch die Stadt trennen Olli und ich uns temporär, er schlägt schon mal den Weg ins Riptide ein, ich den zur Kaffee-Zeremonie, starke Bohnen einholen, und direkt nach Gegenüber – einen fürs Riptide neuen Nachbarn kennenlernen.

Irgendwie wirkt der Eingang zum Friedrich der II., Am Magnitor 5, leicht versteckt, dabei ist er das gar nicht. Nur ist das Fachwerkgebäude so schmal, dass ich immer den Eindruck hatte, der Eingang gehöre zu einem der Nachbargebäude. „Anno 1973“ steht über dem grünen Schriftzug mit dem Namen des Etablissements, und nachdem ich zwei Glastüren passiere, treffe ich direkt auf Sven, der das Restaurant leitet. „Wo wollen wir uns hinsetzen?“, fragt er. Wo es schön ist, sage ich, und er entgegnet: „Hier ist es überall schön.“ Das trifft zu: Dem Eingang folgt ein Barbereich mit einem riesengroßen Weinfass, hinter dem sich wie in einer übergroßen kuscheligen Nische der Restaurantbereich befindet, gemütlich eingerichtet, mit Büchern und Holz, Pflanzen von der Decke, warmem Licht. Hier bleibt Sven aber nicht stehen, sondern lotst mich weiter, durch einen langen Gang, an den sich der Küchenbereich anschließt, wo mich freundliche Menschen begrüßen, die ihren Tätigkeiten nachgehen, und noch weiter, denn am Ende des Ganges öffnet sich ein Innenhof, der Kastaniengarten, wie Sven ihn nennt. Mit Recht, denn eine riesengroße Kastanie wurzelt inmitten dieses Hofes, gesäumt von Tischen und Stühlen, die von Gästen besetzt sind. Ein einzelner Sonnenschirm begleitet den Baum in der Aufgabe, Schatten zu spenden. Definitiv: Hier ist es überall schön. „Es ist ein Aha-Effekt, wenn man sich traut, hier reinzughehen“, weiß Sven.

Mit seinen Berichten beginnt Sven mit dem Anfang, wie es sich gehört, und der liegt zeitlich ungefähr identisch mit dem Umzug des Riptide ins Magniviertel: „Am 19. Juni feiern wir unser Sechsjähriges, wir sind auch seit sechs Jahren hier“, sagt er. Als Sven und sein Sohn Johannes damals beabsichtigten, den Laden zu übernehmen, und sich während der Umbauarbeiten vor dem Eingang positionierten, hörten sie von Flanierenden immerzu den erfreuten Ausruf: „Oh, das Friedrich öffnet wieder!“ Deshalb entschieden sie sich dazu, den vertrauten Namen beizubehalten und mit einem Index zu versehen, also: Friedrich der II., „nicht wegen des Preußenkönigs“, wie er betont.

Für Sven ist der Charakter des Friedrich der II. klar: „Ein verlängertes Wohnzimmer, komm, wie du bist, hab eine schöne Zeit.“ Er betont: „Wenn du diesen Raum nutzen willst, musst du jeden Menschen bedienen und alle Vorlieben erkennen und alles anbieten.“ Was ambitioniert klingt, bedeutet für ihn im Klartext: „Vegan, vegetarisch, laktosefrei, Histaminunverträglichkeiten können wir bedienen, und Glutenunverträglichkeiten – da kannst du keine halben Sachen machen.“ Denn sobald jemand mit Zöliakie zu Gast sei, müsse für ihn jeder Mixer, jede Schüssel gereinigt werden, selbst „mehlstäube in der Küche“ könnten da schon zu bedrohlichen Reaktionen führen. Deswegen verlegte sich Sven auf ebenjene Bevölkerungsgruppe, „um Menschen mit Zöliakie ein sorgenfreies Essen zu bieten“. Heißt: „Kuchen, Speisen, Desserts sind alle glutenfrei.“ Was ja keinen Nachteil für alle anderen hat: „Menschen, die es nicht brauchen, merken es gar nicht.“ Deswegen wirbt er damit auch nicht, um niemanden zu verunsichern – vergleichbar mit Veganismus, der Fleischessende abschrecken kann, obwohl er ja niemandem einen Schaden zufügt. Sven zuckt mit den Schultern: „Wir bieten alles normal an, wie ein Restaurant – Schnitzel, Spargel, Pommes, Burger, wir setzen auf Frische und Regionalität.“ Und: „Wir kochen immer auf der Grundlage von vegan, da kann man immer etwas Anderes draus machen.“ Mit Erfolg, denn die Gäste kommen wieder: „Einmal Friedrich, immer Friedrich“, strahlt Sven.

Das Vorgänger-Friedrich begann laut Sven als Weinlokal, das sich zum Speiselokal mit deutscher Küche wandelte, „mit Sauerfleisch, Bratkartoffeln, Mummebraten“. Was ihn auf eine weitere Besonderheit des Friedrich der II. bringt: „Wir sind das einzige Lokal in Braunschweig, das Brunswiek Mumme vom Fass anbietet!“ Dies geschehe in Zusammenarbeit mit Nachtwächter Thomas Ostwald und Mummewirt Andreas Beinhorn, die National-Jürgens-Brauerei braut das Mummebier dazu.

Veranstaltungen richtet das Friedrich der II. ebenfalls aus, etwa jüngst eine Achtziger-Neunziger-Party oder eben die Geburtstagsfeier am 19. Juni, „das wird eine Party mit DJ draußen“, kündigt Sven an. Demnächst gebe es eine Aktion mit Gyros im Fladenbrot und Backschinken im Brötchen, „glutenfrei“, und „wir hatten Angrillen im Garten“, im zweiten Halbjahr kommt noch die Flammlachs-Aktion „und solche Sachen, nach und nach“. Singer-Songwriter Martin Krohner trat hier ebenfalls bereits auf.

Zum Riptide hat Sven es erst einmal geschafft, „ich war zum Whiskeytasting da“, aber ansonsten gilt für ihn wie für alle aus dem Kollegenkreis: „Es ist für Gastronomen schwer, woanders hinzugehen.“ Schließlich ist er nicht nur während der Öffnungszeiten von Mittwoch bis Sonntag für das Friedrich der II. eingespannt. Gastronom war Sven übrigens nicht immer: Der gelernte Koch arbeitete die zurückliegenden 25 Jahre lang in der Industrie, allerdings nicht als Koch, nachdem er zuvor „viel auf Jugendfreizeiten gekocht“ hatte. Das Friedrich der II. betreute er zunächst „zweigleisig“, bis sein Sohn im vergangenen Jahr aufhörte, dann merkte er: „Das geht nicht“, quittierte den Hauptjob und widmete sich vollends dem Friedrich der II. Er strahlt: „Ich liebe den Laden hier!“ Und das merkt man.

Sven und ich verabschieden uns, für mich wird es Zeit, mich zu meiner Bezugsgruppe zu gesellen. Die Gesellen sitzen bereits draußen in direkter Nachbarschaft zum Mobiliar von Barnabys Blues Bar, es ist wieder so schön, alle Gastronomen rücken ihre Tische und Stühle heraus, die Menschen belegen sie sofort, aber nicht so flächendeckend, dass der Wochenmarkt nicht noch Platz finden würde. Ringsum werfen Bäume ihr impressionistisches Schattenspiel auf Platz und Menschen, Sonnenschirme füllen die Schattenlücken zwischen den Bäumen, die Magnikirche ist noch von er Sonne beleuchtet, als wollte sie ein Zeichen setzen, man ist bereits entspannt, wenn man sich nur hinsetzt. Stefan, Henning, Uwe und Olli sind schon da, eng um den runden Tisch gerückt, mit Getränken vor sich, und als Dominik meine Bestellung aufnimmt, entscheidet er, einfach den Nachbartisch noch mit dazuzustellen, und wir sind ihm dankbar. Denn als nächstes setzt sich Ute zu uns, die hätte sonst damit Schwierigkeiten gehabt. Aus Richtung von Simones Seifenmanufaktur rückt eine ellenlange Schlange Touristen an, bleibt mit Führendem vor der Kirche stehen und ist bereit, Wissenswertes zu erlangen. Aus der Gegenrichtung schlendert Gabriele um die Sitzmöbel der Nachbargastronomen und die Marktbuden herum, ihrem Dackel Rudi so dicht auf den Fersen, wie es bei dem flinken Stromer möglich ist. Kurz, bevor Rudi den Touristenbegleiter erreicht, ruft Ute: „Ja, fass!“ Hört er natürlich nicht. Als nächstes setzt sich Stoni zu uns, als übernächstes rückt die zweite Ute in die verbliebene Lücke am Tisch, direkt zwischen der ersten Ute und Olli.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Chris heute nach dem erfolgreichen Ausgang der Unterstützungsaktion für das Riptide zu befragen, doch sehe ich ihn eben lediglich von hinten, als er seinen verdienten Feierabend an- und auf die Straße tritt. Nächstes Mal. Stoni bestellt Pommes bei Dominik und fragt uns dann: „Habt ihr die neue Scheibe von den Stones schon gehört?“ Kopfschütteln allenthalben. „Klingt wie ‚Start Me Up‘“, befindet er. Stefan lacht: „Das letzte Mal, dass die Stones was Neues gemacht haben, war vor 50 Jahren, und das war ‚Start Me Up‘!“ Henning ist entrüstet: „30 Jahre, übertreib nicht so!“ In unser Lachen stimmt Rudi kläffend ein, der auf seiner Runde mittlerweile den Eingang des Riptide erreichte und nun bei Dominik um seine alltägliche Leckerliration bettelt. Erfolgreich, versteht sich.

Die Zeit vergeht, wir nehmen das nicht mal wahr. Längst sind die Marktbuden verschwunden, Kinder nutzen die freigewordene Fläche, um Fußball zu spielen. Attraktiver als der, der im nächsten Monat zu befürchten sein wird, schätze ich mal. Über dem Platz ziehen die Mauersegler wieder kreischend ihre Runden, die sind seit dem Übergang zum Mai wieder in Braunschweig. Die mit ihnen nicht einmal verwandten Schwalben hab ich in Riddagshausen schon etwas vorher wahrgenommen, in Niendorfo schwirrten sie ebenfalls um unseren Balkon herum. Die Sonne steht tiefer, dennoch erreicht sie die goldenen Flüssigkeiten, die die Menschen mit den in den Himmel gereckten Tabletts ringsum zu den Tischen bringen, und lässt sie hell und verlockend strahlen.

Stefan berichtet davon, dass er plant, sich abermals von einigen Büchern und Comics seiner Sammlung zu trennen. Üblicherweise erfolgt dies, indem er sie in die Büchertauschtelefonzelle am Franky deponiert und beobachtet, dass seine Exemplare stets nach kürzester Zeit verschwunden sind. Er selbst hat sich noch nie etwas daraus mitgenommen, ich schon, zuletzt – wenn mich nicht alles täuscht – war es vor einigen Wochen „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ von Roddy Doyle, dem Erfinder der „Commitments“. Und ich berichte ihm von Udo, der mir ja gestern den „Donnerstagsmordclub“ zeigte. Stefan stutzt und sagt: „Den hab ich da reingetan – gestern.“ Hat schon mal irgendwer erwähnt, dass Braunschweig eine Erbse ist?

„Ist eigentlich Buskers am Wochenende?“, wirft die zweite Ute in die Runde. Olli fragte mich das vorhin auch schon, ich weiß das nie, aber er und Uwe sind überzeugt, dass das zutrifft. Olli schwärmt von einer Band, die er auf einer früheren Ausgabe dieses Straßenmusikfestivals entdeckt und kurz darauf in der Grinsekatz erneut gesehen hatte: Super Cumbia y la Liga de la Alegría heißen die, Cumbia ist auch das Genre, das sie bedienen, und „sie treten in Superheldenkostümen auf“, erzählt Olli, „die sind witzig, gutgelaunte Musiker, unübertroffen“. Dazu fällt Uwe die Geschichte von einer Band ein, die in Braunschweig spielte, bei der die Musiker alle in Gummistiefeln und der Sänger in Frauenkleidern auftraten; den Namen vergaß er, vermutlich meint er Egon & die Treckerfahrer, die in zwei Wochen auch beim Tag der Niedersachsen spielen werden, ebenso wie Die Müller-Verschwörung, auf die ich mich schon freue. Jedenfalls berichtete man dieser Band, dass an jenem Tag in Braunschweig die Kulturnacht stattfände, was die Musiker dazu nutzten, um jene zu kapern, indem sie einfach irgendwo in der Stadt spielten, ohne das Programm überhaupt zu kennen. Uwe lacht: „Das war das Beste an dem Abend!“

Unsere Reihen lichten sich dezent, Stefan ist der erste, der geht, Henning und die erste Ute folgen ihm, wir anderen sind noch nicht bereit, den angesichts morgiger früher Weckerzeiten überfälligen Feierabend einzuläuten. Den anderen Gästen geht es ebenso, ringsum schnasseln und schnacken die Leute noch intensiv. Es wird Zeit, die mitgeschleppten Jacken und Zipper überzuziehen, eine leichte Kühle weht über den Platz, was uns nicht daran hindert, weiter zu verweilen. So ist es schön. Wir versinken in Gesprächen, das Licht bekommt eine pastellige Anmutung, trotz und vermutlich auch genau wegen aller bewegender Inhalte macht diese Zusammenkunft glücklich. Und doch, Olli ist der erste, der anmerkt, dass er nach Hause muss, und so folgen wir ihm zögerlich. Olli und ich lassen uns noch drinnen von Dennis je einen Turmgeist auf Hardy ausschenken, dann reiten wir in den Sonnenuntergang. Nicht mehr lang, dann werden die Tage wieder kürzer, das müssen wir einfach auskosten, und wo, wenn nicht vor dem Riptide.

Matthias Bosenick

www.krautnick.de
Fakebook
www.rille-elf.de

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