#12 Der unschuldige Landstreicher

17. Oktober 2008


Es ist grau, nass und kalt an diesem Donnerstag, der Sommer ist endgültig vorbei. In den wenigen Regenpausen sitzen dennoch immer wieder Gäste draußen, unter dem Schirm, um mehr oder weniger genüsslich zu rauchen. Heute Abend tritt Nagel im Riptide auf, aber noch sitzt Chris wie gewohnt an den Verwaltungsarbeiten und André erzählt derweil, dass das Café Riptide erneut im Fernsehen zu sehen war, und zwar auf 3Sat. „Amitav Gosh, ein indischer Schriftsteller, war gerade auf Lesereise in Deutschland, mit seinem neuen Bush über Opiumhandel in Afghanistan, Indien und anderen Ländern“, sagt André. Das Buch heißt „Das mohnrote Meer“, gelesen hatte Gosh bei Graff. „Der hat in Indien vom Riptide gehört und dachte, na ja, bin ich schon mal in Deutschland…“, scherzt André, und berichtigt: „Einer aus dem Filmteam war schon mal hier, da haben die gefragt, ob es möglich ist, hier ein Interview mit Gosh zu filmen, klar war das möglich, und dann haben sie ihn hier eine halbe Stunde interviewt.“ Zu sehen waren die Interview-Ausschnitte auf 3Sat „Kulturzeit“. „Man konnte immerhin unsere Tapete erkennen“, sagt André. „Und einer aus dem Filmteam hat auch eine Platte gekauft.“

Die Wikinger-Metaller Amon Amarth haben es Lukas angetan. „Die CD ‚Twilight Of The Thunder God’ hatten wir mal hier, die ist aber ausverkauft“, sagt André. Auch die Spezialversion mit den Bandmitgliedern als Spielzeugfiguren gab es im Riptide, aber an der ist Lukas nicht interessiert, ihm reicht die normale Doppel-CD mit DVD. Er wolle auch nur mal reinhören, er habe ein Video von denen irgendwo gesehen. „Das sieht aus wie eine Wikinger-Dokumentation auf N24 – alles Laiendarsteller, die auf Wikinger machen, aber gedreht mit vernünftigen Kameras“, sagt Lukas. Er sucht im CD-Fach nach einem bestimmten Cover und fragt: „Wusstet ihr, dass As I Lie Dying und Evergreen Terrace Christ Core sind?“ Wusste niemand. „Der Gitarrist von As I Lie Dying spielt auch in der Kirche seine E-Gitarre“, sagt Lukas und präsentiert, was er suchte: Die ANTiSEEN-CD „Screamin Body Live“ mit dem Reichsadler auf dem Cover, der das Redneck-Zeichen statt des Hakenkreuzes hat.

Derweil packt André eine Kiste mit LPs aus, unter anderem das vorletzte Album von Okkervil River, „The Stage Names“, mit der aus dem Wasser ragenden Hand auf dem Cover. „Das ergibt mit dem neuen Cover ein Bild“, sagt André. Auf „The Stand Ins“ nämlich ist ein vornüber liegendes Skelett mit hoch gerecktem Arm zu sehen, das man passend unter das Vorgängeralbum halten kann. Die beiden LPs ergeben ohnehin ein Gesamtwerk. „Les Savy Fav haben das mal mit neun Singles gemacht“, sagt André. „Das ist wie Lustige Taschenbücher“, meint Lukas, „Gimmicks für Große.“

Lukas ist 19 und ist für sich selber zu dem Schluss gekommen, dass er ein Leben ohne zu viel Technik führen will. Er hat keinen mp3-Player mehr, „mein Handy habe ich sogar kaputt gemacht, Myspace wird auch noch gelöscht.“ Er vermisse nichts. „Letztens bin ich mit dem Fahrrad unterwegs gewesen und dachte: Das Lied hören wäre jetzt cool; ich hab’s aber nicht bereut.“ Das Festnetz reiche ihm auch, „man muss nicht erreichbar sein.“ Er fühle sich ohnehin nicht verpflichtet, ans Telefon zu gehen, wenn es klingelt. Lukas präsentiert sein Notizbuch mit Adressheft und Telefonkarte darin. „Die habe ich aber noch nie benutzt“, sagt er. Außerdem trinke er auch seit fast zwei Jahren keinen Alkohol mehr und beteuert: „Ich vermisse nichts.“

Aus dem trüben, ungemütlichen Herbstnachmittag kommt Stephan vom Nexus ins warme Riptide. „Einen Drei-Bohnen-Kaffee“ bestellt er, wie immer. Während er auf seine Verabredung wartet, erzählt er davon, wie Clubs ihre guten DJs vergraulen, wenn sie von ihnen erwarten, dass ihr Programm mainstreamiger wird. „Lasst ihn doch machen, wie er will, die Leute kommen doch, weil das Bier billig ist“, grinst er.

„Habt ihr ernsthaft vegetarische Currywurst?“, staunt Nagel, die Speisekarte lesend. „Und Hotdogs mit Sauerkraut?“ André grinst: „Kennst du so was nicht?“ Nein, sagt Nagel, „als Vegetarier kenne ich mich mit Hotdogs nicht aus.“ Auf die Currywurst wolle er aber noch zurückkommen. Nagel setzt sich an sein Notebook und bereitet seinen Auftritt vor. Nagel kommt aus Münster, wohnt in Berlin und ist Sänger und Gitarrist bei der Band Muff Potter, die sich nach einer Figur aus „Die Abenteuer von Tom Sawyer“ von Mark Twain benannt hat. „Man kennt sich aus der Hardcore-Szene, jahrelang ist man sich auf Konzerten über den Weg gelaufen“, sagt er darüber, wie er ins Riptide kam. „Chris meinte, er mache auch Veranstaltungen im Laden, und ich war gerade auf Lesetour und habe dem Booker gesagt: Lass uns das dort machen – einfacher kann es gar nicht gehen“, sagt er. „Es ist oft so, dass man Leuten aus der Hardcore- und Punk-Szene, die man jahrelang nicht gesehen hat, plötzlich wieder über den Weg läuft – man trifft erstaunlich viele wieder, die alle ihr Ding durchgezogen haben, die machen Film, Musik oder eben ein Café“, sagt Nagel und grinst: „Die sind alle über 30 und werden nostalgisch.“

Für den Abend kündigt er „ein anarchisches Durcheinander von allem, was ich an Output habe“ an und zählt auf: „Ausschnitte aus meinem Buch ‚Wo die wilden Maden graben’, neue Texte, Songs auf der Akustikgitarre, bescheuerte jpgs, die ich an die Wand werfe, plus X – vielleicht ufert der Rest des Abends in sinnfreies Gesabbel aus.“ Der Vorteil, einmal nicht mit der Band unterwegs zu sein, sei, dass man sich mit niemandem absprechen müsse, sagt Nagel. „Ich kann im Zug noch mein Programm ändern und auf der Bühne schneller auf das Publikum reagieren.“ Das Riptide gefalle ihm. „Es ist ganz schön hier, nicht nur wegen der vegetarischen Currywurst, sondern“ – er macht eine Pause – „ich habe mir wahrscheinlich schon für die Hälfte meiner Gage Platten ausgesucht.“

Inzwischen läuft das Album „100 Days, 100 Nights“ von Sharon Jones & The Dap Kings. „Das ist moderner Soul“, schwärmt Chris. „Alles auf alt gemacht, auch das Cover, schlägt aber ganz aktuell hohe Wellen.“ Und ergänzt: „Die Backing-Band, The Dap Kings, ist die Backing-Band von Amy Winehouse – Nerd-Wissen.“ Er grinst. „Die ist brillant, die Dame!“

Draußen unterhalten sich Serge vom Antiquitäten-Laden nebenan und Régine, die raucht. Nach einer Weile kommt Régine ins Café. „Das ist mehr als nur Herbst“, sagt sie fröstelnd und legt ihre Handschuhe auf den runden Tisch, neben ihr knallgrünes Zigarettentäschchen. „Der Sommer ist vorbei.“ Sie spricht André auf einen Termin für ihre Kunstausstellung im Riptide an. „Ich male in Öl“, sagt sie. „Ich mache aber auch Lesungen mit Musik, seit mehr als 20 Jahren schon.“ Am 15. November hat sie eine Lesung über Serge Gainsbourg in der Haifischbar. Sie beginnt zu erzählen. Régine ist Französin, kommt aus Toulouse und ist über den Umweg Paris-Berlin in Braunschweig gelandet. „Toulouse ist die viertgrößte Stadt in Frankreich, da kommen viele Künstler her, zum Beispiel Manu Chao“, sagt sie. Viele spanische Flüchtlinge seien während der Franco-Zeit in Frankreich eingewandert und sesshaft geworden. „Manu Chao ist spanischer Abstammung – so wie ich“, sagt sie. „Toulouse ist eine sehr große, künstlerische Stadt.“ Sie erzählt von Sänger Art Mengo, der ebenfalls spanischer Franzose ist. „Damals haben die spanischen Flüchtlinge immer ‚Burro’ gespielt, ein Kartenspiel. Ich war zehn, der Großvater von Art Mengo war mit meinem Großvater befreundet.“ So habe sie als Kind Art Mengo kennen gelernt.

In Deutschland ist Régine seit dreißig Jahren, und schon in Berlin habe sie angefangen, künstlerisch tätig zu sein. „Ich war in einer Band namens Zatopek, habe mit Leuten von Element Of Crime gewohnt, bin Gründungsmitglied vom Mehringhof-Theater“, zählt sie auf. „Der Mehringhof war ein alternatives Kultur- und Bildungs-Zentrum. Im Nicaraguakrieg haben wir zum Beispiel Nica-Kaffee eingeführt, hatten den Buchladen ‚Schwarze Risse’ – über mein Leben in Berlin kann man ein Buch schreiben!“ Nach Braunschweig kam Régine, weil der Vater ihres Sohnes hier wohnte. „Ich wollte nicht, dass mein Sohn ohne Vater aufwächst, auch wenn wir getrennt waren“, sagt Régine. „Ich bin eine kämpferische, alternative Vorreiterin in vielen Sachen, aber ich habe in meiner Erziehung trotzdem konservative Prinzipien weitergegeben“, sagt sie.

Als Beispiel erzählt sie, wie sie in der Pariser Métro Musik gemacht und Geld gesammelt hat. „Das war kein Betteln, sondern ein künstlerischer Auftritt, das war eine ganz andere Epoche, wo man sich außerhalb traditioneller Wege produzieren konnte.“ Régine habe den Weg weg von der Tradition gewählt und Sachen bewegt für sich und andere. „Aber je älter ich wurde, desto mehr Prinzipien habe ich in mein Leben eingebaut und die an meinen Sohn weitergegeben.“ Zum Beispiel durch feste Uhrzeiten für Essen oder Hausaufgaben, die er einzuhalten hatte. „Jetzt wird er 19 und ich merke: Ich finde zu meinen Ursprüngen zurück, zu meiner alten künstlerischen Ausdrucksform, nur mit mehr Weisheit und Erfahrung.“ In Braunschweig sei sie die erste gewesen, die eine Lesung mit Musik gemacht habe, 1995 im Galeriehof, begleitet von Lutz Trenkwitz. Ihre Texte seien politisch und sozial, handelten aber auch von Liebe, jedoch von der schmerzhaften, also lustigen Seite. „In meiner literarischen Kunst greife ich heute auf das zurück, was meine Landsleute geschrieben haben, zum Beispiel Serge Gainsbourg.“, sagt Régine. „Als nächstes möchte ich Léo Ferré machen, gerne auch eine Frau.“ Die Texte wähle sie mit Bedacht: „Die zeigen auch einen Lebensabschnitt, der hinter mir liegt, die schildern auch meine letzten 30 Jahre.“ Und schlägt erneut die Brücke zu heute: „Die Jugend hat etwas verloren, und was fehlt, ist im Grunde Engagement, auch politisches, Verantwortung in der Gesellschaft und in der Liebe“, zählt sie auf. „Die kriegen alles in den Hals gesteckt, wir haben es uns verdient, aber die wissen nicht, woran sie sich orientieren können, und hören dann die Beatles und Cat Stevens, aber was suchen sie in den Texten und Klängen?“ Régine gibt die Antwort selbst: „Eine Ideologie, und darauf greife ich mit meinen Texten zurück – warum soll ich neue Sachen schreiben, wenn es das alles schon gibt? Meine künstlerische Arbeit ist nicht, neue Texte zu schaffen, sondern Geschichte zu zeigen.“ Ein gewaltiger Bogen, den sie da spannt.

„Meine Bilder suchen Ausgeglichenheit und Harmonie, sind kontemplativ, eine Einladung zum Träumen“, sagt Régine. „Die jungen Leute arbeiten mit Technik“, fährt sie mit Blick auf die Bilder von Chrisse Kunst fort. „Das ist gut so, das sollen sie auch, doch irgendwann haben sie ihre Technik erschöpft, und dann erst werden sie schöpferisch.“

Dann kommt Régine auf die Kleinkunstszene in Braunschweig zu sprechen. „Die Szene hat Pause gemacht, kommt aber wieder“, kündigt sie an. „Die Leute sind jetzt zwischen 45 und 55“, sie selbst sei 49, „die sind aus dem Gröbsten raus und brauchen den Ausdruck.“ Sie nennt Namen wie Toddn, Axel Klingenberg und Elmar. „Wir nennen das manchmal Familie, wir begleiten uns seit Jahren.“ Sie zeigt auf das Poems-For-Laila-Plakat. „Das Konzert macht Toddn, und Elmar macht bestimmt den Sound.“ Und dann erzählt sie von ihrer eigenen Rolle in Braunschweig. „Ich bin die Chefschnecke vom Liro, die Grande Dame vom Kalenwall, ich habe später, 1997, das Flex in der Leopoldstraße gegründet.“ Auch von Radio Okerwelle sei sie Gründungsmitglied. „Als vorm Brain die Emanzen demonstrierten, habe ich Wiglaf Droste hinein gelassen und mich mit den Emanzen angelegt“, erzählt sie kichernd. „Jan Off war auch dabei.“

Zwischendurch geht Régine immer wieder „für zwei Minuten rauchen, länger brauche ich nicht.“ Das Treiben im Riptide wird allmählich lebendiger. Für den normalen Kundenverkehr ist es geschlossen und soll für die Show von Nagel erst wieder geöffnet werden. Doch dafür muss der Beamer laufen, Boxen stehen, Tische beiseitegeräumt und ein Lesetisch aufgestellt werden. Bierbänke sollen quer im Riptide stehen. Régine setzt sich nach draußen, wo bereits einige andere Nagel-Gäste auf Einlass warten. Gelegentlich regnet es, kühl ist es auch, doch niemand murrt. Die Zahl der Wartenden wird größer, plötzlich ist auch Toddn dabei und setzt sich überrascht zu Régine. Er hat am morgigen Freitag seinen sechsten „Videokiller“-Termin im Studio Ost, mit Kitty Reed und Meike Köster. „Da werde ich viel über Politik machen“, sagt Toddn, „Bankenkrise.“ Er ist krank und fühlt sich nicht so gut. „Meike hat auch schon angerufen und gesagt, dass sie nicht singen kann“, grinst er unter seiner Wollmütze.

Wie Régine hat auch Toddn eine bewegte Braunschweiger Vergangenheit. „Ich habe die Haifischbar gegründet, das war vorher eine türkische Spielhalle“, erzählt er. „Die Idee habe ich aus Hamburg mitgebracht, aber in Hamburg war mir zu viel Rock’n’Roll.“ Zu viel Stress, meint er. „Ich habe da unter anderem für Crypt Records gearbeitet, die haben die ersten Sachen von Jon Spencer rausgebracht.“ Jedenfalls habe er die Bar in Braunschweig eröffnen wollen. „Im Liro hattest du die Idee, der einen Fischnamen zu geben“, erinnert sich Régine. „Stimmt,“ bestätigt Toddn, „und bevor es eine türkische Spielhalle war, hieß es ‚Zum Walfisch’.“ In Hamburg wird Toddn demnächst aber wieder unterwegs sein, sowohl mit der „Please Kill Me“-Lesung als auch mit „Toddn Killed The Video Star“. „Bei ‚Please Kill Me’ wird Hollow Skai dabei sein, der Lektor des Buches“, sagt Toddn. „Ich freu mich wieder auf Hamburg.“ Régine kommt auf ihre Einschätzung von vorhin zurück: „Wir sind eine große Familie, stimmt das?“ Toddn nickt. „Das stimmt, aber wir sehen uns zu selten.“ Er springt auf. „Ich muss mal Werbung machen für morgen“, sagt er, holt ein Videokiller-Plakat aus seiner Tasche und wird von den vielen Wartenden dabei beobachtet, wie er es an die Wand klebt.

Nagel kommt vorbei und sieht die vielen Menschen, die allmählich ins Riptide gelassen werden. „Schlangen vor einer Lesung, das habe ich mir immer gewünscht“, grinst er. „Ich geh erst mal eine rauchen, bis gleich.“

Toddn fährt fort, seine Geschichte zu erzählen. „In den 80ern bis 1989 habe ich ‚The Street’ gemacht, das erste Braunschweiger Fanzine“, sagt er. „In der letzten Ausgabe hatten wir Interviews zum Beispiel mit Bad Brains und Motörhead.“ Außerdem hatte er bis vor kurzen noch mit Timo Tegtmeyer den Roten Korsaren in Dibbesdorf geführt, ist dort aber zugunsten des Videokillers ausgestiegen. „Ich muss weg“, sagt er abrupt und klebt noch schnell ein Poems-For-Laila-Plakat an, „ich muss für morgen fit sein.“

Am Eingang steht André und kassiert. Das Riptide ist rappelvoll, die Leute quetschen sich auf den Bierbänken zusammen und stehen sogar an der Theke. Niemandem macht die Enge etwas aus. Nagel kommt vom Rauchen zurück. „Ist überhaupt noch ein Platz für mich frei?“, fragt er André. „Du hast den Extra-Platz reserviert“, grinst der. Immer noch kommen Gäste und staunen darüber, dass für sie eigentlich gar kein Platz mehr ist. „Leg dich doch quer über uns“, schlagen Sitzende vor. „Es gibt noch Plätze, auf denen man nur hören und nichts sehen kann“, sagen andere. „Verkauft die doch zum halben Preis!“ Auch André staunt und erzählt: „Bei Olafur Arnalds hatten 80 Leute gestanden, mit Bänken haben wir das heute zum ersten Mal. Damals hatten wir Kaffee und Kuchen gemacht, weil wir nicht wussten, wie viele Leute kommen, und sind dann kaum mit dem Tablett durchgekommen.“ Das Publikum weiß aber mit der Enge umzugehen und beweist gegenseitiges Vertrauen. „Ein Becks“, ruft ein Gast von der Tür aus Chris an der Theke zu und reicht das Geld dem nächstbesten Sitzenden vor ihm. „Reich mal weiter, bestellt ist schon.“

Nagel begrüßt das Publikum mit einem freundlichen „Hallo“, das mehrstimmig erwidert wird. „Für den Titel meiner Lesereise habe ich einen Freund gefragt, der Schlug vor: ‚Pudding an der Wand – ein Abend mit Nagel’“, sagt Nagel. „Ich habe den Witz selber erst zwei Tage später verstanden; ging es euch auch so?“ Zustimmendes und erheitertes Gemurmel aus dem Publikum. Dann erzählt er die Geschichte vom ausgefallenen Braunschweiger Muff-Potter-Konzert letztes Jahr, als die Band parallel zu einer Ballermann-Party spielen sollte. „Das stand nicht im Einklang mit dem, was wir unter Muff Potter verstehen, deswegen haben wir das abgesagt – noch mal eine herzliche Entschuldigung an alle, die deswegen extra gekommen waren.“ Außerdem freut er sich, dass heute so viele Leute da sind, wo doch Udo Lindenberg parallel in der Volkswagen-Halle auftrete. Wie angekündigt liest Nagel aus seinem Buch, singt Lieder und zeigt lustige Graffiti, die er unterhaltsam kommentiert.

In der Pause kommt auch André wieder ins Riptide. „Ich war draußen, damit mehr Leute Platz haben“, sagt er. Außer ihm tummeln sich noch eine halbe Handvoll Leute vor dem Café, die keinen Platz gefunden haben. Auch hier herrscht keinerlei Unmut. Das Publikum strömt aus dem Café, um zu rauchen, sich die Beine auszustrecken und sich über die Lesung zu unterhalten. Man spürt, dass es den Menschen gut geht. Auch regnet es gerade einmal nicht.


van Bauseneick
www.krautnick.de

3 Reaktionen

  1. Régine
    10. Oktober 2008 · 15:48 Uhr

    gut gut dein Artikel!Weil man Lust auf mehr hat!!
    liebe grüsse

  2. matze
    10. Oktober 2008 · 12:50 Uhr

    Der Abend mit Nagel war sehr fein, bitte mehr davon!

  3. rainer
    10. Oktober 2009 · 17:25 Uhr

    Hallo,
    die 80er waren schon wild.
    Damals beorgte ich mir die Platte von Zatopek. Die kam mir dann bei meinem 2jährigen Aufenthalt in Liverpool abhanden.
    Seitdem suche ich eine Kopie davon.
    Gibt es da vielleicht eine Möglichkeit.

    Gruß Rainer

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