#03 Für die Kultur ist es gut

25. Januar 2008

Viele Leute sind da, die meisten einfach nur auf einen Kaffee, einige mit Platz am Fernseher (direkt am Fenster also). Der jüngste Gast ist Mathilda, neuneinhalb Monate alt, agil, aufmerksam, zum Stehen bereit und wie wild durch das Café krabbelnd. Ihre Mutter Ilka krabbelt ihr entgegen, ein Riesenspaß für beide. Mit all dem Spielzeug ist das Café ein El Dorado für Kinder. „Als ich im dritten Monat schwanger war, habe ich geträumt, eine Tochter zu haben, die Mathilda heißt“, erzählt Ilka. Sie mochte die Mathilda aus „Léon der Profi“ schon immer, aber erst nach diesem Traum war ihr klar, dass das erste Kind nicht nur ein Mädchen, sondern auch eine Mathilda wird. „Ich habe letzte Nacht auch von ihr geträumt“, berichtet Chris hinter dem Tresen erstaunt. „Sie war so alt wie jetzt und hat sich mit mir unterhalten.“

Die Musik kommt vom PC, per Zufallsgenerator. „Atari Teenage Riot hab ich aber erst mal runtergenommen“, sagt Chris erschrocken, als die gerade lospoltern. „Ich will ja nicht, dass jemand vor Schreck vom Hocker fällt.“ Zwischendurch muss er den PC neu starten, für die kurze Zeit läuft also keine Musik. „Singt mal was“, bittet Chris. Singen? Höchstens Gitarren-Riffs. „Beim Autofahren haben wir das auf langen Strecken gespielt“, grinst Chris: „Heiteres Riffraten.“

Jenny kauft sich „In Rainbows“ von Radiohead auf Vinyl. Sie kennt das Album zwar schon in der mp3-Version, aber: „Mir war klar, dass ich es sowieso kaufe.“ Die angebliche mangelhafte Qualität der offiziellen mp3s kann sie nicht nachvollziehen. „Ich höre keinen Unterschied zwischen 160 und 320 kbps“, gesteht sie. Wer’s richtig hören will, kauft sich, wie sie, ohnehin das Album. Auch nach Berlin will sie fahren, um für 45 Euro Radiohead live sehen. „Das werde ich mir leisten.“

Neben ihr steht die neue Vitrine, mit Muffins. „Die funktioniert auch endlich“, erzählt Chris. „Bei der davor, da war das Kühlmittel zu alt.“ Die Muffins, diesmal von André gebacken, schmecken aber auch wieder. André, der heute die meiste Zeit in der Küche verbringt, berichtet von weiteren Neuerungen: „Wir haben jetzt auch Burger im Angebot,“ zum Beispiel. „Und regelmäßige Veranstaltungen,“ wie die Party am 19. und das Superpunk-Frühstück in der Woche darauf. Chris ergänzt Andrés Aufzählung um die angeleierten Abos von „Spex“ und „Rolling Stone“. Auch „Intro“ und „Uncle Sally’s“ sollen endlich ausliegen. „Das Intro hat gerade keinen Zusteller für Braunschweig“, erzählt Chris. „Aber die wollen uns die Hefte und den Aufsteller per Post schicken – und gleich eine Stellenausschreibung, die wir aushängen werden.“

Manuel kauft sich derweil „Ringleaders Of The Tormentors“, das letzte Album von Morrissey, und zwar als LP. „Ich hab da jetzt Bock drauf“, sagt Manuel. „Morrissey ist seit ‚You Are The Quarry’ endlich wieder gut,“ findet auch Chris. Manuel studiert Medienwissenschaften mit Politik im Hauptfach. Beim Thema Politik und Kultur fällt ihm sofort die Brücke ein: „Die Stadt verkauft die Brücke für eine Million Euro und mietet sich im ‚Schloss’ für mehr als eine Million Euro pro Jahr ein“, beklagt er. „Im Roten Saal haben sie aber mehr Laufkundschaft, also mehr Publikum als in der Brücke.“ Sein Fazit: „Für die Politik ist das schlecht, für die Kultur ist es gut.“

van Bauseneick
www.krautnick.de

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